„Der Mann ist eine verkrüppelte Frau“ – hitzige Debatte um Gender-Sprache

hzKorrekte Sprache

Die CDU stemmt sich gegen geschlechtergerechte Sprache in städtischen Schreiben, wenn die Verständlichkeit leidet. Im zuständigen Ausschuss führte das zu einer Diskussion über Adam und Eva.

Dortmund

, 14.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Möglicherweise sitzen demnächst Politiker aus dem Rat parteiübergreifend in einem Workshop und lassen sich nahebringen, wie man einen Spagat macht. Sie sollen erfahren, wie man möglichst geschmeidig bürgerfreundlich und gleichzeitig gendergerecht formuliert. Die Weichen dazu wurden jetzt im Personalausschuss des Rates gestellt.

Die Stadt Dortmund will ab Frühjahr 2020 in ihren Behörden eine gendergerechte Sprache pflegen. Die CDU fürchtet, dass dabei die ohnehin verbesserungswürdige Verwaltungssprache für Bürger noch unverständlicher wird. Sie stellte deshalb im Personalausschuss den Antrag, der Verständlichkeit den Vorrang gegenüber der geschlechtergerechten Sprache zu geben. Soll heißen: Nicht gendern auf Teufel komm raus, sondern lieber aufs Gendern verzichten, wenn es sprachlich holprig wird.

Fuß (Grüne): „Der Mann ist eine verkrüppelte Frau“

Das brachte Friedrich Fuß von den Grünen auf die Palme. Die CDU wolle den Frauen die gendergerechte Sprache verwehren. Fuß bezog sich mit seiner Kritik auf nichts weniger als das Grundgesetz und die Schöpfungsgeschichte, kam zu der Erkenntnis, nicht Adam sei zuerst da gewesen, sondern Eva – und schloss mit der Feststellung: „Der Mann ist rein genetisch eine verkrüppelte Frau.“

Er wolle „weder eine Verfassungsexegese noch die Schöpfungsgeschichte neu aufrollen“, konterte Dr. Jendrick Suck (CDU), doch zu den Plänen, die gendergerechte Sprache in der Stadtverwaltung einzuführen, habe es viele Reaktionen in den Ruhr Nachrichten gegeben. „Die waren eher ablehnend“, so Suck. Sprache sei mehr als ein Sternchen und brauche Akzeptanz bei den Bürgern und den städtischen Bediensteten. Mit ihrem Antrag wolle die CDU das Thema Sprache in der Verwaltung unter dem Aspekt der Verständlichkeit „ganzheitlich“ beleuchtet wissen.

Tölch (SPD): „Ein schwieriges Thema“

Auch für Thomas Tölch, Ausschusssprecher der SPD, scheint es unmöglich zu sein, gendergerecht zu formulieren und gleichzeitig eine verständliche und flüssige Verwaltungssprache zu verwenden. „Ein schwieriges Thema“, stellte er fest. „Ich weiß nicht, wie wir da vernünftig rauskommen sollen.“ Bei „so verschiedenen Dingen“ glaube er nicht, „dass wir einen Beschluss fassen können“.

Als die Diskussion weiter in X- und Y-Chromosome abdriftete, sprach Dr. Hans-Christian Tödt (Linke & Piraten), pensionierter Mediziner und Theologiestudent, von „Wissenschafts-Quatsch“ und „AfD-Niveau“. Nicht alles, was aus dem Feminismus gekommen sei, sei vernünftig.

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Marisa Feldmann erinnerte daran, dass es ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Personenstandsregister gewesen sei, das die Umsetzung der gendergerechten Sprache einfordere. So werde mit dem Leitfaden, den die Verwaltung im Frühjahr zur gendergerechten Sprache vorlegen werde, auch das dritte Geschlecht berücksichtigt. Feldmann: „Es verkompliziert nichts, wir merken, dass es in vielen Fällen auch zur Vereinfachung führt.“

Personaldezernent Christian Uhr nahm den Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Norbert Schilff (SPD) auf und stellte einen Workshop zum Thema in Aussicht, den das Personalamt gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten und der Dortmund-Agentur für den Ausschuss vorbereitet.

Leitfäden gibt es viele im Internet

Die CDU verzichtete daraufhin auf einen Beschluss und sah ihren Antrag als eingebracht an. Jendrick Suck: „Vielleicht kommen wir dahin, das politisch und parteiübergreifend zu gestalten.“

Am Ende gab es den praktischen Hinweis von Dr. Ulrich Potthoff, Leiter der städtischen Dortmund-Agentur, dass es im Netz viele Leitfäden für eine bürgerfreundliche Verwaltungssprache gebe: „Ich würde davon abraten, sich die Arbeit noch mal zu machen.“

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