Dieses Unternehmen aus Dortmund heilt mit Braunkohle unfruchtbare Böden

hzSerie Dortmunds Klima-Profiteure

Braunkohle hat unter Umweltschützern nicht den besten Ruf. Ein Dortmunder Unternehmen macht aus ihr jedoch einen Stoff, der klimafreundlich ist – und ein großes Zukunftsproblem angeht.

Dortmund

, 28.11.2019, 11:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Braunkohle ist nicht unbedingt der erste Rohstoff, den man mit Klimafreundlichkeit verbindet. Das Dortmunder Unternehmen Novihum macht daraus jedoch ein Produkt, das zur Lösung eines großes Zukunftsproblems beitragen kann: künstliches Humus-Konzentrat.

Kur für den Boden

Dr. Horst Ninnemann ist einer der Gründer von Novihum. Er sagt, sein Produkt werde dort eingesetzt, wo Böden ausgezehrt sind, zum Beispiel durch Monokulturen. Solche kohlenstoffarmen Böden haben eine geringe Fruchtbarkeit, sind also schlecht darin, Nährstoffe und Wasser in Pflanzenwachstum umzuwandeln.

„Novihum versorgt den Boden mit Kohlenstoff. Und das wiederum sorgt dafür, dass dieser ertragreicher wird und Nährstoffe effizienter verwendet werden“, erklärt Ninnemann. Novihum sei kein Dünger, betont er. Vielmehr verändere das Humus-Konzentrat die Struktur des Bodens und sorge dafür, dass dieser (wieder) fruchtbarer werde.

Für die Umwelt hat das laut Ninnemann Vorteile. Auf der gleichen Fläche können so mehr Pflanzen wachsen, deren Überreste wiederum zu Humus umgewandelt werden. Dabei werde CO2 aus der Luft gebunden. Auch könne Novihum dabei helfen, den Ausstoß von Lachgas (N2O) durch Nährstoffrückstände im Boden zu verringern. Lachgas ist vielfach klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid.

Eine alte Idee

Die Idee, Braunkohle für ein ökologisches Produkt zu nutzen, sei an sich nicht neu. „Braunkohle ist ja nichts anderes als hochkonzentrierte Pflanzenabfälle“, sagt Horst Ninnemann. „Ich selbst habe seit Ende der 90er-Jahre an der Technologie gearbeitet.“

Braunkohle sei gut geeignet für die Herstellung von Humus-Konzentrat, wegen ihrer chemischen Eigenschaften und weil sie gut zu gewinnen ist. „Die nötigen Mengen können ohne große Eingriffe in den Landschaftshaushalt gewonnen werden – anders als bei der Verstromung.“

Technische Rückschläge bei der Entwicklung habe es vergleichsweise wenige gegeben. Die Herausforderung sei es eher gewesen, die Technologie betriebswirtschaftlich tragfähig zu machen und am Markt zu etablieren. Dabei habe aber geholfen, dass in den vergangenen Jahren das Bewusstsein für die Qualität von Böden gestiegen sei. „Das ist insbesondere fester Bestandteil der Gedankenwelt von Landwirten geworden“, sagt Horst Ninnemann

Nahrung für Milliarden

Novihum könnte auch helfen, eine der großen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. „Novihum kann Böden wieder fruchtbar machen, die zum Beispiel durch Erosion oder Verwüstung sonst nicht mehr für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten. Vorausgesetzt natürlich, es gibt eine entsprechende Wasserversorgung.“

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Sitz am Dortmunder Hafen

Welche Kunden er habe will Horst Ninnemann nicht sagen. Das Unternehmen konzentriere sich aktuell vor allem auf Südeuropa und die USA. Unter den Kunden seien Marktführer der Obst-/Gemüse- und Getreideerzeugung. Die meisten operierten auch in Regionen mit schwierigen Boden- oder Klimaverhältnissen.

Etwa 25 Mitarbeiter habe Novihum in Dortmund. Horst Ninnemann selbst ist Förster und Chemiker. Gegründet hat er das Unternehmen 2012 zusammen mit einem Partner. Nach der Entwicklungsphase ist Novihum 2015 nach Dortmund gekommen.

„Hier gibt es die optimale Infrastruktur für uns“, sagt Ninnemann. Die Pilotanlage des Unternehmens steht direkt am Hafen und nutzt Restwärme der Deutschen Gasrußwerke. Auch das ist durchaus ökologisch.

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