Eine Woche voller Panik: Ulrike Kropp blickt auf Chaos-Umzug zurück

hzUmzugs-Chaos in Corona-Zeiten

Die Strapazen rund um Ulrike Kropps Umzug von Dortmund nach Leezdorf sind beendet. Nun blickt sie auf die Odyssee zurück - und berichtet, ob sie ihren langersehnten Ruhestand genießen kann.

Dortmund

, 10.04.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Knapp 20 Jahre lang wohnte Ulrike Kropp in Dortmund. Um ihren Ruhestand zu genießen, wollte sie raus aus der Stadt. Ihr Ziel: das Örtchen Leezdorf in Ostfriesland. Fast wäre ihr geplanter Umzug jedoch schief gelaufen, denn die Gemeinde vor Ort interpretierte ihren Wohnort-Wechsel als Flucht vor dem Coronavirus im Ruhrgebiet.

Nach langem hin und her konnte sie die Behörden überzeugen, dass ihr Umzug nach Leezdorf schon vor der Coronakrise geplant war. In einem extra3-Beitrag hatte Kropp bereits vergangener Woche von ihrem konfliktreichen Wohnortswechsel erzählt. Wie sie im Nachhinein über das Vorgehen der Behörden denkt, berichtete sie nun im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bereits 2017 hatte sich Ulrike Kropp in den ländlichen Ort Leezdorf der Samtgemeinde Brookmerland im Landkreis Aurich verliebt. Damals hatte sie ihr jetziges Zuhause als Ferienhaus gekauft und als Nebenwohnung angemeldet. Mit der Zeit sei der Traum gereift, ihren Ruhestand nicht in Dortmund, sondern dort auf dem Land zu verbringen.

„Immer, wenn ich hier war, dachte ich, wie toll es hier ist“, sagt die 64-Jährige über ihr Haus in Leezdorf. „Im Sommer 2018 habe ich dann entschieden, hierher zu ziehen“, ergänzt sie. Vor einem Jahr habe sie angefangen, ihr Ferienhaus zu renovieren.

„Über Corona habe ich dann nicht nachgedacht“

„Eigentlich war es geplant, dass das Haus schon früher fertig wird. Deswegen konnte ich es auch gar nicht abwarten, endlich einzuziehen“, sagt sie. Das erklärt, warum sie mit dem Umzug nicht warten wollte, bis die Corona-Krise vorbei ist. Sie habe schon immer gedacht: „Sobald das Haus fertig ist, möchte ich drin wohnen“.

Und im März dieses Jahres war es fertig. Dass sich das Coronavirus auch in Deutschland verbreitete, hinderte sie damals noch nicht an dem Umzug. „Ich stand seit Oktober 2019 in den Startlöchern. Über Corona habe ich dann nicht nachgedacht“, erklärt sie.

Jetzt gibt sie zu: „Hätte ich vorher gewusst, wie schlimm das mit dem Virus wird und welche Maßnahmen folgen, wäre ich erst später umgezogen. Aber im Nachhinein ist man halt immer schlauer.“

Allgemeinverfügung sorgt für Konflikt mit den Behörden

Stattdessen bekam sie die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zu spüren. Am 11. März (Mittwoch) zog sie in ihr Haus in Leezdorf ein; am 19. März (Donnerstag) wollte sie ihren Erstwohnsitz bei der Gemeinde ummelden. Sie habe nicht gewusst, dass zu dieser Zeit eine Allgemeinverfügung des Kreises Aurich die Nutzung von Nebenwohnungen untersagte.

Sie kritisiert das Verhalten der Behörden im Nachhinein: „Die Eigentümer der Nebenwohnungen konnten doch nicht wissen, dass man die Häuser nicht mehr nutzen darf. Wir hätten wenigstens einen schriftlichen Bescheid kriegen müssen.“ Bis heute habe sie von den Behörden nichts Schriftliches erhalten.

Die Gemeinde habe ihr mitgeteilt, dass eine Ummeldung zurzeit nicht möglich sei. Stattdessen habe sie mit polizeilicher Räumung des Hauses gedroht. „Der Mitarbeiter sagte, ich müsse entweder beweisen, dass der Umzug früher geplant war, oder man würde mein Haus räumen“, sagt Kropp.

Argumente kategorisch abgelehnt

Ulrike Kropps Argumente seien von kategorisch abgelehnt worden. „Der Mitarbeiter glaubte, ich wäre vor dem Coronavirus aus dem Ruhrgebiet geflohen“, sagt sie. Dabei habe sie den Behörden schon vor der Corona-Krise mitgeteilt, dass sie umziehen und das neue Haus als Erstwohnsitz anmelden wolle.

Kropps Problem: Die Wohnung in Dortmund war leergeräumt und stand bereits als frei zum Verkauf. Käufer, mit denen sie hätte beweisen können, dass sie tatsächlich langfristig umziehen wolle, habe es aber noch nicht gegeben. Deswegen habe sie andere Argumente suchen müssen.

Eine Woche lang habe sie fast täglich versucht, die Gemeinde von sich zu überzeugen. „Diese Woche war echt hart für mich. Ich habe kaum gegessen und kaum geschlafen; ich hatte Panik“, schildert sie. Letztlich konnte sie die Gemeinde umstimmen - indem sie insgesamt über 600 Kilometer nach Dortmund und zurück fuhr und Fotos von ihrer leergeräumten Wohnung vorlegte.

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Trotz des Chaos zeigt sich Ulrike Kropp nun verständnisvoll. „Die Mitarbeiter hatten durch die Vorschriften des Landes bestimmt wenig Entscheidungsspielraum“, schätzt sie. Außerdem könne sie nachvollziehen, dass man sich in den Krankenhäusern nicht um erkrankte Touristen kümmern wolle und ihnen die Nutzung der Ferienhäuser deswegen verbiete. Das dürfe aber nicht für Eigentümer gelten.

Termin für die Ummeldung steht noch aus

„Mir wurde gesagt, zu der Zeit hätten viele Menschen ihre Wohnsitze ummelden wollen; oft, um vor dem Coronavirus zu flüchten“, sagt Ulrike Kropp. Daher sei es verständlich, dass die Behörden strenger kontrollieren würden. „Aber ich hatte meinen Umzug ja schon vorher angekündigt.“

Ulrike Kropp darf in ihrem neuen Zuhause wohnen bleiben, das ist erstmal sicher. Einen Termin zur Ummeldung ihres Wohnsitzes habe die Stadt aber nicht vergeben. „Deswegen kann ich auch mein Auto und die Versicherungen noch nicht ummelden“, sagt sie. Sie ist sich sicher: „Wenn ich früher umgezogen wäre, wäre alles nur eine formale Sache gewesen.“

Trotzdem genießt sie ihr neues Zuhause - und fühlt sich wohl in Leezdorf: „Die Menschen hier auf dem Land sind ausgesprochen hilfsbereit und supernett“, sagt die Rentnerin. Den unschönen Empfang durch die Gemeinde-Mitarbeiter könne sie verkraften. Schließlich seien auch die „mit Corona bestimmt etwas überfordert“.

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