Grabstätten als Hundewiese missbraucht? – Fremder attackiert Frau auf Friedhof mit Schlägen

hzGewalt auf Friedhof

Ein Unbekannter hat auf dem Friedhof in Dortmund-Oespel eine Frau (51) angegriffen. Ursache des Streites war ein Hund. Werden Grabstätten als „Hundewiese“ missbraucht? Die Polizei sucht Zeugen.

Oespel

, 30.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der tätliche Angriff auf eine 51-jährige Frau, die am Abend mit ihren Hunden auf dem Friedhof Gassi ging, ist auch fast drei Wochen später noch ein viel diskutiertes Thema unter den Friedhofsbesuchern. Angst und Schrecken hat der Vorfall aber nicht ausgelöst. Die Polizei berichtete damals, dass sich ein Mann über das Gassigehen auf dem Friedhof aufregte und es zu Handgreiflichkeiten kam.

Für die 75-jährige Seniorin, die wir auf dem Oespeler Friedhof an der Ewald-Görshop-Straße antreffen und die namentlich nicht genannt werden möchte, ist der Fall sonnenklar – auch wenn sie keine Augenzeugin war. „Einer der Hunde wird auf einem Grab sein Geschäft erledigt haben, darüber hat sich der Mann aufgeregt, dann gab ein Wort das andere.“

Grabstätten als Hundewiese missbraucht? – Fremder attackiert Frau auf Friedhof mit Schlägen

Im westlichen Bereich des Oespeler Friedhofs wurde die Frau attackiert. © Beate Dönneawld

Allein die Anwesenheit der Hunde könne nicht der Auslöser gewesen sein. Denn Hunde an einer kurzen Leine sind hier erlaubt, so steht es auch auf dem städtischen Schild am Friedhofs-Eingang.

Die Frau zu ohrfeigen, sei natürlich ein Unding, sagt die Seniorin. Nachbarn hätten die Hilfeschreie gehört und die Polizei gerufen, weiß sie aus Gesprächen mit anderen Friedhofsbesuchern.

Grabstätten werden als „Hundewiese“ missbraucht

Dass sich der Mann aufgeregt hat, das wiederum könne sie gut nachvollziehen. Leider würde der Friedhof viel zu oft als „Hundewiese“ missbraucht, sagt die 75-Jährige. Sie müsse drei Gräber pflegen – und dazu gehöre auch, regelmäßig Hundekot zu entfernen.

Ähnlich ergeht es Gudrun Müller aus Dorstfeld und Volker Sokoll aus Witten, die gerade das Grab für Allerheiligen herrichten: „Hundehaufen musste ich hier schon oft aufsammeln, das ist wirklich ekelig“, so Gudrun Müller.

Angst hätten sie wegen des Angriffs auf die Hundehalterin aber nicht, sind sich beide einig. „Ich halte mich sowieso nur tagsüber auf dem Friedhof auf. Da fühle ich mich sicher“, sagt Gudrun Müller.

„Es wird auf dem Friedhof immer mehr geklaut“

R. Schmidt (71) reagiert mit Unverständnis. „Wie kann man auch abends über den Friedhof gehen?“, fragt die 71-Jährige. Das käme für sie nie in Frage, und deshalb habe sie kein mulmiges Gefühl auf dem Friedhof. „Über den Übergriff wird hier viel gesprochen“, sagt sie.

R. Schmidt regt auch ein anderes Thema auf: „Es wird immer mehr geklaut“, sagt die 71-Jährige. Nach 22 Jahren habe man die Kupferlaterne auf dem Grab ihrer Mutter gestohlen. Kopfschüttelnd geht sie weiter.

Relativ gelassen reagiert Harald List auf den Friedhofsstreit vor drei Wochen. Den dürfe man nicht überbewerten, sagt er. Weder er noch seine Frau würden sich hier deshalb fürchten. Das Problem mit den unerwünschten Hinterlassenschaft sei ihm auch bekannt.

„Ich gehe hier regelmäßig mit dem Hund meiner Tochter spazieren. Die Haufen sammel ich mit einer Tüte auf. Das ist doch kein großes Ding.“

Friedhofs-Besucher ärgern sich über Diebstahl und Hundekot

Diebstahl auf dem Friedhof ist in seinen Augen kein neues Phänomen. „Die Bronze-Schalen auf dem Grab meiner Schwiegereltern wurden schon vor 20 Jahren gestohlen.“ Neue hätten er und seine Frau nicht mehr gekauft.

Friedhofs-Besucher Michael Terek kann bei allen Themen nicht mitreden: Von dem tätlichen Angriff weiß er nichts, gestohlen wurde ihm noch nichts, und Hundekot musste er auch noch nicht entsorgen. „Vielleicht liegt es an der Lage der Grabstelle.“

Polizei sucht weiterhin Zeugen

Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, die etwas zum tätlichen Angriff am 11. Oktober gegen 19.40 Uhr im westlichen Bereich des Oespeler Friedhofs wissen. Bislang hätten sich keine Zeugen gemeldet, so Polizeisprecherin Cornelia Weigandt auf Anfrage dieser Redaktion. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 0231/132-7441 entgegen.

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