Die Glocken der St. Dionysiuskirche in Kirchderne läuten nicht mehr

hzFriedenskirchengemeinde

Während des Heiligabend-Gottesdienstes gab es einen Kurzschluss – und die Läutanlage der St. Dionysiuskirche in Kirchderne war defekt. Seither bleiben die Glocken stumm. Doch es gibt Hoffnung.

Kirchderne

, 20.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Weihnachten ist die Läutanlage in der St. Dionysiuskirche defekt. „Ausgerechnet im Heiligabend-Gottesdienst hat es einen Kurzschluss gegeben“, sagt Pfarrerin Dorothee Schöttling, „und die Anlage war kaputt.“ Sie hoffe, dass das Problem bis Ostern behoben sein wird. Das Presbyterium der Evangelischen Friedenskirchengemeinde, zu der auch Kirchderne gehört, habe beschlossen, die Reparatur ausführen zu lassen.

Aufhängungen sollen erneuert werden

Auch die Aufhängungen der drei Glocken sollen bei dieser Gelegenheit erneuert werden. Ansonsten sei das Gestühl, in dem die Glocken hängen, noch gut in Schuss. Das sei bei der Grundrenovierung der Kirche zwischen 2010 und 2012 festgestellt worden. Interessant dabei: Vor allem die ältesten Balken waren es, die noch vollkommen intakt waren - von den neueren dagegen mussten einige ausgetauscht werden.

So sieht die Dionysiuskirche am Grüggelsort in Kirchderne von innen aus

So sieht die Dionysiuskirche am Grüggelsort in Kirchderne von innen aus. © Andreas Schröter

Die älteste der drei Glocken in der St. Dionysiuskirche, eine Bronzeglocke, stammt aus dem Jahr 1530 und wurde in einer Dortmunder Werkstatt hergestellt. Sie ist mit einem Gewicht von 1000 Kilo zugleich die schwerste. Wegen ihres kunsthistorischen Wertes durfte sie während der beiden Weltkriege im Glockenturm bleiben. Bekanntlich haben die Nazis viele andere Glocken eingezogen, um sie einzuschmelzen und daraus Rüstungsmaterial zu machen.

Abbildungen der Kirchenglocken in der Dionysius-Kirche sind in dem Buch "Geschichte der Dionysius-Kirche in Kirchderne und die Entwicklung Dernes bis zur Neuzeit" zu finden. Mitverfasser Pfarrer Strube hat uns die Erlaubnis zum Abdruck erteilt - hier die älteste Glocke.

Abbildungen der Kirchenglocken in der Dionysius-Kirche sind in dem Buch "Geschichte der Dionysius-Kirche in Kirchderne und die Entwicklung Dernes bis zur Neuzeit" zu finden. Mitverfasser Pfarrer Strube hat uns die Erlaubnis zum Abdruck erteilt - hier die älteste Glocke. © Strube

Die kleinste Glocke, die „Silberglocke“, wurde zwar im 2. Weltkrieg beschlagnahmt und ins Lüner Glockendepot gebracht, konnte jedoch 1947 wieder unversehrt nach Kirchderne zurückgebracht werden. Am Ostermorgen 1948 wurde sie feierlich ihrer neuen/alten Bestimmung übergeben.

Die mittlere Glocke ist eine Leihglocke, die der Bundesrepublik Deutschland gehört.

Die mittlere Glocke ist eine Leihglocke, die der Bundesrepublik Deutschland gehört. © Strube

Die jüngste mittelalterliche Glocke aus dem Jahr 1583 stammt ursprünglich aus der Kirchengemeinde Grupenhagen (dem heutigen Krupy) im ehemaligen Pommern und heutigen Polen. Ihre Heimatgemeinde musste sie im 2. Weltkrieg zum Glockenfriedhof nach Hamburg abgeben. Nach dem Krieg kam es wegen der neuen politischen Verhältnisse (Ost-West-Konflikt) nicht mehr zur Rückgabe an die Gemeinde in Polen - die Stahlglocke ging nach Kirchderne, wo sie noch heute hängt. Offiziell ist sie im Besitz der Bundesrepublik Deutschland und nicht der Evangelischen Kirche.

So sieht die kleinste Glocke im Geläut der Dionysius-Kirche aus.

So sieht die kleinste Glocke im Geläut der Dionysius-Kirche aus. © Strube

Zusammen ergeben die drei Glocken die Tonfolge f - as - b. Alle drei Glocken erklingen zum Beispiel bei Festgottesdiensten. Nur die große mit ihrem tiefen Klang wird bei Beerdigungen eingesetzt. Außerdem gibt es um 6, 9, 12, 15 und 18 Uhr das Gebetsläuten. Weil die Kirche keine Uhr hat, entfällt der Stundenschlag, der bei anderen Kirchen üblich ist. Seit 1928 werden die Glocken elektrisch geläutet, seit 2003 stehen sie unter Denkmalschutz.

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