Diebe stehlen E-Bikes – zum zweiten Mal bei demselben Dortmunder Paar

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Ute und Martin Ludewig wurden bestohlen. Zweimal hintereinander in kürzester Zeit. Die neuen E-Bikes sind weg. Jetzt könnte ein Video dabei helfen, den Täter zu fassen.

Sölderholz

, 25.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist die Nacht zum vergangenen Freitag (18.10.). Um 0.46 löst der Bewegungsmelder an der Haustür-Klingel von Ute und Martin Ludewig eine Videoaufzeichnung aus. Das Schwarzweiß-Bild zeigt eine Person, die sich an einem hölzernen Tor und einem Stapel Kaminholz unter einer Remise vortastet.

Die Person schaut sich um. Beobachtet. Vorsichtig. Nach 30 Sekunden endet die Aufzeichnung. Als die Ludewigs das Video sehen, ist es zu spät.

Beschaulich ist es hier: ein Mehrgenerationenhaus in Sölderholz, ein großes Grundstück mit Terrassen vor und hinter dem Haus sowie reichlich Auslauf für drei Hunde. Seit diesem Freitagmorgen hat die Beschaulichkeit ein Ende.

Zweimal Opfer von E-Bike-Dieben geworden

Ute und Martin Ludewig sind innerhalb von zwei Monaten zweimal Opfer eines schweren Diebstahls geworden. Einmal mehr haben sie ungebetenen Besuch auf ihrem Grundstück.

Vor ziemlich genau einem Jahr sind sie aus Aplerbeck mit ihren Vierbeinern hierhergezogen. In der anderen Haushälfte leben Ute Ludewigs Mutter und Schwester.

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„Fertig sind wir noch nicht“, räumt Martin Ludewig ein. Er meint Restarbeiten auf dem Grundstück des Neubaus. Und zeigt auf ein provisorisches Gartentor auf der Hausseite seiner Schwägerin und Schwiegermutter. Die eigene Einfahrt ist zum Nachbargrundstück hin noch mit einem Netz abgesperrt. „Wegen der Hunde“, sagt Ehefrau Ute.

Hoher Mattenzaun soll Schutz bieten

Die Vierbeiner sind auch ‚ein’ Grund, warum der gesamte Garten mit einem 1,80 Meter hohen Mattenzaun umgeben ist. Der andere Grund: Schutz vor ungebetenen Besuchern. Darum versperren mittlerweile ein massiver Holzschuppen und eine zwei Meter hohe massive Holztür den Zugang zum Garten – aus konkretem Anlass.

Im Juni kaufen sich Ludewigs neue Räder, machen im Juli mit den E-Bikes und ihren Hunden Urlaub an der See. Dann ist der Fahr-Spaß vorbei. Am 9. August brechen Unbekannte ihre Gartenlaube auf und stehlen die neuen Zweiräder. Das Paar erstattet Anzeige und meldet den Schaden seiner Versicherung.

Diebe stehlen E-Bikes – zum zweiten Mal bei demselben Dortmunder Paar

Im August brachen Diebe den roten Schuppen auf und stahlen die damals noch recht neuen Räder. Der oder die neuerlichen Täter schraubten nunmehr ein Element des Mattenzauns ab, um sich Zutritt zum Grundstück zu verschaffen. © Uwe von Schirp

Sie fahren gerne Rad. „Was ich mit dem Fahrrad erledigen kann, mache ich damit, Einkäufe zum Beispiel“, sagt Martin Ludewig. „Die Hunde nehmen wir im Anhänger mit“, ergänzt seine Frau. „Drei Hunde sind schwer. Das geht nur mit einem E-Bike.“

Ein Zusteller liefert neues E-Bike

Zwei Monate dauert es bis zur Erstattung des Schadens. Die Zeit nutzen die Eigentümer, um ihr Grundstück besser zu schützen: durch den Mattenzaun, den zweiten Holzschuppen und die massive Holztür. „Wir haben uns dann neue Räder gekauft“, erzählt Ute Ludewig. Die 54-Jährige findet eines im Handel vor Ort. Ehemann Martin bestellt seines wieder online.

