Im Hospiz in Westrich geht die Angst um - es gibt feste Regeln

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Im Hospiz St. Elisabeth ist der Tod zu Hause. Trotzdem geht dort die Angst um, weil man nicht genügend ausgestattet ist mit Masken und Co. Heike Schöttler hegt einen besonderen Wunsch.

Westrich

, 03.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es klingt wie eine sarkastische Formel in diesen Corona-bewegten Tagen: Im Hospiz ist ohnehin der Tod zu Hause. Aber eben auch ein Stück Fröhlichkeit, in liebevoller Atmosphäre und würdevoll das Leben loslassen zu können. Gleichwohl geht’s dem Hospiz angesichts der Pandemie nicht anders als den Seniorenzentren. Im Hospiz St. Elisabeth an der Bockenfelder Straße in Westrich fehlt es an der dringend benötigten Schutzausrüstung: Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Kleidung.

„Ich kann meine Fürsorgepflicht gegenüber meinem Team nicht erfüllen“, klagt Heike Schöttler, seit zweieinhalb Jahren Leiterin des Pflegedienstes und der kompletten Einrichtung, im Gespräch mit unserer Redaktion. Vor neun Wochen schon, sagt sie am Mittwoch, 1. April, habe sie versucht, zusätzliche Atemschutzmasken zu ordern. Fehlanzeige.

Gäste dürfen weiterhin Besuch bekommen, es gibt aber feste Regeln

„Wenn wir hier einen Fall hätten, dann käme ich mir vor wie in der Serengeti“, beschreibt die 47-Jährige, Chefin über 16,0 Vollzeitstellen, mit Leuten in Voll- und Teilzeitarbeit besetzt. „Wir alle als Zebras verkleidet und im Fluss schwimmen die Krokodile und ich sage: Spring“, verdeutlicht sie. Nötig im pflegerischen Bereich wären die FFP2- oder 3-Masken. Die aber gebe es derzeit nicht.

Nein, das Hospiz hat den Angehörigen der Gäste den Besuch nicht verweigert. Die Verwendung des Wortes Gast steht für sich. Fast im doppelten Wortsinn. Willkommen geheißener und gern gesehener Gast im Hospiz, höchstwahrscheinlich noch kurz auf dieser Erde, von dieser Welt. Aber die Besuche sind deutlich eingeschränkt. „Wir als Hospiz tragen hier eine Sonderverantwortung“, sagt Heike Schöttler.

Zusätzliche Besucher dürfen von draußen winken

Eine Person darf einmal am Tag eine Stunde zu Besuch kommen. Dieser Besuch bekommt eine selbstgemachte und gespendete Atemschutzmaske. „Das halte ich für meine Pflicht“, erklärt Heike Schöttler. Es werde zudem kontrolliert, dass sich der Besucher die Hände desinfiziere und er werde ins Zimmer begleitet.

Sind mehr Angehörige dabei, dürfen sie von draußen winken. Ausgerüstet mit Mundschutz. Die zwölf Gäste-Zimmer im Hospiz sind ja alle ebenerdig und verfügen über eine eigene Terrasse mit Blick ins Grüne.

Der Blick aus allen Zimmern führt ins Grüne, zunächst in den Garten mit Teich.

Der Blick aus allen Zimmern führt ins Grüne, zunächst in den Garten mit Teich. © Schlehenkamp

Anders sieht es aus, wenn die Tage des Gastes gezählt scheinen. In der akuten Sterbesituation, vielleicht die letzten ein, zwei Tage, werden die Regeln geändert. Mit Mundschutz und Handschuhen ausgerüstet, dürfen dann auch mehrere Angehörige Abschied nehmen von ihrem Menschen.

Statt zwölf Plätze hat das Hospiz jetzt vorübergehend nur zehn

Vorsichtshalber hat das Hospiz seine zwölf Plätze auf zehn reduziert. „Um besser reagieren zu können, wenn wir eine Ausbruchssituation haben“, sagt Heike Schöttler. Die Ehrenamtlichen, die sonst Besuchsdienst leisten, sind übrigens schon lange raus. „Sie sind ja auch alle älter oder haben Vorerkrankungen“, verdeutlicht die 47-Jährige. Im Normalfall hat das Hospiz über 20 Freiwillige.

Neben der mangelhaften bis nicht vorhandenen Schutzausrüstung zählt sie drei weitere Dinge auf, die so gar nicht vertretbar seien. Bei möglichen Neuaufnahmen stoße das Hospiz mit der Bitte um einen Rachenabstrich auf Gegenwehr bei Hausärzten wie bei Krankenhäusern. Und selbst wenn Hausärzte oder Palliativmediziner zu einem Test bei einem Gast bereit stünden, verfügten diese wohl selbst nicht über genug Rachenabstrich-Röhrchen.

Hospiz-Chefin wäre dankbar über ein Tablet

Und die Reaktionskette sei viel zu langsam. Damit spricht sie an, was passiert, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter sich krank fühle. Dann solle man erst 72 Stunden abwarten. „Wir brauchen da aber eine schnelle Mitarbeiter-Testung in der Pflege“, sagt sie. Ein anderer Wunsch ist vielleicht eher zu erfüllen. Wenn jemand ein Tablet zur Verfügung stellen würde, damit die Gäste mit Angehörigen sprechen oder sich zuwinken könnten, wäre das eine tolle Geste, erklärt Heike Schöttler.

Das Hospiz St. Elisabeth an der Bockenfelder Straße in Westrich.

Das Hospiz St. Elisabeth an der Bockenfelder Straße in Westrich. © Schlehenkamp

Dass die leeren Desinfektionsbehälter erst mal gesammelt werden müssen, damit sie aufgefüllt werden können, wenn vielleicht Nachschub kommt, ist eventuell zweitrangig. Wichtig als positive Nachricht ist für die Leiterin festzuhalten: Die Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt und dem Hospizpalliativverband (HPV) NRW sei gut.

Drei Wochen: So lange dauert häufig das Wohnen im Hospiz

„Der Austausch mit den anderen Hospizen klappt auch gut“, betont sie. Und alle im Mitarbeiterteam hielten sich an die Regeln und hätten großes Verständnis. Wer wissen möchte, wie lange die Verweildauer im Hospiz ist: Das ist unterschiedlich. Drei Wochen vielleicht, nennt Heike Schöttler eine Zahl. In den Jahren ihres Engagements an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel konnten aber auch zwei Gäste das Haus wieder verlassen.

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