Der erste Touchscreen im Alltag: Fahrscheinwahl per „Handauflegen“

hzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Eine neue Generation von Fahrkartenautomaten und ein Theologe der einen Richter beleidigt. Das waren die Nachrichten der Dortmunder vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 24.08.2020, 10:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 24. August 1990:

Digitale Fahrscheinautomaten

Die Digitalisierung stand 1990 noch in den Kinderschuhen. Wir hatten bereits über die „neue Technologie Handy“ berichtet und über Ämter, die ihren neuen Kollegen, den Computer, langsam in den Dienst integrierten. Die Digitalisierung kam aber auch langsam im Alltag der Dortmunder zum Vorschein. Die Stadtwerke stellen ihren neuen Fahrscheinautomaten vor: „Fahrscheinwahl per Handauflegen“.

Der erste Touchscreen im Dienste der Kundenfreundlichkeit wurde an der Haltestelle Kampstraße aufgebaut und war der einzige Prototyp seiner Art in Dortmund. Die Funktionsweise war im Großen und Ganzen gleich mit der, der heutigen Automaten.

Eine weitere Neuerung war, dass nicht mehr nur mit Münzen und 10-Markscheinen bezahlt werden konnte. Die Kunden sollten die Automaten testen, bewerten und Verbesserungsvorschläge unterbreiten, die dann für Automaten aufgenommen wurden, die in ganz Dortmund aufgestellt werden sollten.


Theologe beleidigt Richter

Auch ein evangelischer Geistlicher kann bisweilen mal die Fassung verlieren. Der Theologe Michael Lüdge stellte dem Vorsitzenden Richter eines Prozesses eine Rolle Toilettenpapier mit entsprechender Beschriftung auf den Richtertisch. Vor dem Prozess verteilte er Flugzettel mit eindeutig beleidigenden Inhalten. In dem Prozess ging es um den sexuellen Missbrauch an Lüdges Tochter und Stieftochter.

Auf den Flyern warf er dem Richter unter anderem vor, „mit bohrenden Fragen an eines der Opfer die Tat auf einer anderen Ebene wiederholt zu haben“.

Der Angeklagte wurde anschließend allerdings – auf Grundlage der Zeugenaussagen – zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.


Gelungener Strukturwandel

Der Strukturwandel begleitet Dortmund schon sehr lange. Weg vom Bergbau, hin zu neuen Branchen und Industriezweigen. Ein gelungenes Beispiel dafür stellte die Gesellschaft für Gerätebau (GfG) schon 1990 dar. Bei der Gründung stellte das Unternehmen Messgeräte für die Erkennung des Grubengases Methan her. Ein gut funktionierendes Geschäft, allerdings nur solange der Bergbau in der Region blühte.

Die Abkopplung vom Bergbau war überlebensnotwendig und schon 1990 vollbracht. „Heute machen wir mit dem Bergbau noch ca. 20 bis 25 Prozent Umsatz“, erläuterte Hans Jörg Hübner, der Geschäftsführer des Unternehmens. Drei Mitarbeiter waren es bei der Gründung, 72 waren es 1990 und 2014 hatte das Unternehmen 250 Mitarbeiter.

Propstei-Arkaden eröffnen

1990 gab es einige Veränderungen im Stadtbild, die bis heute die Innenstadt prägen. Eine davon war die Fertigstellung der Propstei-Arkaden-Fassade.

Die war gefertigt aus Schönbrunner-Sandstein und designet von dem Architekten Theo Schwill.

Vor 30 Jahren stand die Eröffnung des ersten Geschäfts in den Arkaden unmittelbar bevor, ein Geschäft der Nobel-Marke Escada. Acht Modemarken wollten insgesamt in das neue Gebäude einziehen, darunter Haita und das Modehaus Deters. Durch den Umzug des Modehauses Deters wurde zudem noch Platz auf dem Westenhellweg frei, in den das Haushaltswarengeschäft WMF einziehen sollte.

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