Erpresser vergiftet Joghurt in Supermarkt und verlangt 300.000 Mark

hzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Die Polizei macht Jagd auf einen Erpresser und Dortmunder öffnen ihr Herz für Kinder in Rumänien. Das waren die Nachrichten der Dortmunder vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 21.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 20. August 1990:

Erpresser festgenommen

Ein 46-Jähriger hatte das Unternehmen „Coop Dortmund/Kassel eG“ erpresst. In einem Schreiben an die Firma teilte er mit, er hätte in zwei Hörder Filialen bereits Joghurt mit Essig versetzt und würde auch weitere Becher vergiften, wenn das Unternehmen ihm nicht die geforderten 300.000 Mark zahlen würde.

Eine Anzeige in den Ruhr Nachrichten: „Unserer lieben Oma zum 80. Geburtstag alles Gute C.O.“ sollte die Zahlungsbereitschaft signalisieren.

Eine Woche nach Veröffentlichung der Anzeige meldete sich der Täter erneut und nannte eine Gaststätte in Hörde als Übergabeort. Die Coop hatte aber gleichzeitig auch die Polizei benachrichtigt, die das Gelände großflächig überwachen ließ.

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Ein Mann, der durch seine besondere Unauffälligkeit auffiel, habe dann auch den Verdacht der Ermittler erregt, konnte aber aus Mangel an Beweisen nicht verhaftet werden. Es kam nicht zur Geldübergabe, denn der Täter hatte Angst, auf frischer Tat ertappt zu werden.

Bei einem zweiten vereinbarten Treffen wiederholte sich die Situation und die Polizei konnte den Mann diesmal identifizieren und wenige Tage später verhaften. Im Gewahrsam der Polizei legte der 46-Jährige auch ein Geständnis ab. Aufgrund einer eigenen Firmen-Pleite habe er das Geld dringend benötigt.

Dortmunder Ersatzmütter für rumänische Kinder

Die Situation für die Kinder in den rumänischen Heimen von Oravita war so katastrophal, dass Dortmunder Pädagogen sich der Kinder annehmen wollten. Brigitte Schweppe, Dozentin an der Fachhochschule Dortmund, sagte nach einem Besuch vor Ort: „Unsere Strafverfolgung ist humaner als das, was Rumänen sich bis jetzt unter Heimpädagogik vorstellen.“

Drei der 60 Kinder hatten Aids, viele litten unter Hepatitis oder Gehirnhautentzündung, Sanitäranlagen funktionierten ebenso wenig wie Waschmaschinen und viele Kinder würden vor körperlicher Nähe erschrocken zurückweichen, fasste die Dozentin die Situation zusammen.

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Dortmunder Studentinnen wollten sich der Sache annehmen und die Kinder im Wechsel und mit Unterstützung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) betreuen. Schon vor Veröffentlichung des Artikels hatten sich viele Dortmunder und Dortmunderinnen gemeldet, um in ihren Ferien die Arbeit der Pädagogen zu unterstützen.

Angeklagter fühlte sich „wie ein Spielzeug“

Zu einem Familiendrama kam es vor 30 Jahren in Eving. Der 27-jährige Sefa B. ermordete seine Lebensgefährtin aus Eifersucht. Beide Elternpaare hatten den beiden abgeraten zusammen zu ziehen, aufgrund der kulturellen Unterschiede hätte es zwangsläufig Probleme gegeben. Die ermordete Heike N. habe ihn oft betrogen, sagte der geständige Angeklagte: „Ich habe mich gefühlt wie ihr Spielzeug“.

Das Paar hatte zwei gemeinsame Kinder, wegen derer er Heike N. auch nicht verlassen wollte. Eines der beiden Kinder, so erzählte der Vater, soll von einem Arbeitskollegen missbraucht worden sein.

Auf diesen schweren Schicksalsschlag sei seine Freundin nächtelang aus gewesen und kam schließlich in der Tatnacht auf ihn zu, um die Beziehung wegen eines anderen Mannes zu beenden. Eine innere Stimme hätte ihm dann gesagt: „Hohl das Seil“.

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