Die Altkleiderflut wächst, aber die EDG baut Altkleidercontainer ab

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Die Modekollektionen in den Geschäften wechseln immer schneller, und der Berg aussortierter Kleidung wird immer größer. Trotzdem will die EDG weniger sammeln – und hat dafür gute Gründe.

Dortmund

, 18.10.2019, 08:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Phänomen nennt sich „Fast-Fashion“, und die Auswirkungen werden auch in Dortmund spürbar. Textildiscounter wie Kik, Takko und Zeeman dehnen sich immer weiter aus, Billiganbieter wie Primark und H & M steigern ihre Marktanteile. Doch das Masse-statt-Klasse-Prinzip bringt die Verwertung von Alttextilien an ihre Grenzen und das Geschäftsmodell der Altkleiderbranche in Bedrängnis.

Die Überversorgung sorgt für Druck auf die Preise, und gleichzeitig schränkt die mindere Qualität der Sammelware die Verwertung stark ein oder macht sie gar unmöglich, so dass am Ende nur die Verbrennung zu hohen Kosten bleibt. Das steht im Gegensatz zu den Zielen der Kreislaufwirtschaft. Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) reagiert jetzt auf diese Entwicklung und zieht die Notbremse: „Wir werden zehn Prozent unserer Altkleidercontainer abbauen“, kündigt EDG-Sprecher Matthias Kienitz an.

4,3 Kilo Altkleider pro Dortmunder

426 Altkleidercontainer hat die EDG zurzeit an ihren Containerstandorten neben Altglas- und Altpapier-Behältern aufgestellt. 2,565 Tonnen Altkleidung wurde so im vergangenen Jahr gesammelt. Das sind in Dortmund 4,3 Kilogramm pro Kopf.

Die EDG sammelt und sortiert die Textilien und gibt sie weiter. Jede Tonne, die man verwerten kann, trägt zur Entlastung der Gebührenzahler bei, die Erlöse aus der Vermarktung der Alttextilien werden dem Gebührenhaushalt gutgeschrieben. Bis August 2018 habe das gut funktioniert, so Kienitz, doch im Oktober 2018 habe es erstmals einen Absatzstopp gegeben. Kienitz: „Bei den Sortierern häufen sich extrem hohe Lagerbestände. Die wollen nur noch qualitativ gute Ware. Wir werden unsere Sammlungen nicht mehr los.“

Sortiervorgaben sind strenger geworden

Erschwerend kommt hinzu, dass die Sortiervorgaben im Dezember 2018 strenger geworden sind. Dadurch lande wesentlich mehr im Restmüll, sagt der EDG-Sprecher. Und der Zufluss mit schlechtem Material werde nicht ab-, sondern zunehmen. Aus den Kunstfasern ließen sich nur Industrieputzlappen herstellen. Und auch hier drängten die Chinesen mit Neuware auf die klassischen Verwertungsmärkte.

Der Markt sei schwieriger geworden, bestätigt auch Michael Schneider, Pressesprecher des Lüner Entsorgers Remondis. Die Qualität der Ware hänge davon ab, wo man sammle.

Ein Indiz für die Absatzschwierigkeiten ist auch die Tatsache, dass an den Straßenrändern so gut wie keine illegal aufgestellten Sammelbehälter mehr zu finden sind, und auch Sammlungen an der Haustür in Kübeln oder Körben gibt es nicht mehr.

45 Altkleidercontainer im ersten Schritt

Die 45 Altkleidercontainer, die die EDG im ersten Schritt abbauen wird, sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Ausgewählt wurden sie nach drei Kriterien: Ausgemustert werden solche Container, die schlecht zu erreichen sind, wenig verwertbare Textilien enthalten oder nur bis zu 30 Prozent befüllt sind.

Aufgrund wenig verwertbarer Textilien werden die meisten Container – acht an der Zahl – in der Nordstadt abgebaut. 31 der insgesamt 45 Container, die künftig wegfallen, hatten bei der regelmäßigen Leerung nur ein Befüllungsvolumen zwischen 25 und 30 Prozent.

Kooperationsvertrag mit Verbänden

Die EDG sammelt auf Basis eines Kooperationsvertrags Altkleider auch für gemeinnützige Verbände wie Caritas und Awo. Um konkurrierende Systeme zwischen gewerblich und gemeinnützig zu vermeiden, wurde diese Vereinbarung vor fünf Jahren getroffen. Die Verbände bekommen dafür Geld von der EDG.

Zurzeit gilt noch die vertragliche Bindung mit den Verbänden, doch wenn das Verwertungsgeschäft mittelfristig so weiterlaufe, müsse man reden, sagt Kienitz. Einen Weg, das ökonomisch und ökologisch sinnvolle System des Textilrecyclings zu retten, gebe es nur mit oder über die Textilindustrie. Sie müsse sich angemessen an den Recyclingkosten beteiligen.

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