Deponie-Ärger in Dortmunder Siedlung: Anlieger erkämpfen einen Mini-Erfolg

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In einer Dortmunder Siedlung wächst eine Deponie – und mit ihr der Frust der Anlieger. Selbst über ihren Mini-Erfolg im Kampf gegen die Beeinträchtigungen können sie sich nicht freuen.

Lütgendortmund

, 17.03.2020, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Ladungen mit Erdaushub und Bauschutt rollten Ende Februar an. Sogar Pflastersteine und Kanalrohre kippten die Lkw in der kleinen Wohnstraße ab.

Die Anlieger setzten sofort alle Hebel in Bewegung, um die stetig wachsende Deponie auf dem stillgelegten Sportplatz „Im Rauhen Holz“ an der Karinstraße in Lütgendortmund so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau baten sie um Aufklärung.

Doch bislang laufen die Arbeiten weiter, der Bodenaushub einer benachbarten Kanal-Baustelle wird nach wie vor zur Zwischenlagerung in die Karinstraße gefahren. Mit einem Unterschied: „Mittlerweile bringen die nur noch Erde, der Bauschutt wurde wieder wegfahren“, berichtet Anwohner Erich Rücker.

Stadt: „Zwischenlagerung von nicht kontaminiertem Boden ist zulässig“

Damit haben die Siedler zumindest einen Teilerfolg erzielt. Denn sie sorgten sich, dass Schadstoffe in den Boden gelangen könnten. Erich Rücker bleibt skeptisch: „Anfangs wurde alles zusammen in eine Grube gekippt und zugeschüttet. Das schlummert dort bestimmt immer noch.“

Für die Stadt hat sich die Angelegenheit hingegen erledigt, denn rechtlich sieht sie sich auf der sicheren Seite. „Nach eingehender nochmaliger stadtinterner Prüfung ist festzustellen, dass die hier vorliegende temporäre Zwischenlagerung von nicht kontaminiertem Boden zulässig ist“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage dieser Redaktion.

Und weiter: „Das beauftragte Bauunternehmen muss lediglich sicherstellen, dass hierdurch für benachbarte Grundstücke keine Gefahren ausgehen und die Lagerung bautechnisch einwandfrei erfolgt. Dies ist nach Feststellung durch die Stadtentwässerung auch genau so erfolgt.“

Stadt beruft sich aufs Landeswassergesetz

Grundlage für die Arbeit der Stadtentwässerung bildet laut Christian Schön das Landeswassergesetz: „Dieses weist der Stadt die Aufgabe der Abwasserbeseitigung zu.“ Hierzu gehörten neben dem Betrieb des Kanalnetzes auch dessen fortlaufende, bauliche Veränderung und Ertüchtigung. „Entsprechende Baumaßnahmen sind damit unabdingbar und für die Anlieger auch hinzunehmen“, schreibt Christian Schön.

Dieses Foto hat Erich Rücker ganz am Anfang gemacht: Es zeigt, wie der Bodenaushub in eine Grube gekippt wird.

Dieses Foto hat Erich Rücker ganz am Anfang gemacht: Es zeigt, wie der Bodenaushub in eine Grube gekippt wird. © Erich Rücker

Erich Rücker kann die Argumentation nicht nachvollziehen: „Keiner bestreitet die Notwendigkeit einer Sanierung des Kanalnetzes, das ist für die eigentliche Baustelle sicherlich notwendig, doch hier auf der Karinstraße ist keine Baustelle.“

Die Zuständen hätten sich mittlerweile noch verschlimmert, sagt Erich Rücker am Dienstag (17.3.): „Der Aushub wird nicht nur gelagert, sondern auch aufbereitet. Der Sand wird quasi gesiebt, dabei fallen dicke Brocken raus.“ Die Staub- und Lärmentwicklung sei immens. Hinzu kämen ein reger Lkw-Verkehr, zugeparkte Einfahrten, beschädigte Bäume und Gehwege.

Die Anwohner der temporären Deponie sind enttäuscht von der Stadt. Sie überlegen sich nun weitere Schritte, um sich gegen die Belästigung vor ihrer Haustür zu wehren.

Die Anwohner der temporären Deponie (hier Ende Februar) sind enttäuscht von der Stadt. Sie überlegen sich nun weitere Schritte, um sich gegen die Belästigung vor ihrer Haustür zu wehren. © Beate Dönnewald

Am Samstag (14. 3.) hatte Erich Rücker endlich Post von der Stadt im Briefkasten. Stellvertretend für Oberbürgermeister Ullrich Sierau nahm in dem Schreiben der Chef der Stadtentwässerung Stellung zur Maßnahme. Die Zwischenlagerung sei ökologisch sinnvoll und kostengünstig, heißt es darin unter anderem.

Stadt will Anwohner zukünftig besser informieren

Erich Rücker und seine Nachbarn sind enttäuscht, dass sie das nervtötende Treiben rund um die Deponie noch bis September ertragen sollen. In den nächsten Tagen wollen die Siedler über weitere, gegebenenfalls auch juristische Schritte nachdenken.

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Einen Fehler räumt die Stadt zumindest ein: „Ihre Anregung zur Information der Anwohner auch der Karinstraße vor Beginn der Boden-Zwischenlagerung nehmen wir gerne auf und werden zukünftig unseren Prozess an dieser Stelle optimieren“, schreibt Christian Schön.

Mittlerweile sei aber ein Vertreter der städtischen Bauüberwachung vor Ort gewesen, um die Anwohner aufzuklären. Erich Rücker: „Davon weiß ich nichts.“

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