Rekord im Weihnachtsgeschäft - trotzdem machen sich Dortmunds Händler Sorgen

hzShopping in Dortmund

Hinter den Geschäftsbesitzern in Dortmund liegt ein durchwachsenes (Nach-)Weihnachtsgeschäft. Trotz Umsatzrekord zeichnet sich ein Wandel ab. Stirbt das klassische Weihnachtsgeschäft?

Dortmund

, 31.12.2019, 05:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Monate November und Dezember sind für die Händler in der Dortmunder City und in den Vororten eine der wichtigsten Phasen des Jahres. Der Umsatz soll häufig das Jahr retten. Doch 2019 blieben für viele Geschäfte die Erwartungen unerfüllt.

„Es war kein schlechtes Weihnachtsgeschäft, aber auch keines, das alles rausreißt“, sagt Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland. Der Verband fragt seine Mitgliedsbetriebe jährlich danach, wie das Geschäft am Jahresende für sie gelaufen ist.

Gesamtergebnis der Umfrage: „zufriedenstellend“. Nicht weniger. Aber eben auch nicht mehr.

Im Weihnachtsgeschäft werden in Dortmund rund 885 Millionen Euro umgesetzt

Der stationäre Einzelhandel in Dortmund dürfte nach Thomas Schäfers Einschätzung nahe dem prognostizierten Rekordumsatz von rund 885 Millionen Euro landen. Das sind 15 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Davon entfallen immer noch bis zu 80 Prozent (708 Millionen Euro) des Umsatzes auf den Handel vor Ort. 20 Prozent werden online umgesetzt. Aber: „Die Umsatzsteigerung geht aber vor allem auf das Online-Geschäft zurück. Wer nicht online verkauft, profitiert davon nicht“, sagt Thomas Schäfer.

Viele kleine und mittelständische Betriebe können es sich aber auch in Dortmund nach wie vor personell und finanziell nicht leisten, einen eigenen Online-Vertrieb aufzubauen.

Weniger Passanten in der Dortmunder City - auch wegen der vielen Baustellen

Die Bilder auf dem Westenhellweg glichen sich am Freitag, Samstag und Montag nach Weihnachten: Ellenbogen an Ellenbogen machten sich Tausende daran, ihr Weihnachtsgeld umzusetzen oder Gutscheine einzutauschen. Doch der Eindruck täuscht.

Die Passantenfrequenz ist in fast allen deutschen Großstädten rückläufig. „In Dortmund war es aber noch mehr als in anderen Städten“, sagt Thomas Schäfer. Der Grund dafür seien die Baustellen rund um die Innenstadt.

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Laut Thomas Schäfer hätten mehrere Mitgliedsbetriebe berichtet, dass viele der sonstigen Stammkunden erst gar nicht nach Dortmund gekommen seien. „Von auswärtigen Besuchern, die einmal im Stau standen und deshalb nicht wiedergekommen sind, ganz zu schweigen.“

„Black Friday“ und „Cyber Monday“ verändern das Geschäft

Insgesamt hat sich das Umsatzgeschäft in den vergangenen Jahren zunehmend zeitlich verlagert. Online-Rabatt-Aktionen wie „Black Friday“ oder „Cyber Monday“ im November nehmen Teile des klassischen Weihnachtsgeschäfts vorweg.

Der stationäre Handel profitiere durchaus von solchen Tagen, so Thomas Schäfer. „Aber es war zu erwarten, dass sich anschließend die Kunden erst einmal umsehen und orientieren würden, um erst im Endspurt kurz vor Weihnachten zuzuschlagen.“

Als Gewinner des Jahresendgeschäfts 2019 nennt der Handelsverband die klassischen Geschenkbranchen Parfümerie, Spielwaren, Juweliere und Technik, hier vor allem sprachgesteuerte Systeme. Textilien seien bei Weitem nicht mehr so gefragt wie früher.

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Besonders zufrieden sei der Buchhandel. „Das zeigt, dass die Leute trotz Amazon immer noch in die Geschäfte möchten, um die Dinge zu sehen“, meint Thomas Schäfer.

Buchhandel wird als „Gewinner“ verkauft - dabei war das Geschäft schlechter als in den Vorjahren

Diese Euphorie teilen Dortmunder Buchhändler nur bedingt. So berichtet die Buchhändlerin Birgit Lange Grieving für ihr Geschäft „Transfer“ in Hörde zwar: „Wir sind stabil mit Zuwächsen in bestimmten Sortimentsbereichen, besonders im Bereich Sachbuch.“ Damit entspreche man aber nicht dem Branchentrend.

Ein Umsatztest von Langendorfs Dienst, einem Infodienst für die Buchbranche, hatte bis zum vierten Advent (22.12.) ein Minus von rund 2,5 Prozent im Schnitt gegenüber 2018 ergeben.

Hieran zeigt sich stellvertretend für andere Branchen: Das Weihnachtsgeschäft in seiner gewohnten Form verliert an Bedeutung.

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