Analyse ergibt: Stadt Dortmund hat eine ausgezeichnete Lebensqualität

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Die DEKRA prüfte Dortmund auf Herz und Nieren – mit einem positiven Endergebnis. Denn offenbar lieben die Dortmunder ihre Stadt mehr, als es oft den Anschein hat.

Dortmund

, 02.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mal ehrlich, wer hätte das gedacht? Dortmund besitzt eine ausgezeichnete Lebensqualität! Und bei dieser Aussage handelt es sich nicht um die exklusive Meinung eines eingefleischten Ur-Borussen, sondern um das Ergebnis einer aufwendigen Analyse.

Als erste deutsche Kommune erhielt Dortmund das DEKRA-Zertifikat „Stadt mit ausgezeichneter Lebensqualität“.

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Erwähnt werden muss allerdings, dass es sich bei diesem sogenannten Audit um ein Pilotprojekt handelt, sprich: Dortmund war die erste Stadt, die die Prüfgesellschaft DEKRA unter Gesichtspunkten wie Sauberkeit, Sicherheit, Nachhaltigkeit, urbanes Leben oder Wohnen betrachtete.

„Absolut neutrale Prüfung“

Nichtsdestotrotz handele es sich um eine absolut neutrale Prüfung, sagt Dajana Hummel, Pressesprecherin der DEKRA Assurance Services mit Sitz in Stuttgart. Ein positiver Abschluss sei keineswegs garantiert: „Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen, die bei uns ein Audit in Auftrag geben, keine Zertifikation erhalten.“

„Bestimmte Voraussetzungen müssen auf jeden Fall erfüllt sein“, bestätigt Matthias Witte, Geschäftsführer der DEKRA Assurance Services. „So könnte es zum Beispiel für Stuttgart aufgrund der Feinstaubbelastung schwieriger sein, das Zertifikat zu bekommen.“

Bastian Prange (Geschäftsführer EDG), Matthias Witte (Geschäftsführer DEKRA), Matthias Kozka (Stadt Dortmund), Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Rüdiger Reuter (INFA)

Bastian Prange (Geschäftsführer EDG), Matthias Witte (Geschäftsführer DEKRA), Matthias Kozka (Stadt Dortmund), Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Rüdiger Reuter (INFA) © Stadt Dortmund, Roland Gorecki

Aber warum besitzt ausgerechnet Dortmund eine ausgezeichnete Lebensqualität? Und vor allem: Wie lässt sich die ermitteln? Es würde eine Checkliste abgearbeitet, so Hummel, auf die unterschiedliche Kriterien Einfluss hätten: Bereits vorhandene Studien fänden ebenso Beachtung wie eine Bürgerbefragung oder Stichproben vor Ort.

Masterpläne spielen große Rolle

Zu diesen Studien zählen die Masterpläne, von denen die Stadt Dortmund seit 2001 eine Vielzahl auf den Weg gebracht hat. Unter anderem zu den Themen Umwelt, Mobilität, Einzelhandel, Wirtschaftsflächen und Wohnen.

Und besagte Masterpläne brachten den Stein schließlich ins Rollen: Die SPD-Ratsfraktion wünschte sich im Juli 2019 eine geordnete Darstellung dieser Pläne. Da die DEKRA-Prüfung unter anderem diesem Wunsch Rechnung getragen hätte, gab der Dortmunder Verwaltungsvorstand das 20.000 Euro teure Audit im September 2019 schließlich in Auftrag, sagt Stadtsprecher Frank Bußmann: „Damals wurde gesagt: Wir machen das!“

Aber nicht nur die Masterpläne seien wichtig gewesen, erläutert DEKRA-Sprecherin Hummel: „Wenn Bürger sagten, man kann hier nicht barfuß über den Marktplatz gehen, dann wurde das beim Punkt Stadtsauberkeit berücksichtigt.“

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Experten hätten zudem untersucht, wie die Abfallentsorgung organisiert ist, wie viele Menschen sich ehrenamtlich engagieren oder wie sich die Kriminalitätsrate in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Und da die Zahl der registrierten Straftaten seit Jahren kontinuierlich sinkt: Punkt für Dortmund.

Sicher wird gern und viel über Dortmund gemeckert; aber die Aussage Wittes, dass rund 80 Prozent der befragten Bürger einen Wegzug nicht in Erwägung gezogen hätten, lässt dann doch auf eine gewisse Heimatliebe schließen. „Sie sagten, sie bleiben hier. Und je länger sie schon in Dortmund lebten, desto größer war deren Zahl.“

Viele Städte besser als ihr Ruf

Aber Hand aufs Herz: Hatten die DEKRA-Mitarbeiter mit einem solchen Ergebnis gerechnet, zumal Ruhrgebietsstädte bundesweit ja nicht unbedingt als Kurorte gelten? „Viele Städte sind besser als ihr Ruf“, weiß Witte – und erhält Rückendeckung von Dajana Hummel: „Ich kenne drei Menschen, die in Dortmund gelebt haben. Und alle waren zufrieden.“

Dass solch ein Zertifikat keineswegs nur den Sinn hat, schön gerahmt an der Wand zu hängen, verdeutlicht Stadtsprecher Bußmann: „Man kann damit Werbung für Dortmund machen. Man kann die Ergebnisse aber auch als Information dafür nutzen, was man bereits gemacht hat – und was man noch machen muss.“

Info

Jährliche Re-Zertifizierung geplant

  • Das Audit für Dortmund war bereits vor der Corona-Krise geplant und wurde unter entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen in enger Zusammenarbeit mit der Stadt durchgezogen.

  • Laut DEKRA soll es eine solche Prüfung künftig auch in anderen Städten geben. „Eine Kommune kann sich so unabhängig bescheinigen lassen, dass sie auf dem richtigen Weg ist“, sagt Dajana Hummel.

  • Für Dortmund sei jährlich eine Re-Zertifizierung sowie alle drei Jahre ein neuerliches Haupt-Audit vorgesehen.
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