Kein Gerichtsverfahren, trotzdem droht der Beauty Oase die Zwangsräumung

hzRäumungsklage

Marlies Holthaus fürchtet um ihre Existenz. Ihr Kosmetikstudio „Beauty Oase“ soll zwangsgeräumt werden. Nun gibt es dafür einen Termin – und das obwohl die Zwangsvollstreckung ausgesetzt ist.

Kley

, 29.07.2020, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einen Vermieter-Wechsel Anfang 2019 folgten für Marlies Holthaus‘ Kosmetikstudio „Beauty Oase“ zunächst die Kündigung des Mietvertrages, dann ein neuer Vertrag inklusive Mieterhöhung und schließlich die Räumungsklage.

Die Kosmetikstudio-Inhaberin kämpft um ihre Existenz, die zusätzlich durch die zeitweise Corona-bedingte Schließung bedroht wurde. Außerdem ist Marlies Holthaus gesundheitlich angeschlagen.

Nach der mehrfachen Verschiebung des Gerichtstermins aufgrund der Corona-Krise sagte sie den zuletzt angesetzten Termin nach ärztlicher Empfehlung ab. „Ich hatte mich vorher entschuldigt und ein Attest des Kardiologen eingereicht, der die Gefahr eines Herzinfarkts bescheinigte“, erklärt Marlies Holthaus. „Außerdem hatte ich ein Attest vom Verhandlungstag von meinem Hausarzt.“

Versäumnisurteil gefällt

Dennoch gebe es nun ein Versäumnisurteil zugunsten des Vermieters der Beauty Oase-Räumlichkeiten. Die Jöcker Kreis GbR, der die Immobilie seit Anfang 2019 gehört, bestehe nun auf eine umgehende Vollstreckung des Urteils, so Marlies Holthaus.

Sie habe zwar erwirken können, dass die Vollstreckung ausgesetzt wird. „Aber nur gegen 4000 Euro Sicherheit“, sagt Marlies Holthaus. „Wo soll ich nach dem Corona-Lockdown im Studio 4000 Euro hernehmen?“ Dennoch habe sie den Betrag gezahlt, um der Zwangsvollstreckung entgegen zu wirken.

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Am 11. Juli (Samstag) habe sie allerdings ein Schreiben des Gerichtsvollziehers erhalten: Am 6. August (Donnerstag) soll ihr Studio zwangsgeräumt werden. Sie habe seitdem fast ununterbrochen versucht, den Gerichtsvollzieher zu erreichen, so die Kosmetikstudio-Inhaberin.

Doch der sei aufgrund seines Urlaubes erst ab dem 3. August wieder erreichbar. Marlies Holthaus rennt die Zeit davon. „Ich möchte wissen, warum es trotz des Beschlusses über die Aussetzung eine Zwangsvollstreckung gibt“, sagt sie. Doch niemand habe ihr diese Information geben können.

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Hat das Kosmetikstudio noch eine Chance?

Sie überlege nun, den Laden gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin selbst auszuräumen, um die Kosten einer Zwangsräumung zu sparen. „Ich sitze auf einem Pulverfass, meine Mitarbeiterin auch und vor allem alle Kunden sitzen auf einem Pulverfass, weil wir nicht wissen, ob wir noch Termine machen können“, sagt Marlies Holthaus.

Am 1. Juli hätte ihr Studio 20-jähriges Bestehen feiern können, doch angesichts der Unsicherheit fiel die Feier mit den Stammkunden aus. „Wir haben hier keine Laufkundschaft“, erklärt Marlies Holthaus. „Alle Kunden, die zu uns kommen, kommen mit voller Absicht und seit vielen Jahren.“

Eine Anfrage dieser Redaktion an das Amtsgericht Dortmund bringt wenige Tage vor der drohenden Zwangsvollstreckung ein wenig Licht ins Dunkel.

„Tatsächlich ist am 3. Juni die Zwangsvollstreckung aus dem Versäumnisurteil des Amtsgerichts Dortmund vom 20. Mai gegen eine Sicherheitsleistung von 4000 Euro eingestellt worden“, bestätigt Friederike Möller, Pressesprecherin des Amtsgerichts. „Diese Sicherheitsleistung ist auch in der Hinterlegungsstelle des Amtsgerichts geleistet worden.“

Gerichtsvollzieher muss informiert werden

Warum trotzdem ein Termin zur Zwangsräumung anberaumt worden ist, könne sie nicht mit Sicherheit sagen, da der zuständige Gerichtsvollzieher im Urlaub sei, so Friederike Möller. Allerdings werde der Eingang der Sicherheitsleistung dem Gerichtsvollzieher nicht automatisch mitgeteilt.

Es sei also möglich, dass er davon noch keine Kenntnis und deshalb einen Termin zur Zwangsvollstreckung angesetzt habe. Marlies Holthaus müsse ihm demnach nur mitteilen, dass sie die Zahlung getätigt habe, sobald er wieder erreichbar sei. Dann sei die Aussetzung der Zwangsvollstreckung definitiv.

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