Das „Ruhrgebiet der USA“ hat im Wahlkrimi um Trump und Biden die Schlüsselrolle

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Wie haben US-Amerikaner in Dortmund die Präsidentschaftswahl in den USA erlebt. Im Videotalk tauschten zwei US-Gastdozenten und US-Experte Prof. Walter Grünzweig ihre Erfahrungen aus.

Dortmund

, 04.11.2020, 18:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich bin geschockt“, sagte Evan Sandsmark. Patrick Brown zeigte sich überrascht vom guten Abschneiden von US-Präsident Donald Trump im Duell gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden. Im Videotalk unserer Redaktion berichteten Sandsmark und Brown am Mittwochvormittag, wie sie die Wahlnacht in den USA und die Auszählung der Präsidentschaftswahl erlebt haben.

Evan Sandsmark ist Doktorand in Religionswissenschaften an der University of Virginia und über ein Austauschprogramm an die TU Dortmund gekommen. Ebenso wie Patrick Brown, der an der University of Iowa in Filmwissenschaften promoviert hat. Seine Freunde in den USA, seien „ein bisschen enttäuscht und entsetzt“, erzählte Brown. „Wir haben alle gehofft, dass Biden deutlich gewinnt. Aber das ist nicht passiert.“

Ganz aufgeben wolle er die Hoffnung auf ein „happy end“ allerdings nicht. Es käme nun auf die Industriestaaten Wisconson, Michigan und Pennsylvania an. „Das ist das Ruhrgebiet Amerikas“, erklärte Walter Grünzweig, Professor für Amerikanistik an der TU Dortmund als dritter Gesprächspartner in der Runde. Die Frage sei, ob die Industriearbeiter dort weiter auf die Versprechungen Trumps vertrauten oder zu den Demokraten zurückkehrten.

Sorge vor unruhigen Zeiten in den USA

Verwundert zeigten sich die USA-Experten über die Forderung Trumps, die weitere Auszählung zu stoppen. „Es ist ganz klar, dass man eine Wahl nicht mitten in der Auszählung stoppen kann“, sagte Grünzweig. Trump versuche schon seit Monaten den Eindruck zu erwecken, dass es Unregelmäßigkeiten gebe. Er halte das für „keine sehr kluge Idee.“

„Es macht keinen Sinn“, stellte auch Patrick Brown fest. Aber Trump spreche so, um seine Basis aufzuwecken. Ob es, wie befürchtet, nun in den USA zu Unruhen komme, hänge wahrscheinlich davon ab, wann die letzten Wahlergebnisse vorliegen, meint der Austausch-Dozent. Immerhin sei bei der Wahl selbst ruhig geblieben. Es habe Befürchtungen gegeben, dass Trump-Unterstützer versuchen würden, an den Wahllokalen Einfluss auf Wähler zu nehmen.

Mit den Redakteuren Christian Gerstenberger (oben links) und Oliver Volmerich (oben rechts) diskutierten die Austausch-Dozenten Evan Sandsmark (oben Mitte) und Patrick Brown sowie Prof. Walter Grünzweig im Videotalk über den Ausgang der US-Wahl.

Mit den Redakteuren Christian Gerstenberger (oben links) und Oliver Volmerich (oben rechts) diskutierten die Austausch-Dozenten Evan Sandsmark (oben Mitte) und Patrick Brown sowie Prof. Walter Grünzweig im Videotalk über den Ausgang der US-Wahl. © Gerstenberger

Studenten gehen auf Distanz

Die Experten glauben, dass der Verlauf der US-Wahl Folgen für das Amerika-Bild in Deutschland hat. Er rede hier nicht gern über US-Politik, „weil es ein wenig peinlich ist“, gestand Patrick Brown.

Selbst die neuen Studierenden in der Amerikanistik wollten wenig mit den Vereinigten Staaten zu tun haben, berichtete Walter Grünzweig. „Früher haben die Leute immer gesagt, dass sie gern mal in den USA studieren wollten.“ Das sei nun anders.

Ähnlich sei es in den 80er Jahren gewesen, als Ronald Reagan US-Präsident wurde, erinnert sich Grünzweig. „Heute kommt einem Reagan vergleichsweise wie ein freundlicher Gentleman vor.“

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