In Bodelschwingh entsteht Dortmunds erste Etiketten-Weberei

hzDortex

Durch ein Loch im Dach wurden die Webstühle aus der Wuppertaler Weberei ins Freie bugsiert. Im Januar sollen sie in Bodelschwingh stehen. Ein Dortmunder Familienunternehmen expandiert.

Bodelschwingh

, 31.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortex ist ein Familienunternehmen durch und durch. 1986 von Burkhard Dohmann gegründet, teilt sich Peter Dohmann die Geschäftsführung inzwischen mit seinem Vater. Burkhard Dohmanns Schwester Elke ist als Marketingleiterin ebenfalls Teil der Firma.

Den ersten Standort hatte der Etikettenhersteller, der seine Produkte weltweit ausliefert, in Dorstfeld. Doch weil die Firma immer weiter wuchs, waren einige Ortswechsel nötig. Seit gut zwei Jahren ist Dortex endgültig in Bodelschwingh angekommen. Allerdings fehlt schon jetzt erneut Platz.

„Seit circa einem Jahr sind wir an der neuen Produktionshalle dran, jetzt können endlich die Webstühle einziehen“, erzählt Burkhard Dohmann.

Die Produktion wird gebündelt

Bislang wurden die Etiketten in der Wuppertaler Weberei Willy Duisberg und in einer Weberei in Dresden gewebt. „Wir arbeiten schon seit unserer Gründung mit Wuppertal zusammen“, erklärt Burkhard Dohmann.

Künftig soll die Produktion aber in Bodelschwingh und Dresden gebündelt werden. Dazu hat Dortex im vergangenen Jahr die Wuppertaler Weberei übernommen. Am Freitag (27.12.) sind die ersten Webstühle umgezogen.

Alle Webstühle sind von der Wuppertaler Firma Vaupel. Der Rahmen des Ältesten stammt aus dem 19. Jahrhundert, die jüngeren Webstühle sind aus den 1960er-Jahren.

Alle Webstühle sind von der Wuppertaler Firma Vaupel. Der Rahmen des Ältesten stammt aus dem 19. Jahrhundert, die jüngeren Webstühle sind aus den 1960er-Jahren. © Carolin West

Die neue Produktionshalle befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Westhausen an der Straße Rohdesdiek. Dorthin ziehen auch die Laser- und Druck-Etiketten-Maschinen, die bislang in einem engen Kellerraum des Hauptstandortes Am Schlosspark standen.

Dortex setzt auf die Erfahrung der Mitarbeiter

Dortex baut in Bodelschwingh Dortmunds erste Produktionsstätte für Textiletiketten auf. Dafür sind die Webstühle aus der Wuppertaler Weberei unerlässlich – alle acht werden bis Ende der Woche (5.1.) in die neue Halle transportiert.

Und das ist ein Kraftakt. Solche Maschinen würden seit Jahrzehnten nicht mehr hergestellt: Äußerste Vorsicht ist gefragt. Durch ein Loch in der Decke der Wuppertaler Maschinenhalle werden die zwei bis drei Tonnen schweren Webstühle nach und nach mithilfe eines Krans ins Freie bugsiert. Per Schwertransport geht es dann aufs Zechengelände.

Die Webstühle arbeiten mit Schiffchen.

Die Webstühle arbeiten mit Schiffchen. © Carolin West

Die Hälfte der Webstühle hatte es bis Montag (30.12.) schon nach Dortmund geschafft. „Aber der Älteste, dessen Rahmen aus dem 19. Jahrhundert stammt, kommt noch“, sagt Volker Frink. Auf seine Erfahrung setzen die Dohmanns, schließlich ist der Produktionsleiter ein langjähriger Mitarbeiter.

Ebenso wie vier weitere erfahrene Mitarbeiter, die mit an den neuen Standort ziehen. „Wir schaffen hier zehn neue Arbeitsplätze“, sagt Burkhard Dohmann. „Das Know-How der erfahrenen Mitarbeiter ist aber unersetzlich.“

Ein Webstuhl-Schiffchen ist zerbrochen

Die kümmern sich auch um die Ausrichtung der alten Webstühle am neuen 550 Quadratmeter großen Standort. Bisher gibt es nur einen Verlust zu vermelden: Ein Schiffchen ist beim Transport zerbrochen.

So sehen die Beispiel-Etiketten von Dortex aus, um zu veranschaulichen, was möglich ist.

So sehen die Beispiel-Etiketten von Dortex aus, um zu veranschaulichen, was möglich ist. © Carolin West

„Kein Problem“, sagt Volker Frink. „Das lässt sich reparieren.“ Zum Glück, denn die Schiffchen sind Kern des Etiketten-Geschäfts. Anders als bei modernen Webstühlen werden damit die Kanten vernäht und kratzen so später nicht.

„Außerdem gelingt es uns so, ohne Polyester und nur mit Baumwolle zu arbeiten“, erklärt Frink. Mithilfe dieser Technik entstehen dann vor allem weiche Wäscheetiketten.

Dortex will zukunftsfähig bleiben

Dortex stellt aber auch bedruckte und gelaserte Etiketten aus Stoff, Metall, Leder und Kunstleder her. Drei bis vier Programmierer arbeiten stetig daran, mit der Technologie am Puls der Zeit zu bleiben.

Und genau mit dieser Motivation sei auch die neue Maschinenhalle angegangen worden, so Elke Dohmann. „Wir hätten hier keine moderne Filtertechnik gegen Feinstaub-Ausstoß und Gerüche gebraucht“, erklärt sie. „Aber im Familienunternehmen denkt man auch an die nächsten Generationen.“

Deshalb transportiere künftig ein E-Auto die fertigen Etiketten von Westhausen zur Versand-Abteilung am Hauptstandort. „Das ist eine erhebliche CO2-Ersparnis“, sagt Elke Dohmann.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt