Der erste Schultag nach dem Corona-Shutdown: Abstand ist kaum möglich

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Seit Donnerstag (23.4.) dürfen Schüler der Abschlussklassen freiwillig wieder die Schule besuchen. Der erste Schultag nach dem Corona-Shutdown lief in Dorstfeld und Kirchlinde nicht optimal.

Kirchlinde, Dorstfeld

, 23.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Schule geht wieder los. Allerdings ist nichts mehr wie gewohnt. Abstandsregelungen müssen eingehalten werden, nur die Abschlussklassen dürfen überhaupt zur Schule kommen. Wir haben uns an zwei Schulen umgehört, wie der erste Tag gelaufen ist.

Das Bert-Brecht-Gymnasium (BBG) in Kirchlinde hat derzeit 118 Abiturienten. Sie alle haben seit Donnerstag (23.4.) die Möglichkeit, wieder in die Schule zu gehen. Doch nicht alle machten am ersten Schultag nach dem Corona-Shutdown davon Gebrauch.

„Das ist auf freiwilliger Basis“, erklärt Schulleiterin Sabine Schmidt-Strehlau. Sechs bis sieben Schüler pro Raum waren in der ersten Gruppe am Donnerstag. Von 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr wurden sie in einem ihrer zwei Leistungskurse unterrichtet. Von 11 bis 13 Uhr folgte die zweite Gruppe.

„Wir haben einen Puffer eingebaut, damit sich die Schüler nicht begegnen“, sagt Sabine Schmidt-Strehlau. Zudem habe sie sich hinsichtlich der Uhrzeiten mit der Droste-Hülshoff-Realschule, die ebenfalls im Schulzentrum Kirchlinde angesiedelt ist, abgestimmt.

Lehrer achten auf reibungslosen Ablauf

Am BBG waren am Donnerstag sechs Leistungskurs-Lehrer im Einsatz. Weitere Lehrer waren auf den Fluren unterwegs, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Am Freitag werde es erneut Leistungskurs-Unterricht geben, ab Montag kommen dann die Grundkurse hinzu. „Wir werden den Rhythmus beibehalten, damit jeder Schüler pro Tag nur 120 Minuten in der Schule ist“, sagt Sabine Schmidt-Strehlau. Und: „Am ersten Tag hat alles gut geklappt.“

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Das sehen einige Schüler des BBG anders. „Beim Verteilen von Arbeitsblättern konnten die Lehrer den Abstand nicht einhalten, und nach dem Unterricht waren größere Schülergruppen auf dem Schulhof“, sagen Schüler, die ihre Namen nicht öffentlich nennen möchten.

„Nur ein Teil der Schüler hat dabei eine Atemschutzmaske getragen.“ Das sei jedoch verständlich, weil das Atmen durch die Maske schwer falle und so die Konzentration schwäche.

Schwer gefallen sei vielen Schülern die Entscheidung, ob sie überhaupt in die Schule kommen. „Die Frage Gesundheit oder Bildung ist schwer zu beantworten“, sagt ein Schüler.

Die Schule war verdreckt

Jedoch sei der Unterricht in der Schule immer noch besser als Home-Schooling: „Vielen Schülern fehlte zu Hause die Motivation zum Lernen – und die Digitalisierung ist dafür einfach noch nicht weit genug fortgeschritten“, meint ein anderer Schüler.

Der erste Schritt in die Schule sei dann allerdings ein Schock gewesen. „Die Böden und auch die Tische waren teilweise dreckig“, erzählt eine Schülerin. „Es gab nur an einem Eingang Desinfektionsmittel, sonst aber nirgendwo, auch nicht in den Klassenräumen. Und die Toiletten waren abgeschlossen.“

Der Unterschied zum Schulalltag vor dem Corona-Shutdown ist wie erwartet eklatant. Trotzdem finden die Schüler auch positive Worte zu ihrem ersten Schultag: „Die Lehrer haben sich sichtbar darum bemüht, dass die Schüler einzeln den Klassenraum betreten und einzeln verlassen“, heißt es vom BBG. Die Anstrengung der Lehrer und der Schulleiterin, eine halbwegs angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, die bei all den Widrigkeiten in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt werden musste, sei bemerkenswert.

Vorabi-Klausuren müssen noch nachgeschrieben werden

Das Reinoldus- und Schiller-Gymnasium (RSG) in Dorstfeld ist am Donnerstag noch nicht direkt mit dem Unterricht wieder eingestiegen. Am Freitag (24.4.) werden noch Vorabi-Klausuren, die wegen des Corona-Shutdowns nicht stattgefunden haben, nachgeschrieben.

„Wir haben uns nur mit unseren jeweiligen Lehrern zu einer Vorbesprechung getroffen“, erzählt Schülerin Amina Charif (18). „Sechs Leute müssen nachschreiben, vier waren zur Besprechung da.“

Am Reinoldus- und Schiller-Gymnasium startet der Unterricht erst am Montag (27.4.).

Am Reinoldus- und Schiller-Gymnasium startet der Unterricht erst am Montag (27.4.). © Stephan Schütze

Die Klausuren werden in der Aula geschrieben, um die Schüler großzügig zu verteilen. Tische trennen die Laufwege ab, es dürfen nur bestimmte Waschbecken benutzt werden, um die Hände zu waschen.

Doch neben den Informationen zu den Klausuren haben die Schüler bereits erfahren, wie der Unterricht ab Montag (27.4.) ablaufen soll: „Die Regeln sind streng“, sagt Amina Charif. „Es ist einfach nichts mehr wie gewohnt. Es ist schon komisch.“

Treppenhäuser dürfen nur noch in eine Richtung benutzt werden

Doch die Abitur-Prüfungen, die trotz allem ab dem 15. Mai stattfinden sollen, wollen vorbereitet sein. Deshalb müssen die Schüler, die freiwillig zum Unterricht kommen, Abstand halten – eineinhalb bis zwei Meter – und im besten Fall zusätzlich Masken tragen. Zudem dürfen die Treppenhäuser jeweils nur zum Rauf- oder Runtergehen benutzt werden, damit sich möglichst wenige Wege kreuzen.

In jedem Klassenraum dürfen höchstens zehn Schüler sitzen, größere Kurse werden aufgeteilt. „Wir müssen den Raum mit Abstand nacheinander betreten und pro Sitzreihe sind nur drei Schüler erlaubt“, erklärt Amina Charif.

Auch am RSG wird jeder Schüler höchstens eineinhalb Stunden am Tag Unterricht in seinen Abitur-Fächern haben. Kurse, die von Lehrern, die der Risikogruppe angehören, unterrichtet werden, fallen aus. „Es geht aber ohnehin eher um Rückfragen als um Unterricht“, sagt Amina Charif.

Zwar halte sie den Unterricht in der Corona-Krise für bestmöglich organisiert, aber etwas schmerzt doch: „Durch das Virus wurden uns der Chaostag und die Mottowoche genommen, wahrscheinlich sogar der Abiball. Das ist einfach traurig.“

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