Hinter der langen Schlange am Königswall steckt ein neuer alter Trend

hzGetränke-Trend

An der Ecke Königswall/Gnadenort nehmen täglich Dortmunder lange Wartezeiten in Kauf, um an ihr Lieblingsgetränk zu kommen. Der Trend ist alt - und doch wieder neu.

Dortmund

, 13.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der durchschnittliche Kunde, der am Freitagnachmittag in der langen Schlange am Königswall ansteht, ist weiblich und im Teenageralter.

Um die 30 Personen sind es, die hier für Bubble Tea anstehen, eines der süßen Teegetränke. Bis zu einer halben Stunde müssen sie auf ihre Bestellung warten, so groß ist der Andrang bei „MMh..licious“ an der Ecke Gnadenort/Königswall.

Immer wieder bleiben Passanten stehen, wundern sich über den Andrang und wollen von den jungen Wartenden wissen, was es hier zu kaufen gibt. Und wundern sich dann, dass ausgerechnet Bubble Tea diesen Hype auslöst.

Bubble Tea war zu Unrecht verschrien

Viele der Kunden sind jedoch so jung, das sie womöglich gar nicht mehr wissen, dass ihr Lieblingsgetränk noch vor ein paar Jahren als krebserregend und aus „jeder Menge Dreck“ zusammengesetzt galt. Medien berichteten 2012 über Aachener Forscher, die in einigen Tee-Getränken krebserregende Giftstoffe gefunden haben wollten.

Dass dabei jedoch nie eine Gefahr für die Gesundheit nachgewiesen werden konnte und auch das Verbraucherschutzministerium Entwarnung gab, ging in dem Aufschrei, der auf diese Nachricht folgte, weitgehend unter.

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Die Branche für Bubble Tea, die bis dahin auf einer Welle des Erfolgs gesegelt war, bekam einen Knacks. Mühsam kämpft sie sich seitdem zurück in deutsche Innenstädte.

Großer Andrang in den Sommerferien

„MMh..licious“ am Königswall hat seinen kleinen Laden im März 2019 eröffnet, davor hatten die Betreiber allerdings schon einen Stand in der Thier Galerie. Wegen der Corona-Pandemie wird der Bubble Tea am neuen Standort aktuell nur am Fenster und zum Mitnehmen verkauft. Trotzdem reicht die Schlange der Fans (nicht nur) an diesem Tag viele Meter die Straße „Gnadenort“ hinauf.

Die Schülerin Serina vermutet, dass das auch an den Ferien liegt. Viele Schüler haben jetzt Zeit, in die Stadt zu gehen. Sie selbst ist fast jeden Tag hier, trinkt immer einen Milchtee mit Pfirsich-Kugeln. Sie hat sich lange durch die vielen Sorten von Tee und Bubbles getestet, bis sie ihren Favoriten gefunden hat.

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Bubble Tea basiert auf grünem oder schwarzem Tee, der zusammen mit Sirup, Joghurt oder Milch wie ein Milchshake kalt zubereitet wird. Zum Schluss wird er mit den Bubbles, Kügelchen aus Speisestärke, die im Mund zerplatzen, gemixt.

Von der angeblichen Gefahr, die von Bubble Tea ausgehen soll, hat Serina auch gehört. „Aber dann habe ich selber recherchiert und schnell herausgefunden, dass das nicht stimmt“, berichtet sie, während sie in der meterlangen Schlange wartet.

Bubble Tea ist auch ein Stück Subkultur

Drei junge Frauen aus Hamm haben es schon geschafft, sie halten Becher mit Milch- und Matcha-Tee in der Hand und probieren vorsichtig. Sie sind für einen Tagestrip nach Dortmund gekommen, erzählen sie, und haben online nach einem Bubble-Tea-Laden in der City gesucht - weil sie die Getränke mal ausprobieren wollten.

Bubble Tea basiert auf grünem oder schwarzem Tee, der mit Sirup oder Milch und süßen Kügelchen gemixt wird.

Bubble Tea basiert auf grünem oder schwarzem Tee, der mit Sirup oder Milch und süßen Kügelchen gemixt wird. © picture alliance / dpa-tmn

„MMh...licious“ liegt nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. „Der perfekte Spaziergang“, sagt Jay. Jay und Viktoria kommen aus Witten, fahren aber manchmal nur für den Bubble Tea nach Dortmund. Sie erklären, dass Bubble-Tea-Läden nicht nur eine Alternative zu Café-Ketten wie Starbucks seien, sondern auch viele Menschen anziehen, die einen besonderen Bezug zu asiatischer Kultur haben. Bubble Tea - der ursprünglich aus Taiwan kommt - sei auch ein Stück Subkultur, erzählt Viktoria. So wie beispielsweise Animés, jene japanischen Comics.

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Während die zwei an ihren Getränken nippen, kommt eine Gruppe junger Frauen, voll bepackt mit Einkaufstüten, an ihnen vorbei. „Ach du Ka***, ist die lang“, entfährt es einer von ihnen. „Mir egal, ich stell mich trotzdem an“, sagt eine andere. Bereitwillig folgen ihre Begleiterinnen. Das ist es ihnen offenbar wert.

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