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Wenn die engen Straßen der Innenstadtviertel auch noch zugeparkt sind, kann die Feuerwehr nicht garantieren, bei einem Notfall rechtzeitig da zu sein.

Dortmund, Kreuzviertel, Saarlandstraßenviertel

, 10.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Acht Minuten. Das ist die „Hilfsfrist“ der Feuerwehr in Dortmund: Innerhalb dieser Zeitspanne nach dem Alarm sollen die Einsatzwagen vor Ort sein. Soweit die Theorie.

Wer mal einen der großen Einsatzwagen der Feuerwehr bei einer Probefahrt in der südlichen Innenstadt beobachtet hat, der weiß: Je nachdem, wie zugeparkt die Straße ist, schafft so ein Einsatzfahrzeug in acht Minuten gerade mal ein paar Meter. Und manchmal kommt es gar nicht durch.

Die größeren Einsatzwagen der Feuerwehr brauchen mindestens 3,05 Meter Platz

Der Teleskophubrettungsbühnenwagen F54RLX ist 2,50 Meter breit und 12 Meter lang und zählt zu den größeren Einsatzwagen der Feuerwehr. Deswegen gilt die Mindestbreite für Straßen von 3,05 Metern. Das bedeutet: Niemand darf sein Auto so parken, dass diese Durchfahrtsbreite unterschritten wird.

Damit die Einsatzfahrzeuge in Seitenstraßen abbiegen können, dürfen Autos nicht an Kreuzungsecken parken – auch das ist Vorschrift. Das gleiche gilt für gestrichelt markierte Flächen: Diese „Sperrzonen“ dürfen eigentlich noch nicht mal überfahren werden. Das alles sind Dinge, die man wissen muss, um einen Führerschein zu erhalten.

Viele Autofahrer denken beim Parken nicht an die Feuerwehr

Die Theorie von den acht Minuten setzt voraus, dass diese Regeln eingehalten werden. Werden sie aber nicht. In vielen Straßen der Innenstadtviertel ist es inzwischen Usus, beim Parken nur noch so viel Platz zu lassen, dass ein normales Auto gerade so durchpasst, Pi mal Daumen.

Unter diesen Umständen ist es nicht sicher, ob die Feuerwehr im Notfall rechtzeitig vor Ort sein kann. Das bestätigt André Lüddecke, Sprecher der Dortmunder Feuerwehr. Weniger optimistisch ausgedrückt: Wer in einer der engeren Straßen wohnt, kann nicht darauf zählen, im Brandfall von der Feuerwehr gerettet werden zu können.

Die Feuerwehr warnt: Falschparker können Leben kosten

© Feuerwehr Dortmund

Sicher ist nur: Das Risiko steigt

Auch wenn das Problem alle Innenstadtviertel betrifft, ist die Situation im Kreuzviertel am heikelsten. Nirgendwo sonst gibt es so viele, enge, zugeparkte Straßenabschnitte. Und die Situation verschärft sich weiter. Einerseits steigt die Zahl der dort zugelassenen Autos. Andererseits beobachten Feuerwehr und Ordnungsamt immer mehr „Kreativität“ der Autofahrer bei der Parkplatzsuche.

2018 gab es zwei Brandeinsätze im Kreuzviertel, aber beide an der vergleichsweise breiten Kreuzstraße. Einen Brandeinsatz in einer der engeren Straßen gab es schon länger nicht.

Immer ein Löschzug extra als Reserve

Die Feuerwehr versucht auf mehrfache Weise, dieses Risiko zu minimieren:

  • Mit regelmäßigen Probefahrten halten sich die Feuerwehrleute über die Parksituation auf dem Laufenden und schulen ihren Umgang mit Engstellen.
  • Bei den Probefahrten klemmen die Feuerwehrleute allen Falschparkern ihren Flyer hinter die Scheibenwischer: „Wir retten Leben,... wenn Sie uns lassen!“ steht darauf, „Parken Sie immer so, dass Fahrzeuge der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ungehindert passieren können. Im Ernstfall entscheiden oft Sekunden!“
  • Bei einem Wohnungsbrand, zum Beispiel im Kreuzviertel, rückt die Feuerwehr nicht mit einem, sondern mit zwei Löschzügen aus. Die fünf Fahrzeuge des zweiten Zuges bilden eine taktische Reserve. Sie gehen an einem anderen Zufahrtspunkt zum Einsatzort in Stellung, und wenn der erste Löschzug nicht durchkommt, versucht der zweite Zug, von der anderen Seite zum Einsatzort zu gelangen.

Wenn es sein muss, darf die Feuerwehr rabiat werden

Wenn es um Leben und Tod geht, darf die Feuerwehr sich den Weg sogar freiboxen, also mit dem Löschzug ein im Weg parkendes Auto zur Seite rammen. Allerdings, betont Sprecher Lüddecke, nur unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit: Wenn der Einsatzleiter entweder einen Golf oder einen Ferrari wegrammen müsste, um durchzukommen, würde er sich für den Golf entscheiden.

Übrigens: Wer dann für die Schäden aufkommen müsste, würde im Nachhinein ein Richter entscheiden – aber die Chancen stünden gut, dass der Falschparker nicht nur seine, sondern auch die Schäden am Einsatzfahrzeug bezahlen müsste.

Solche Fälle gibt es laut Lüddecke allerdings selten. Aber nur, weil die Feuerwehr das Problem meistens anders lösen kann, wie im Februar auf der Landgrafenstraße. Denn Probleme mit parkenden Autos gebe es in Dortmund mehrmals im Monat, sagt Lüddecke.

Die Feuerwehr warnt: Falschparker können Leben kosten

Auch die EDG beobachtet eine Zunahme der Falschparker. © Peter Bandermann

Die „Engstellenfahrzeuge“ der Müllabfuhr haben immer mehr zu tun

Auch die Müllabfuhr beobachtet eine Zunahme der Falschparker. Neben den üblichen, großen und breiten Müllwagen verfügt die EDG über sogenannte Engstellenfahrzeuge. Wenn die Fahrer der großen Müllwagen wiederholt zugeparkte Straßen melden, übernehmen die Engstellenautos diese Tour. „Diese Touren“, sagt EDG-Sprecher Matthias Kienitz, „werden immer länger“.

Falschparker zur Seite schieben, wie es die Feuerwehr im Notfall darf, ist der EDG selbstverständlich nicht erlaubt. Abschleppen ist auch keine Option, sagt Kienitz: „Das würde viel zu lange dauern.“

Im Zweifel sind die Anwohner die Dummen: Wenn die Müllabfuhr nicht zum Haus durchkommt, kann sie den Müll nicht holen. Wenn die Tonnen trotzdem geleert werden sollen, müssen die Anwohner eine Nachleerung bezahlen. Die kostet je nach Behälterart und -größe zwischen 2,48 und 49,14 Euro pro Tonne.

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