Dortmund soll dritte Notschlafstelle bekommen - speziell für junge Erwachsene

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Verschiedene Altersgruppen brauchen unterschiedliche Betreuung. Deshalb soll es in Dortmund bald eine Notunterkunft speziell für junge Erwachsene ohne Wohnung geben.

Dortmund

, 25.11.2019, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Dortmund plant eine Notunterkunft für junge Frauen und Männer über 18 Jahren, die obdachlos geworden sind. Diese müssen bisher die Erwachsenenschlafstellen aufsuchen. In Arbeitsgruppen hatten in diesem Segment tätige Träger und die Jugendhilfe auf die besondere Situation dieser jungen, wohnungslosen Erwachsenen immer wieder hingewiesen.

"Wir freuen uns, dass diese Lücke geschlossen wird", sagt Erik Bedarf vom Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW (VSE). Seit 2000 betreibt der Verbund mit dem "Sleep In" am Körner Hellweg eine Übernachtungsstelle für wohnungslose Jungen und Mädchen. Die meisten Jugendlichen, die dort unterkommen, sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Hat die Übernachtungsstelle Platz, nimmt sie in Ausnahmefällen auch junge Erwachsene auf. Minderjährige hätten aber immer Vorrang, erklärt Bedarf.

"Sie sind halt irgendwie dazwischen."

Die über 18-Jährigen würden sie dann an die Erwachsenenschlafstellen verweisen. Bisher gibt es für Frauen die Übernachtungsstelle in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße und für Männer die in der Unionstraße. "Oftmals sind sie da aber auch nicht richtig aufgehoben", sagt Bedarf. "Sie sind halt irgendwie dazwischen."

Deshalb soll jetzt auch ein Angebot entstehen, das sich quasi zwischen "Sleep In" und den Erwachsenenschlafstellen eingliedert. Auch, weil beispielsweise die Männer-Übernachtungsstelle von jungen Erwachsenen eher selten genutzt wird. Sie würden nur einen Anteil von etwa acht Prozent an den Übernachtungsgästen ausmachen, sagt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki.

"Junge Obdachlose haben häufig noch andere Möglichkeiten unterzukommen und halten sich zum Beispiel vorübergehend bei Bekannten auf", so die Sprecherin. Deshalb würden sie auch nur selten sichtbar öffentlich in Erscheinung treten, indem sie zum Beispiel im Stadtgebiet kampieren, so Pinetzki.

Dass das Problem öffentlich nicht so sichtbar sei, bedeute natürlich nicht, dass es nicht existent ist: Wie viele junge Erwachsene in Dortmund wohnungslos sind, lässt sich aber nicht eindeutig sagen. Das Dortmunder Jobcenter prüft die Leistungsansprüche der Personen ohne festen Wohnsitz im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Es schätzt die Zahl auf etwa 80 bis 100.

Einrichtung soll 20 Übernachtungsplätze haben

In ihrer Ausschreibung sucht die Stadt einen Träger für eine Einrichtung mit bis zu 20 Übernachtungsmöglichkeiten. Die Schlafplätze für Männer und Frauen sollen räumlich voneinander getrennt sein.

Voraussichtlich soll die Notfallschlafstelle im ersten Quartal 2020 ihre Arbeit aufnehmen. Vorgesehen ist, dass sie neben einer vorübergehenden Unterbringung auch einen schnellen und unbürokratischen Zugang zum Hilfesystem eröffnet.

"Wenn junge Menschen ihre Situation nachhaltig verändern möchten, muss sofort und unmittelbar ein Angebot vorhanden sein", erklärt Pinetzki. Dies erfordere bereits zu Beginn eine professionelle Begleitung in die entsprechenden Leistungs- und Betreuungssysteme.

Wohnungen werden häufig wieder gekündigt

Das können etwa Projekte wie Wohntrainings sein. Denn junge Wohnungslose sind oftmals nicht in der Lage, den Wohnraum auf Dauer zu halten. Ihnen wird häufig wieder gekündigt, weil sie gegen ihre Mietverträge verstoßen. "Es handelt sich um eine sehr schutzbedürftige Gruppe", sagt Bedarf. "Reines Wohnen alleine reicht nicht. Pädagogische Betreuung ist ebenso notwendig."

Noch bis Ende November können sich Dienstleister mit ihren Konzepten bewerben. Zu den bisher eingereichten Konzepten könne und dürfe die Stadt zum aktuellen Stand des Verfahrens keine Aussagen machen, sagt Pinetzki. Ebensowenig zum finanziellen Rahmen des Projekts. Der Vertrag mit dem Träger läuft acht Jahre mit der zweimaligen Verlängerungsoption um jeweils ein weiteres Jahr.

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