Dieser Dortmunder Kraftfahrer spielt Saxophon - und ist ein kleiner Facebook-Star (Video)

hzSaxophonist

Berufskraftfahrer Christian Naß (56) übt jeden Tag Saxophon - und das nicht nur im heimischen Musikzimmer. Bei einem Spaziergang könnten Sie ihn spielen hören. Wir verraten, wo.

Lütgendortmund

, 31.08.2019, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Töne von „Besame mucho“ tönen aus dem kleinen Lautsprecher. Christian Naß (56) tippt mit seinem Fuß im Takt auf den Boden. In den Händen hält er ein Altsaxophon. Als er zu spielen anfängt, schließt er die Augen - und vorbeigehende Spaziergänger klatschen.

Der 56-Jährige spielt seit fünf Jahren Saxophon - Alt und Tenor. „Ich wollte etwas Kreatives machen“, sagt der Berufskraftfahrer. Zunächst habe er mit dem Keyboard-Spielen angefangen. „Aber ich brauchte immer Strom, das war mir zu unflexibel - dafür spielt jetzt meine Frau.“ Letztlich sei er beim Saxophon hängen geblieben. Und das spielt er nicht nur Zuhause, sondern auch im Volksgarten Lütgendortmund.

Auf Facebook postet Christian Naß, wann er spielt

„Im vergangenen Jahr habe ich schon ein paar Mal hier gespielt, seit diesem Jahr regelmäßig“, sagt Christian Naß. Seine „Bühne“ ist eine Bank am Spielplatz nahe des Naturfreundehauses. „Hier hört man mich natürlich am lautesten, aber mir ist zu Ohren gekommen, dass es je nach Wind durch den ganzen Volksgarten schallt.“

Video
So spielt Christian Naß im Volksgarten

Ein User hatte Christian Naß in einer Facebook-Gruppe gebeten, zu posten, wann er im Grünen übt. Seitdem vermeldet er dort bei gutem Wetter seine Spielzeiten - und erntet Daumen hoch. „Wir haben dich heute gehört. Sehr schön gespielt“, schreibt eine Userin. Teils fragen User sogar, wann er dort ist oder äußern Musikwünsche. Andere ärgern sich, wenn sie eine Session verpasst haben. „Habe ich leider zu spät gesehen“, schreibt beispielsweise eine Userin.

Gibt es auch negative Kommentare?

Negative Kommentare wie „Ohh no! Es geht los“ gebe es kaum, sagt Christian Naß. „Und die meisten sind, glaube ich, auch nicht ernst gemeint.“ Im Volksgarten selbst seien die Rückmeldungen durchweg positiv. „Ich werde oft angesprochen - und insbesondere die Kinder vom Spielplatz oder ältere Menschen setzen sich auch mal dazu.“

Früher sei es gang und gäbe gewesen, dass Musiker im Volksgarten spielen, so erzählen es die Senioren Christian Naß. „Heute bin ich der einzige.“ Bei schlechtem Wetter probt Christian Naß übrigens im heimischen Musikzimmer, das schallisoliert ist - zum Glück für seine Familie. „Die Tonleiter-Übungen sind nämlich nicht schön zu hören“, sagt Christian Naß und lacht. Er übt täglich, einmal pro Woche auch mit einer Musiklehrerin, um weiter dazu zu lernen.

Christian Naß hat kleine Auftritte

Und das nicht nur, um im Volksgarten zu spielen. Christian Naß hatte auch schon kleine Auftritte: im Seniorenheim, beim Martener Weihnachtsmarkt und beim Dorffest. „Ich könnte mir auch vorstellen, bei privaten Feiern zu spielen“, sagt er. Bislang sei aber nichts konkretes geplant.

Dass Christian Naß tagsüber proben und auftreten kann, liegt an seinem Beruf. „Ich fahre immer nachts, dann habe ich tagsüber Zeit“, erklärt er. „Außerdem ist das Saxophonspielen für mich ein guter Ausgleich.“ Vor allem, wenn er im Freien spielen könne. „So komme ich raus an die frische Luft.“

Das baut der Saxophonist im Volksgarten auf

Und da muss er sich erst einmal aufs Spielen vorbereiten. An einem Notenständer befestigt er sein Tablet, darunter stellt er eine kleine Box für die musikalische Begleitung. Das Mundstück - halb Holz, halb Plastik - muss Christian Naß zusammenstecken und an seinem Instrument befestigen, das er dann an der Halterung um seinen Hals aufhängt.

Dieser Dortmunder Kraftfahrer spielt Saxophon - und ist ein kleiner Facebook-Star (Video)

Mit einer Tuning App auf seinem Tablet testet Christian Naß vor dem Spielen, ob alle Töne stimmen - hier ist alles im grünen Bereich. © Carolin West

Wichtig seien für ihn auch ein sogenannter Reflektor, um sein Spiel auch ohne Wände selbst hören zu können, und eine Tuning App, mit der er die Töne stimmen kann. „Hier im Volksgarten spiele ich keine Tonleitern, nur Lieder, die ich schon kann - damit die Leute auch gerne zuhören“, sagt Christian Naß. Sein Lieblingslied: „Besame mucho“. Und die spanischen Klänge begleiten einen tatsächlich bis zum Ausgang des Volksgartens.

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