Der größte Gegner heißt «Geiz ist geil»

80 Jahre Nass-Schleiferei Kriening

23.05.2007 / Lesedauer: 2 min

Paul Kriening hat die Sünden gesammelt und in einer Pappschachtel aufbewahrt: Jede Menge verbogener Scheren, die ihm Kunden zur Reparatur gebracht haben. «Blech, alles Blech» wettert der 71-Jährige. In solchen Momenten kommt der Schleifer in ihm durch. Zwar hat er den Familienbetrieb an der Westerbleichstraße vor rund 20 Jahren offiziell an seinen Sohn Ralf übergeben und damit in die vierte Generation überführt. Doch ab und an schaut er wieder rein, oder packt sogar noch mit an. «Das ist schließlich mein Leben», sagt Paul junior. Dortmunds letzte Nass-Schleiferei feiert am 27. Mai ihren 80. Geburtstag. Gegründet wurde sie 1927 von Karl Kriening, der sie später an seinen Sohn Paul senior übergab. Nach Paul junior wird Ralf der letzte Schleifer in der Firmenhistorie sein: «Ich denke nicht, dass nach mir noch jemand kommt.» Die Arbeitslage gebe nicht mehr so viel her, außerdem sei die Konkurrenz durch Billigmärkte zu stark. «Wir geben 100 Jahre Garantie auf unsere Messer. Dafür kosten sie mehr», erklärt der 41-Jährige. «Anscheinend kaufen die Leute lieber öfters und dafür billig ein.» Die Schleiferei ist nach wie vor Lebensinhalt. «In zehn Jahren mache ich einmal Urlaub. Sechs sind schon rum.» Vor Arbeit schrecken weder Ralf noch Paul zurück. «Aber viele unserer Aushilfen kommen nach dem ersten Tag nicht wieder», sagt Ralf und versichert gleichzeitig: «Solange ich kann, werde ich das Geschäft aufschließen.» dac

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