Museum bittet Dortmunderinnen und Dortmunder um ihre Lieblingsstücke

hzAusstellung mit Dortmundern

Persönliche Lieblingsstücke möchte der Chef des Museums für Kunst und Kulturgeschichte von den Dortmundern ausleihen. Daraus soll im Herbst eine Ausstellung entstehen.

Dortmund

, 21.03.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was bedeutet uns der Ort, an dem wir leben? Diese Frage stellen Museumschef Jens Stöcker und Kulturwissenschaftlerin Astrid Wegner allen Dortmunderinnen und Dortmundern.

Und die Antwort auf die Frage sollen die Dortmunder eintüten, das heißt, einen Gegenstand, der mit der Antwort zu tun hat, in eine der 6000 braunen „Mein Dortmund“-Tüten stecken und im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) abgeben.

Was immer Dortmunder an Dortmund mögen, darf in die Tüte

Was die Dortmunder abgeben, bleibt völlig ihnen überlassen. „Wir suchen Geschichten, persönliche Sichtweisen auf die Stadt.“ In die Tüte könne man zum Beispiel Objekte und Bilder stecken, aber auch Texte, Gedichte, Gedanken, Ideen oder Lieder. Auch Computerdateien wie Audios und Videos können Dortmunder abgeben oder am MKK-Empfang auf einen PC überspielen, der dort eingerichtet ist.

In jeder Tüte liegt ein kurzer Fragebogen. Darauf soll man eintragen, was man mit dem abgegebenen Objekt verbindet, und kurze Fragen zu Dortmund beantworten. Auf der Rückseite gibt man seine persönlichen Daten an – die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden.

Die erste Ausstellung ist für Herbst geplant

Aus den abgegebenen Dingen möchten Wegner und Stöcker eine Ausstellung erstellen. Die Informationen aus den Fragebögen werden in der Ausstellung als Erläuterungen dienen. Die erste Sammelphase soll Ende Juni enden, im Herbst könnte das MKK die erste Ausstellung zeigen.

Wer sein „Lieblingsstück“ anschließend wiederhaben möchte, kann vor der Abgabe auf dem Fragebogen seine persönlichen Daten angeben. Das MKK organisiert nach der Ausstellung dann die Rückgaben an die Leihgeber.

In der Pfalz und in Wiesbaden hat es schon funktioniert

Die Idee dazu hatte Astrid Wegner. Die Kulturwissenschaftlerin hat dieses Projekt schon mehrmals in anderen Städten umgesetzt, zum Beispiel in der Pfalz und in Wiesbaden. An beiden Orten kamen rund 100 beziehungsweise 130 Ausstellungsstücke zusammen.

„Zum Beispiel das Modell einer Dampfmaschine“, erzählt Wegner beim Pressetermin am Mittwoch im MKK. „Oder Kinderschuhe. Der Leihgeber der Schuhe schrieb dazu, dass dies die Schuhe sind, mit denen er selbst als Kind die ersten Schritte durch die Stadt gemacht hat.“

Kritik an der Stadt ist auch willkommen

In einer anderen Tüte fand Wegner Bauschutt von zehn verschiedenen Baustellen der Stadt, verbunden mit deutlicher Kritik am Baumanagement der Stadt. Wegner bereitete dieses Objekt für die Ausstellung mit zusätzlichen Informationen und Bildern von den Baustellen auf: „Darüber diskutierten die Leute. So wünschen wir uns das auch in Dortmund, dass Menschen Dinge ansprechen, die sie bewegen. Das können gern auch kritische Sichtweisen sein.“

Damit dreht das MKK das klassische Verhältnis zwischen Besucher und Museum um: Es erwartet nicht, dass sich die Besucher dafür interessieren, was es zu erzählen hat, sondern interessiert sich dafür, was die Besucher über Dortmund erzählen. Die Hoffnung scheint berechtigt, dass eine Ausstellung persönlicher Sichtweisen auf die Stadt auch für viele andere Dortmunder interessant ist.

„Das war ein Aspekt, den ich hier bisher vermisst habe“, sagt Jens Stöcker: „Den Link in die Alltagswelt der Menschen.“ Darum möchte er sich künftig viel stärker kümmern. Das MKK soll ein Ort werden, an dem die Menschen ihr eigenes Leben wiederfinden und das von anderen Dortmundern kennenlernen können.

Die 6000 Papiertüten mit der Aufschrift „Mein Dortmund“ in 20 Sprachen liegen ab sofort an 30 Orten in der Stadt aus: Museen, Kinos, Sparkassenfilialen, Bibliotheken, VHS und vielen weiteren.

Abgeben kann man sie im Foyer des MKK, Hansastraße 3: mittwochs 13.30 bis 16 Uhr, donnerstags 17 bis 19.30 Uhr, freitags 10 bis 12 Uhr.

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