Donnerstagvormittag vergangener Woche: Ein Zustelldienst liefert das neue Rad. Zusammen trägt das Paar den Karton in den Garten. Während Ute Ludewig arbeitet, macht Ehemann Martin das neue Rad fahrbereit. Eine Probefahrt führt in den nahen Lebensmittelmarkt. Dann stellt der 60-Jährige das E-Bike in den neuen Holzschuppen, verschließt es mit einem Kettenschloss und entnimmt den Akku zum Laden.

Diebe stehlen E-Bikes – zum zweiten Mal bei demselben Dortmunder Paar

Von außen uneinsehbar, stand das mit einem Schloss gesicherte E-Bike nur wenige Stunden unter dem Verschlag, bis es gestohlen wurde. © Uwe von Schirp

Freitagmorgen: Nach dem Frühstück will Martin Ludewig seiner Frau das neue Fahrrad zeigen. „Ich habe gedacht, ich sehe nicht richtig“, erzählt er. Sein Rad ist weg – ebenso ein älteres E-Bike seiner Schwägerin. Auf dem Rasen liegt ein Element des Matten-Zauns.

Diebe hatten womöglich eine klare Absicht

Den Tätern habe es offenbar an Ortskenntnis gefehlt, nimmt der Eigentümer an: „Durch das provisorische Tor auf der anderen Seite wäre es weniger aufwendig gewesen.“ Seine Frau ist sich aber sicher, dass der Diebstahl zielgerichtet erfolgte: „Der Täter wollte hier rein. Er hatte ja Werkzeug dabei.“

Die Tatzeit lässt sich durch die Videoaufzeichnung wohl genau beziffern: kurz nach 0.46 Uhr – dank des Videos vom Bewegungsmelder an der Hausklingel. So offenkundig die Bilder auch sind, für einen Beweis sind sie nichts wert: Es zeigt lediglich eine Person vor der Haustür der Bestohlenen. Das habe auch die Polizei erklärt, als Ute und Martin Ludewig auf der Wache in Aplerbeck Anzeige erstatten.

Zahl der Fahrraddiebstähle steigt wieder an

Dennoch: „Videomaterial kann immer hilfreich sein. Auch im vorliegenden Fall“, erklärt Peter Bandermann von der Pressestelle der Dortmunder Polizei. „Es war für die weiteren Ermittlungen wichtig, dass die Bürger der Polizei die Videosequenz als Beweismittel übergeben haben.“

Diebe stehlen E-Bikes – zum zweiten Mal bei demselben Dortmunder Paar

Ein Bewegungsmelder löste die Videokamera an der Haustür-Klingel aus. © Uwe von Schirp

Keine Anhaltspunkte hat das ermittelnde Kommissariat derzeit darüber, ob den Tätern möglicherweise ein Tipp über die Lieferung des neuen E-Bikes gegeben wurde. Zahlen über Fahrraddiebstähle für den Bereich Sölderholz und Umgebung hat die Polizei nicht.

Bezogen auf die gesamte Stadt aber, erklärt Peter Bandermann: „Die Zahl der Fahrraddiebstähle steigt derzeit wieder.“ Waren es im Jahr 2014 4940 Fahrraddiebstähle in Dortmund, ging die Zahl bis 2017 auf 2579 zurück. 2018 wurden 2770 Fahrräder geklaut, im laufenden Jahr bis September 2440. „Der Anteil an E-Bikes und Pedelecs liegt durchschnittlich bei 5 Prozent.“

Ehepaar ist ratlos

Ute Ludewig ist ratlos: „Wie sollen wir uns denn noch mehr schützen?“ Und Ehemann Martin wirkt nach dem neuerlichen Diebstahl resigniert: „Ich werde mir wohl ein normales preiswertes Fahrrad zulegen.“

Denn ein weiteres Ärgernis kommt hinzu: Das gerade gelieferte und binnen gut zwölf Stunden gestohlene E-Bike war noch nicht versichert. Der Antrag liegt noch bereit. Der Dieb oder die Diebe aber waren schneller.

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