Die Dortmunder und ihr „Haus am See“: Nach 100 Jahren droht das Aus

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Es ist eine Jugenderinnerung für jeden, der seit 1974 in Kirchlinde und Marten konfirmiert wurde. Das Haus am See in Dülmen. Die Corona-Krise könnte das Ende der legendären Einrichtung sein.

Marten

, 26.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Haus am See in Dülmen ist eigentlich ein Ensemble von drei Häusern. Zwei Betten-Häuser und ein Gebäude mit Mehrzweck-Saal. Und es gehört den evangelischen Gemeinden Elias Marten und Miriam Kirchlinde.

Die beiden Gemeinden gehören zu den letzten in Nordrhein-Westfalen, die sich eine eigene Jugendherberge leisten. Obwohl: leisten ist relativ. In den vergangenen Jahren hat das Haus am See sogar Profit abgeworfen.

Doch durch die Corona-Krise sind die Einnahmen futsch. Michael Nies, seit Anfang des Jahres Chef der neugegründeten „Haus am See gGmbH“, schlägt Alarm: „Wenn nicht bald Geld in die Kassen kommt, müssen wir Insolvenz anmelden.“

Klassische Nebenkosten nagen am Konto

Bereits jetzt liegt das Minus bei rund 13.000 Euro. Bis zum Ende des Jahres könnte es 35.000 bis 40.000 Euro erreichen. Pacht, Gehalt für drei Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis sowie die klassischen Nebenkosten Wasser, Strom und Heizung zerren ständig am Konto des Gemeinde-Unternehmens.

Nur Spenden, so glaubt Michael Nies, können das Haus durch das Jahr bringen. Unter DE 87 4405 0199 0061 0236 79 gibt es ein Spendenkonto. Hoffnung auf die Rettung macht ihm die Tatsache, dass das Haus in den vergangenen Jahren eine Art Renaissance im Gemeindeleben erlebt hat.

Ein Haus zunächst für die Auszubildenden des Bochumer Vereins

Das Haus am See wurde 1934 vom Bochumer Verein, einem Stahlunternehmen, gebaut. Die Herberge diente den Mitarbeitern als Erholungsheim und den Lehrlingen zur Ertüchtigung – einmal im Jahr. Solche Heime unterhielten alle großen Firmen.

Als der Bochumer Verein das Haus am See nicht mehr brauchte, übernahm die Bochumer Stadtmission die Leitung, im Jahr 1974 dann die evangelische Gemeinde Marten, heute zusammen mit der Miriam-Gemeinde.

Das Haus wurde zunächst ausschließlich von den evangelischen Gemeinden für Jugendfreizeiten, vor allem der Konfirmanden, genutzt. Vor etwa acht Jahren wurden die Verschleiß-Mängel so gravierend, dass das Wort „Abriss“ die Runde machte. Gefolgt von einer Welle der Hilfsbereitschaft, die drei Gebäude zu erhalten.

Renovierung und Modernisierung

„Die ganze Gemeinde hat mit angepackt“, erinnert sich Michael Nies. Ehrenamtliche Helfer, darunter viele Jugendliche, investierten Tausende Stunden Arbeit. Das Haus am See wurde nicht nur renoviert, sondern mit einer Holz-Pellets-Heizung sogar noch modernisiert.

Danach öffnete die Gemeinde die Anlage. Im Haus am See veranstalteten Firmen Weiterbildungen und Vereine Jugend-Freizeiten. Das Haus erwirtschaftete einen Überschuss, der für weitere Modernisierungen gespart wurde. Jetzt ist das Haus am See aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen. Die Rücklagen werden aufgebraucht. Wann es wieder öffnen kann, ist offen.

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