Hautkrebs: Der lange Leidensweg einer Dortmunderin bis zur richtigen Diagnose

hzTödliche Krankheit

Es beginnt mit juckenden Stellen auf der Haut einer Dortmunderin. Die Stellen werden größer, beginnen zu schmerzen. Erst Jahre später stellt eine Ärztin die Diagnose. Krebs. Ein Schock.

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, 19.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Acht Jahre ist es her, als die Dortmunderin Petra Schuchert kleine, juckende Stellen an ihren Händen entdeckt. Nach kurzer Zeit treten die „weißen Pünktchen“ dann auch an anderen Stellen ihres Körpers auf. „Am Steiß, am Knöchel und am Bein bemerkte ich die Pünktchen dann auch. Eine Bekannte meinte zu mir, dass könnte ein Hautpilz sein, ich sollte mal zum Arzt damit“, sagt Schuchert.

Der Hausarzt stellt 2011 jedoch eine andere Diagnose: „Schuppenflechte“, lautete sein Befund. Petra Schuchert achtet fortan mehr auf die Hautverträglichkeit ihrer Pflegeprodukte, geht öfter unter die Sonnenbank.

Zunächst verbessern sich die Stellen. „Aber dann traten sie an weiteren Stellen meines Körpers auf. Der Arzt verschrieb mir eine kortisonhaltige Salbe", erinnert sich die Dortmunderin. Und wieder bessern sich die Symptome – für kurze Zeit. Dann werden die Flecken am Körper größer.

Schmerzen bis die Tränen kommen

Die Dortmunderin sucht verschiedene Hautärzte auf, aber auch die stellen abermals die Diagnose Schuppenflechte. Fünf Jahre lang. 2016 verschlimmern sich trotz Therapie die Symptome immer mehr. „Es waren unheimliche Schmerzen, die in Schüben kamen. Es wurde so schlimm, dass ich nicht mehr weiterwusste“, sagt Schuchert.

Die Krankheit hat sich mittlerweile auch im Brustbereich ausgebreitet, führt zu blutenden Stellen. „Die Haut auf meiner Brust öffnete sich immer wieder. Unter Tränen saß ich mehrfach in der Notfallsprechstunde“. Weiterhin gehen die Mediziner davon aus, dass Petra Schuchert an einer extremen Form der Schuppenflechte leidet.

Allergie-Tests und mehrere Gewebeprobenuntersuchungen bei anderen Ärzten ergeben keinerlei neue Hinweise. Zinksalbenverbände und Kortisontabletten lindern die Beschwerden von Petra Schuchert nur kurzzeitig.

Der „Pickel“ am Kinn ist keiner. Es ist ein Tumor.

Ein vermeintlicher Pickel, den die Dortmunderin eines Tages an ihrem Kinn bemerkt, führt sie letztlich 2019 in die Dermatologie des Klinikums Dortmund. Denn: „Man sagte mir, dass Blutbild und Symptome überhaupt nicht zusammenpassten“.

Erstmals wird Petra Schuchert dort mit dem Verdacht auf Mycosis Fungoides konfrontiert. Zu Hause googelt sie den unbekannten Namen. Und erfährt: Mycosis Fungoides ist eine chronische Hautkrebserkrankung, die sich als Schuppenflechte, Neurodermitis oder Pilzerkrankung tarnt. Der Pickel am Kinn ist keiner. Es ist ein Tumor. Ein großer Schock für die Dortmunderin.

„Man nennt die Erkrankung auch das Chamäleon unter den Hautkrebsarten“, erklärt Dermatologin Dr. Svea Hüning vom Klinikum Dortmund. Es sei eine der seltensten Krebserkrankungen überhaupt, deren Nachweis sich extrem schwierig gestalte. Deshalb könne den Hautärzten, die die Krankheit nicht früher erkannt hatten, auch keinen Vorwurf machen.

„Meist müssen mehr als sechs Gewebeuntersuchungen durchgeführt werden, Krankheitsverlauf und Blutbilder damit abgeglichen werden, bevor eine Diagnose gestellt werden kann“, so Hüning.

Die Krankheit ist nicht heilbar - man kann aber damit leben.

Mit der richtigen Diagnose kann auch Petra Schucherts Tumor am Kinn therapiert werden. Laut Dr. Svea Hüning noch rechtzeitig, denn es bestand die Möglichkeit, dass an weiteren Körperstellen neue Tumore gefolgt wären.

Aber warum hatten sich die anfänglichen Symptome der Patientin trotz falscher Diagnose immer wieder kurzfristig verbessert? „In einem frühen Stadium der Erkrankung entsprechen die Therapiemöglichkeiten denen einer Schuppenflechte“, erklärt Svea Hüning.

Mycosis Fungoides ist nicht heilbar. Aber im Fall von Petra Schuchert konnte die Krankheit soweit behandelt werden, dass die Dortmunderin heute gut damit leben kann.

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