Plüsch-Handschellen und Mädchen-Unterwäsche belasten Angeklagten (64)

hzMissbrauchs-Prozess fortgesetzt

Ein 64-jähriger Mann aus Barop soll mehrere Mädchen missbraucht haben. Vor Gericht will er zu den Vorwürfen schweigen. Dafür sprechen Durchsuchungs-Protokolle eine deutliche Sprache.

Dortmund

, 31.03.2020, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Missbrauchs-Prozess gegen einen 64-jährigen Baroper und seinen Sohn hat das Landgericht am Dienstag wichtige Unterlagen verlesen. Danach haben Polizeibeamte und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts im November 2016 die Wohnung des Hauptangeklagten durchsucht - und dabei mehr als interessante Entdeckungen gemacht.

Durchsuchung im November 2016

Dem 64-Jährigen wird vorgeworfen, zwei Töchter einer ehemaligen Lebensgefährtin vor fast 20 Jahren erstmals sexuell missbraucht zu haben. Und auch in den Jahren 2007 und 2008 soll es zu Übergriffen auf die Schülerinnen gekommen sein. Nachdem die Betroffenen schließlich Anzeige erstattet hatten, hatte eine Richterin die Wohnungsdurchsuchung bei dem Baroper angeordnet.

Der Mann sei dringend tatverdächtig, weil die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer glaubhaft seien, hieß es damals. Die Mädchen hätten Details preisgegeben, die man sich nur schwer ausdenken könne.

Kind erzählte von Fesselungen

Unter anderem hatte eines der Kinder davon berichtet, dass der Angeklagte es mit Handschellen ans Bett gefesselt hatte, um die Missbrauchstaten verüben zu können. Als die Polizeibeamten nun die Wohnung des heute 64-Jährigen durchsuchten, fanden sie ausgerechnet ein paar Plüsch-Handschellen mit Leopardenmuster.

Darüber hinaus wurde auch jede Menge Mädchen-Kleidung (Slips, Leggings etc.) sichergestellt. Und auch Sexspielzeug für Erwachsene lag in der winzigen Kellerwohnung in Barop herum.

Zahlreiche Elektrogeräte sichergestellt

Weil die Mädchen außerdem davon berichtet hatten, dass der Angeklagte sie nackt fotografiert habe, nahmen die Polizisten auch sämtliche elektronischen Geräte mit ins Präsidium. Neben einem Laptop und zwei Tablets lagerte der 64-Jährige auch einen PC-Tower und eine externe Festplatte in seiner Wohnung.

Was die Auswertung dieser Gegenstände ergeben hat, soll zu einem späteren Zeitpunkt in dem Prozess bekannt gegeben werden. Ohnehin wollen die Richter die Verhandlung wegen der Corona-Krise nur langsam durchziehen. Bereits jetzt sind Verhandlungstage bis in den Sommer hinein terminiert worden. Und es ist nicht einmal sicher, dass diese ausreichen werden.

Rolle des Sohnes unklar

Vor allem, weil auch die Rolle des mitangeklagten Sohnes noch geklärt werden muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dem Vater seine Wohnung zur Verfügung gestellt zu haben, um dort die Kinder missbrauchen zu können. In seiner ersten Erklärung hatte der Angeklagte das aber bestritten. Sein Vater habe einen Schlüssel zu der Wohnung gehabt. Er selbst habe von dessen Aktivitäten aber nie etwas mitbekommen, hieß es zu Prozessbeginn.

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