Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

hzHistorische Schätze

Seit fast 30 Jahren sucht ein Sammler aus Bremen alles, was mit der Warenhauskette Karstadt, früher Althoff, zu tun hat. Auch aus Dortmund hat er einige interessante Stücke.

Mitte, Aplerbeck

, 21.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dutzende Umzugskartons könnte Holger-Philipp Bergt mit Einrichtungsgegenständen, Dokumenten und Unterlagen aus 130 Jahren Althoff/Karstadt-Geschichte füllen. Darunter sind seltene Stücke, Plakate und Prospekte. Der Bremer isst mit Besteck aus alten Karstadt-„Erfrischungsräumen“, in seinem Flur hängen „Althoff“-Kleiderbügel aus ehemaligen Personalgarderoben und versilberte Kaffeekännchen glänzen im Küchenregal.

Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

Versilbertes Kaffeekännchen mit dem Althoff-Schriftzug von 1928. © Holger-Philipp Bergt

Mehrere Ausstellungen hat der 53-jährige Sammler mit seinen Exponaten bereits bestückt. Seit knapp 30 Jahren sammelt der Bremer Speditionskaufmann alles, was mit der Kaufhauskette zu tun hat. Anfangs hat ihn die Architektur der Warenhäuser fasziniert, mit der Zeit entwickelte er eine Leidenschaft für die traditionsreiche Geschichte des Konzerns und die stilprägende Ausstattung ihrer Häuser.

Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

Eine Doppelseite aus dem Althoff-Weihnachtsprospekt von 1936. © Holger-Philipp Bergt (Repro)

Bergts Sammlung spiegelt einen spannenden Ausschnitt der Warenhausgeschichte wider, mit edlem Zubehör aus goldenen Zeiten, in denen auch die Dortmunder Häuser in der Innenstadt und in Aplerbeck die Kunden mit Marmor, Messing, Prunk und Pracht begeisterten. „Dortmund war das Flaggschiff“, sagt Bergt. Es war das größte Haus in Nordrhein-Westfalen, eines der ersten mit einer Lebensmittelabteilung und immer schon besonders umsatzstark.

Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

Wiegekarte aus dem Althoff-Haus in Aplerbeck: Nach dem Einwurf einer Münze druckte die Waage das Gewicht aus. © Holger-Philipp Bergt

Anfang der 90er-Jahre war der gelernte Speditionskaufmann auf das Warenhaus in Bremen aufmerksam geworden und begeisterte sich für die typische Karstadt-Architektur, geprägt durch den ehemaligen Chefarchitekten Philipp Schaefer: aufstrebende, schlicht-edle Fassaden von einer gewissen Erhabenheit, so wie sie auch das Dortmunder Haus ausstrahlte. Die klare Linienführung sollte die Einkaufsparadiese wiedererkennbar machen.

Jetzt lesen

Zum 50-jährigen Bestehen 1931 gab es 89 Standorte, 15 davon mit den besondern Stilmerkmalen. Zeugnisse dieser Epoche geben die Bauten in Gelsenkirchen-Buer, Recklinghausen, Bremen und Wilhelmshaven. „Weitere, unter anderem in Essen, Bottrop, Berlin und Hamburg, haben entweder den Zweiten Weltkrieg oder die Abrisse der letzten Jahrzehnte nicht überstanden“, so Bergt.

Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

So sollte der Neubau des Althoff-Hauses in Dortmund aussehen. Das Projekt wurde jedoch nicht realisiert. © Holger Berg (Repro)

Ein um 1929/30 fix und fertig geplanter monumentaler Neubau für die Dortmunder City wurde ebenso wie der in Münster nicht realisiert. Die aus der Weltwirtschaftskrise entstandene „Karstadt-Krise“ in den Jahren 31/32 machte die Pläne zunichte. Entwurfzeichnungen der Gebäude sind alles, was von ihnen geblieben ist. Bis 1933 war die Zahl der Häuser auf 67 gesunken. Heute sind es knapp 80.

Karstadt in der Innenstadt wird 115 Jahre

In diesem Jahr wird das Warenhaus am Westenhellweg 115 Jahre alt. „Relikte aus der langen Althoff- und Karstadt-Geschichte in Dortmund waren bisher nur sehr schwer zu finden“, sagt der Bremer Hobby-Historiker. Er sucht nach Holzkleiderbügeln und Besteck mit Althoff-/Karstadt-Schriftzug, Werbebeilagen aus der Zeit vor 1965, Besteck, Geschirr aus den „Erfrischungsräumen“ oder Haushaltshelfer wie die gläserne Saftpresse, Werbegegenstände und anderem.

Dieser Bremer sammelt Raritäten aus den goldenen Zeiten von Althoff und Karstadt

Eine Zitronenpresse aus Glas mit "Theodor Althoff, Dortmund"-Schriftzug, um 1925. © Holger-Philipp Bergt

„Ich bin mir sicher, dass in dem einen oder anderen Haushalt in Dortmund solche Dinge noch vorhanden sind. Oft überleben gerade Holzbügel in Schränken generationsübergreifend.“

Wer hat noch Relikte aus den alten Warenhäusern?

Wer kann Relikte aus der Vergangenheit von Althoff/Karstadt zur Verfügung stellen? Bitte bei Holger-Philipp Bergt melden unter Tel. 0421/47 88 58 75 oder per E-Mail holger.bergt@web.de. Neue Fundstücke zur Geschichte der Warenhäuser in der City und in Aplerbeck wird die Redaktion vorstellen.

Lesen Sie jetzt