Um das geplatzte Projekt Friedchen‘s Pommesbude auf dem Höchsten ist ein Streit entstanden. Beide Seiten schildern nun ihre Sicht für die Gründe. Und die sind nicht immer deckungsgleich.

Höchsten

, 09.08.2019, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Freude war groß bei den Bewohnern im Dortmunder Süden und sicher auch darüber hinaus. Im Oktober 2018 hatte Gastronom Kay Fräder angekündigt, an der Wittbräucker Straße „Friedchen‘s Pommesbude“ zu eröffnen.

Damals hieß es, das Lokal solle im Februar eröffnen, im Januar wurde der April anvisiert, im April hieß es dann, dass aus der Eröffnung vorerst gar nichts werde.

Jetzt eröffnet Fräder im Alten Bahnhof in Huckarde anstatt auf dem Höchsten.

Die eigens für das Projekt gegründete Friedchen‘s Gastronomie und Verwaltungsgesellschaft mbH hat am 6. August (Dienstag) den Vertrag mit den Verpächtern vom Höchsten gekündigt, möglicherweise landet die ganze Angelegenheit vor Gericht. Warum ist es so gekommen?

Die Besitzer der Immobilie auf dem Höchsten auf der einen sowie Kay Fräder und ein Berater auf der anderen Seite haben unabhängig voneinander ihre Sicht der Dinge geschildert. Das sind die wichtigsten Punkte.

Der Zeitpunkt der Übergabe

Der Vertrag zwischen beiden Parteien ist am 10. Oktober 2018 geschlossen worden.

Das sagen die Verpächter: „Wir haben versprochen, die Gaststätte in einem konzessionsfähigen Zustand zu übergeben. Einen Übergabetermin gibt es aber nicht“, so das Verpächter-Ehepaar. Konzessionsfähigkeit bedeutet, dass der Besitzer der Immobilie – in diesem Fall – die Erdgeschossfläche soweit herrichtet, dass für den Pächter die Grundvoraussetzungen erfüllt sind, eine Erlaubnis für den Gaststättenbetrieb beantragen zu können. Das umfasst zum Beispiel bauliche Maßnahmen hinsichtlich Brandschutz, Abwasser und Belüftung oder das Vorhandensein einer behindertengerechten Toilette.

Für einen Teil der umfassenden Veränderungen mussten die Verpächter einen Bauantrag stellen. Die abschließende Gaststättenkonzession zu bekommen, ist ebenso Friedchen‘s Sache wie zum Beispiel die Anschaffung des Kücheninventars.

Nur wenn das Bauordnungsamt sein Einverständnis für den Bauantrag gibt, darf offiziell umgebaut werden. „Die Mitarbeiterin im Bauordnungsamt war immer hilfsbereit“, sagen die Besitzer. Bis heute läge aber keine Baugenehmigung vor. „Dass es so lange dauert, bedauern wir. Wir können es aber nicht ändern.“

Das sagt Friedchen‘s: „Zum 15. Oktober hätte alles fertig sein müssen, so steht es im Vertrag“, sagt der Berater der GmbH. „Bis heute ist aber nichts gemacht“, sagt Kay Fräder. Als relativ schnell klar war, dass der geplante Eröffnungstermin nicht realisierbar ist, habe man sich darauf eingelassen, die Eröffnung in den Januar zu verschieben.

Im Januar sei dann allerdings ein entscheidender Antrag für die Zukunft des Gebäudes vom Amt abgelehnt worden. Weiterhin habe es keine Bauarbeiten gegeben, obwohl einige auch unabhängig vom Bauantrag hätten durchgeführt werden können, sagt der Berater.

Eigentlich wollte Friedchen‘s den Pachtvertrag damals kündigen. Fristen zum Start der Umbaumaßnahmen habe man gesetzt, aber auch mehrfach Aufschub gewährt. „Im Juli haben wir den Verpächtern angeboten, den Vertrag aufzulösen, dann wäre die Sache erledigt gewesen.“ Voraussetzung: Die Besitzer des Gebäudes hätten Schadensersatz zahlen müssen. Dieser Auflösungsvertrag sei nicht zustande gekommen. Und so ist die tatsächliche Kündigung auf den Weg gebracht worden.

Der Zeitpunkt der Kündigung

Das sagen die Verpächter: „Von der Kündigung haben wir aus der Zeitung erfahren“, sagt das Ehepaar. Friedchen‘s hatte bei der Bekanntgabe der Neueröffnung in Huckarde mitgeteilt, dass der Vertrag mit den Verpächtern der Räume auf dem Höchsten am 29. Juli fristlos gekündigt worden sei. Die tatsächliche Kündigung sei erst am 6. August angekommen.

Das sagt Friedchen‘s: Die Kündigung sei tatsächlich für den 29. Juli geplant gewesen. An dem Tag habe man aber erfahren, dass der Vater der Verpächterin, der den Pachtvertrag noch unterschrieben hatte, gestorben ist. Aus Pietätsgründen habe man daher zunächst auf die fristlose Kündigung verzichtet und sie am Abend des 6. August abgeschickt.

Das Inventar und das Geld

Das sagen die Verpächter: Seit dem Jahreswechsel liegen Teile der alten Einrichtung im Biergarten der Gaststätte. „Ich habe mein Wort gegeben und gesagt: Ihr könnt damit machen, was ihr wollt. Wir haben eine Gaststätte übergeben und eine Ruine bekommen.“

Das sagt Friedchen‘s: Er habe schon viel Geld in das Projekt auf dem Höchsten investiert, sagt Kay Fräder. Zudem hatte er schon Anfragen für Feiern auf dem Höchsten zugesagt. Um diese durchführen zu können, habe er seine bestehende Filiale in Kirchlinde an zwei Tagen für den Publikumsverkehr schließen müssen.

Das herausgenommene Inventar, sagt der Berater, sei zum großen Teil eine abgehangene Decke, die bei Bauarbeiten entfernt wurde. Zudem sei vertraglich geregelt, dass sämtliches Inventar kostenlos an Friedchen‘s übergehe. Über die Kosten für eine mögliche Entsorgung wolle man nicht streiten.

So geht es weiter

Der Berater der Friedchen’s-GmbH sagt, dass eine Klage in Auftrag gegeben sei. „Es ist nunmal ein Schaden entstanden, wir sind sicher, dass eine Klage positiv für uns ausgehen würde. Das alles hat so aber keiner gewollt.“

Auf dem Höchsten hätten sich viele Menschen auf das neue Angebot gefreut, sagten die Verpächter. „Wir möchten den ganzen Ärger nicht. Es wäre schön, wenn wir eine Lösung fänden, aber nicht um jeden Preis.“

Friedchen‘s will jetzt noch einmal auf die Verpächter zugehen und eine außergerichtliche Lösung anstreben: „Eventuell habe ich auch einen Ersatzpächter.“

Lesen Sie jetzt