Der lange Weg aus der Hölle

DORTMUND In ihrer Neujahrsansprache forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel „eine Kultur des Hinsehens“ gegen Kindesmisshandlungen und Kindesmissbrauch. Für die Dortmunderin Christine Birkhoff ist das zu kurz gegriffen. Sie ist Expertin – als Opfer von Schlägen und sexuellen Übergriffen in Kindheit und Jugend. Und als ehemalige Polizeibeamtin.

von Von Gaby Kolle

, 01.01.2008, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der lange Weg aus der Hölle

Christine Birkhoff: "Opfer sind als Opfer nicht zu erkennen. "

Vom Vater wurde sie bereits als Kleinkind verprügelt, ungezählte Mal im Krankenhaus zusammengeflickt. Von der Mutter verachtet und gedemütigt. Vom Stiefvater jahrelang missbraucht.

Dass Christine Birkhoff heute ein glückliches Familienleben führt, grenzt an ein Wunder. Geholfen hat der 42-Jährigen eine Therapie, die sie erst mit fast 31 Jahren begann. „Das war knapp“, sagt sie, „die Wahrscheinlichkeit, mich von einem Zug überfahren zu lassen, war größer.“

Hohe Dunkelziffer

 Allein in Dortmund wurden von Januar bis November dieses Jahres 83 sexuell missbrauchte und 24 misshandelte Kinder bei der Polizei angezeigt. Die Dunkelziffer ist Experten zufolge 400 Mal so hoch, sagt Christine Birkhoff. Was passiert mit diesen Opfern?, fragt die Dortmunderin. Wann hört das Opfersein auf? Laut Statistik mit der Volljährigkeit. Doch das Leiden geht weiter. Oftmals auch für die nächste Generation, wenn die Opfer eine eigene Familie gründen, alte Wunde wieder aufbrechen.

Ein Teufelskreis, aus dem nur eine Therapie heraus hilft, weiß Christine Birkhoff. Therapie als generationenübergreifende Prävention. Das Übel an der Wurzel bekämpfen. Das ist ihr Ansatz im Kampf gegen die Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern. „Was wäre mir erspart geblieben, wenn meine eigene Mutter sich hätte therapieren lassen? Was hätte ich meiner Tochter angetan, wenn ich keine Therapie gemacht hätte?“

Opfer müssen sich zu erkennen geben

Die bisherigen Versuche zur Vorbeugung hält Christine Birkhoff für schwach. Auch sie  hat kein Patentrezept. Doch sie ist sicher: Opfer müssen sich zu erkennen geben. „Wenn man Opfer nicht wahrnimmt, wie soll man ihnen dann helfen?“ ,“ Christine Birkhoff – der Name ist ein Pseudonym – hat den langen Weg aus der Hölle ihrer Kindheit in einem Buch aufgeschrieben, das mittlerweile in die dritte Auflage geht. Sie hat‘s geschafft und kämpft jetzt für andere.

Ein ausführlicher Bericht ist in der Dortmunder  Ausgabe der Ruhr Nachrichten vom 2. Januar zu lesen.

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