Neuer Wohnraum unterm Dach: Am Massener Weg in Wambel sind durch Dachgeschoss-Ausbau 18 geförderte Mietwohnungen entstanden. © Beushausen
Dortmunds Wohnungsmarkt

Dogewo: Freie Mietwohnungen werden in Corona-Zeiten zur Mangelware

Dortmunds Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Das merkt auch Dogewo21. Immer mehr Mieter halten an ihren vier Wänden fest, freie Wohnungen werden Mangelware. Und es gibt weitere Probleme.

Eigentlich könnte sich Klaus Graniki, Geschäftsführer von Dortmunds kommunaler Wohnungsgesellschaft Dogewo, bequem zurücklehnen. Mit einer Miete von 5,67 Euro pro Quadratmeter im Mittel zählt Dogewo weiter zu den preiswertesten Anbietern Dortmunds.

Von 16.400 Wohnungen standen Ende 2020 insgesamt gerade 221 Wohnungen leer, die Leerstandsquote (1,35 Prozent) verharrt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Wer eine Wohnung hat, hält daran fest; erst recht in Zeiten der Pandemie. Die Umzugshäufigkeit, in normalen Zeiten deutlich über zehn Prozent, ist inzwischen von 7,8 auf 7,3 Prozent gefallen.

Den 1196 Kündigungen stehen 1184 Neuverträge gegenüber. Rund ein Drittel der Mieter, die aus ihrer Wohnung auszogen, haben lediglich ihre Adresse gewechselt, nicht aber ihren Vermieter.

Hohe Baukosten machen Sozialwohnungen unwirtschaftlich

Corona-bedingte Probleme mit Mietzahlungen? „Kein großes Thema“, winkt Dogewo-Prokurist und Finanzmann Andreas Laske ab. In rund 30 Fällen habe man einen Mietverzicht oder eine Mietminderung ausgesprochen. Insgesamt eine Größenordnung von 15.000 Euro. Nichts, was sich gravierend auf die Einnahmen ausgewirkt hätte.

So darf sich Dogewo-Chef Graniki mit Blick auf 2020 einmal mehr über ein „insgesamt zufriedenstellendes Geschäftsjahr“ freuen: Der Jahresüberschuss (nach Steuern) ist von 4,6 Millionen Euro auf knapp 6,7 Millionen Euro gestiegen. Davon werden rund 2,8 Millionen Euro an den Hauptgesellschafter DSW abgeführt. Eigentlich könnte die Welt also in Ordnung sein.

Christian Nagel, Klaus Graniki und Andereas Laske (v.l.) stellten den Dogewo-Geschäftsbericht für 2020 vor. © Dogewo © Dogewo

Ist sie aber nicht. Denn die Probleme der Vorjahre sind nach wie vor nicht gelöst: Die exorbitant gestiegenen und weiter steigenden Baukosten machen den Bau neuer öffentlich geförderter Wohnungen für Dogewo nach Darstellung von Graniki nahezu unmöglich.

Dogewo weicht auf Ausbau von Dachgeschossen aus

Es ist das alte Lied: Weil Dogewo keine eigenen Grundstücke hat, müssten Flächen erst gekauft werden. Folge: Bauvorhaben für so genannte Sozialwohnungen werden teurer und rechnen sich nicht mehr. Eine Wirtschaftlichkeit wäre erst bei einer Miete von „elf Euro pro Quadratmeter“ gegeben, rechnet Graniki vor. Tatsächlich sind die Mieten für öffentlich geförderte Neubauprojekte aber auf 6,40 Euro begrenzt.

Was bleibt, ist neuer Wohnraum durch den Ausbau von Dachgeschossen: So enstehen am Massener Weg in Wambel aktuell 18 zusätzliche, öffentlich geförderte Mietwohnungen. 14 weitere sind in Hörde und Renninghausen vorgesehen.

Welches Konzept kann dem Wohnungsbau endlich zum Durchbruch verhelfen? Grüne und CDU haben der Stadtverwaltung mit Anträgen Dampf gemacht – und erwarten in den kommenden Monaten konkrete Vorschläge. Darauf wartet auch Dogewo.

Entsteht in Dortmund bald eine „kleine Dogewo“?

Dabei macht sich Graniki einmal mehr für ein Modell stark, bei dem beispielsweise die Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft (DSG) eine wichtige Rolle spielt: Anders als Dogewo befindet sich die DSG, die zurzeit kaum mehr als eine „leere Hülle“ ist, zu 100 Prozent in Händen der Stadt. Sie könnte verschiedene Grundstücke in die DSG einbringen – und die DSG dann auch bauen lassen.

So entstünde quasi eine neue, „kleine Dogewo“, die sich in der Hauptsache dem öffentlich geförderten Wohnungsbau verschreibt. „Dogewo könnte dabei unterstützend tätig werden“, sagt Graniki.

Zurückhaltend zeigte sich der Dogewo-Chef bei einer anderen Debatte: Soll die Sparkasse, die zehn Prozent Anteile am Wohnungsunternehmen hält, stärker bei Dogewo einsteigen? Und dem Hauptgesellschafter DSW eine Marge seiner 90 Prozent-Anteile abkaufen? „Wir sehen das ganz entspannt“, gab Graniki zu Protokoll. „Die Gesellschafter sind sich ihrer Verantwortung bewusst.“

350 Millionen Euro Investition für Klimaneutralität

Wie andere Wohnungsunternehmen hat auch Dogewo in den kommenden Jahren hohe Investitionen vor der Brust: Nach Worten von Technik-Prokurist Christian Nagel werden grob gerechnet, „350 Millionen Euro“ fällig, die in die Energie-Sanierung der Wohnhäuser gesteckt werden müssen.

Dogewo-Finanzmann Laske hat dazu eine klare Forderung: „Wenn Wohnraum auch in Zukunft bezahlbar bleiben soll, muss der Bund die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen und Förderprogramme auflegen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.