Raser-Frust: „Hier könnte man über zehn Führerscheine pro Tag einkassieren“

hzGeschwindigkeitskontrollen

Der Unfall mit einem kleinen Mädchen hat eine Debatte über Geschwindigkeitsmessungen angeheizt. Bürger schütteln den Kopf über Kontroll-Schwerpunkte der Stadt und sind sauer auf die Polizei.

Oespel

, 18.08.2020, 14:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorwurf Richtung Polizei und Stadt wiegt schwer: „Oespel ist ein ordnungsrechtliches Niemandsland“, meint der zweifache Familienvater Markus Rademacher. Auslöser seiner öffentlichen Kritik ist der Unfall im Kreuzungsbereich Steinsweg/Ewald-Görshop-Straße in Oespel, bei dem ein Mädchen (6) auf dem Fahrrad Anfang August schwer verletzt wurde.

Die Stadt weist den Vorwurf zurück, kontert mit einer Übersicht der Kontrollschwerpunkte – und erntet erneut Kritik. Gleich mehrmals muss Claudia Westphal, die seit 52 Jahren in Oespel wohnt, den Kopf darüber schütteln. Sie fragt:

„Aus welchen Gründen wählt man als Schwerpunkt die Overhoffstraße?“ Vor circa 30 Jahren habe man sie zur Sackgasse gemacht, um hier den Verkehr zum Indupark zu unterbinden. „Klar wohnen dort noch Menschen, aber Durchgangsverkehr? Fehlanzeige!“ Antwort der Stadt: „Aufgrund von Beschwerden wurden dort bereits mehrfach Messungen durchgeführt.“

Warum keine Radarfallen am Steinsweg?

  • „Warum werden Radarfallen nicht am Steinsweg aufgestellt? Dort wird gerast, was das Zeug hält.“ Antwort der Stadt: „Im Bereich der Straße Steinsweg gibt es aufgrund der dortigen Rahmenbedingungen häufig keine geeigneten Messplätze für die Messfahrzeuge der Verkehrsüberwachung. Meistens sind die wenigen vorhandenen Parkplätze durch Anwohner belegt.“
  • „Warum wird nicht an der Sonnenwendstraße geblitzt?“ In dieser Anliegerstraße, wo Tempo 30 gilt, sei vor allem während des Berufsverkehrs rücksichtslose Raserei zu beobachten. „Damit man die Ampel noch bei Grün erwischt.“ Hier könnte man garantiert mehr als zehn Führerscheine am Tag einkassieren, „wenn nur mal jemand kontrollieren würde.“ Antwort der Stadt: „Das Ordnungsamt plant wochenweise die Messstellen für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung. Bei zusätzlichen Hinweisen aus der Anwohnerschaft werden diese in den zukünftigen Einsatzplanungen berücksichtigt. Voraussetzung ist, dass die Bereiche für Messungen mit der hier eingesetzten Technik geeignet sind.“

    Anlieger klagen über Raser auf dem Steinsweg (nicht die abgebildeten Autos), doch mit Messstellen kann die Stadt nicht dienen.

    Anlieger klagen über Raser auf dem Steinsweg (nicht die abgebildeten Autos), doch mit Messstellen kann die Stadt nicht dienen. © Beate Dönnewald

Auch Markus Rademacher wundert sich über die Liste der Kontrollschwerpunkte: „Dass es sich bei der Hedwigstraße um einen Kontrollschwerpunkt handelt, darüber musste ich doch sehr schmunzeln“, so der Anwohner. Geschwindigkeitskontrollen würden hier nicht durchgeführt, so Rademacher. Antwort der Stadt: „Die Hedwigstraße wurde aktuell nicht bei Beschwerden benannt. Wir nehmen diesen Hinweis jetzt zum Anlass, um dort zeitnah Probemessungen durchzuführen.“

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„Eine Messung in drei Monaten“

Gemeldet hat sich bei uns auch Jens Tekampe, der nicht in Oespel, sondern an der Markgrafenstraße in der Innenstadt wohnt. Ihn regt der Appell der Polizei-Sprecherin auf: „Sie schreiben, dass man die Polizei für zusätzliche Kontrollen ansprechen soll. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass das nicht funktioniert“, so Tekampe.

Bei Twitter hätten sich viele Leute über mangelnde Verkehrskontrollen beschwert. Mit dem Ergebnis, „dass in drei Monaten eine Messung mit der Dauer von zwei Stunden durchgeführt wurde“, so Tekampe. Eine weitere Anfrage sei noch nicht beantwortet worden – seit rund drei Monaten.

„Alle Bemühungen sind im Sande verlaufen“

Auch Markus Rademacher kritisiert die Kommunikation mit der Polizei und Stadt. Er schreibt: „Meine Bitten nach Geschwindigkeitskontrollen wurden ignoriert, da das Verkehrsaufkommen nicht ausreichend sei und daher Kontrollen nicht lukrativ wären. Alle meine Bemühungen, Polizei und Ordnungsamt zu sensibilisieren, sind im Sande verlaufen.“

Wir haben die Polizei mit den Vorwürfen konfrontiert. Polizei-Sprecherin Dana Seketa schreibt: „Wir haben Ihre E-Mail zur Prüfung und gegebenenfalls weiteren Veranlassung an unsere Beschwerdestelle weitergeleitet.“

Hier können Bürger Verkehrsverstöße melden

  • Hinweise auf Verkehrsverstöße können der Verkehrsüberwachung mitgeteilt werden: beschwerden.verkehrsueberwachung@stadtdo.de
  • Gleichzeitig ist es möglich, Fremdanzeigen zu senden: fremdanzeigen.verkehrsueberwachung@stadtdo.de
  • Die notwendigen Angaben sind hier gelistet: www.dortmund.de
  • Wichtig für die Durchführung eines gerichtsfesten Verfahrens sei es, so die Stadt, dass der Anzeigensteller bereit ist, als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Dies betrifft im Schwerpunkt Meldungen zu Parksverstößen im ruhenden Verkehr.
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