150 Jahre alt wird in diesem Jahr die Dortmunder Actien-Brauerei. Das Brauereimuseum würdigt das Jubiläum mit einem ganz besonderen Blick auf Dortmunds letzte Großbrauerei.

Dortmund

, 30.06.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Erste wird auch die Letzte sein, könnte man in leichter Abwandlung einer biblischen Weisheit feststellen. Die DAB ist zwar bei Weitem nicht die älteste Brauerei der Stadt, war aber die erste Brauerei-Aktiengesellschaft in Dortmund. Jetzt ist sie die letzte verbliebene Großbrauerei der Stadt.

1868 – vor genau 150 Jahren – gründeten die rheinischen Familien Herberz, Mauritz und Fischer in Dortmund die Bierbrauerei Herberz & Co. Vier Jahre später wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt – was letztlich auch den Namen „Dortmunder-Actien-Brauerei“ prägte. „Sie war von Anfang an eine Großbrauerei und nicht aus einem handwerklichen Betrieb gewachsen“, schildert der Leiter des Brauereimuseums Dr. Heinrich Tappe.

Die neue Brauerei hatte es anfangs auf dem Dortmunder Biermarkt nach Problemen in der Produktion nicht leicht, berichtet der Experte. Doch die DAB machte aus der Not eine Tugend und setzte auf den Export. Schon früh wurde DAB ins benachbarte Ausland und sogar nach Übersee exportiert. „Der guten Ruf des Dortmunder Bieres in der Welt ist zum guten Teil der DAB zu verdanken“, stellt Tappe fest.

Der Export und die Werbung der DAB ist denn auch ein Schwerpunkt der Sonderausstellung im Brauereimuseum. Sie zeigt viele historische Fotos und Objekte, die bislang im Depot des Brauereimuseums und im Brauerei-Archiv des Westfälischen Wirtschaftsarchivs schlummerten. „Weil die DAB die beste historische Sammlung hat, spielt sie im Brauereimuseum generell eine große Rolle“, erklärt Tappe. „Die Sonderschau soll nun Besondere der DAB und ihren Stellenwert zeigen.“

„Das Bier von Weltruf“

Tatsächlich entwickelt sich die DAB schon Ende des 19. Jahrhunderts neben der Dortmunder-Union-Brauerei zur führenden Brauerei der Bierstadt Dortmund und geht auch aus den Krisenjahren der Weltkriege gestärkt hervor. In den 1950er Jahren steigt Dortmund dank DAB und DUB zur größten Bierstadt Europas auf, die DAB wird nach der Union-Brauerei 1959 zum zweiten Hektoliter-Millionär.

So warb die DAB über viele Jahrzehnte mit ihrem Export-Erfolg.

So warb die DAB über viele Jahrzehnte mit ihrem Export-Erfolg. © Brauereimuseum

Und das wird selbstbewusst zur Schau getragen. „Das Bier von Weltruf“ ist schon früh der Slogan für die DAB-Werbung. „Die DAB war immer sehr modern, nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Werbung“, erklärt Tappe. Davon kann etwa auch Horst Duffe berichten, der mit dem DAB-Truck durch halb Europa und die USA getourt ist und heute ehrenamtlicher Mitarbeiter des Brauereimuseums ist. Er hat gemeinsam mit Udo Haegerbäumer nun auch Heinrich Tappe beim Aufbau der Sonderausstellung unterstützt.

Horst Duffe (l.) und Udo Haegerbäumer haben als Ehrenamtliche den Aufbau der Sonderausstellung zur DAB-Geschichte unterstützt.

Horst Duffe (l.) und Udo Haegerbäumer haben als Ehrenamtliche den Aufbau der Sonderausstellung zur DAB-Geschichte unterstützt. © Oliver Schaper

Und er kann anschaulich über die jüngere DAB-Geschichte berichten. 1971 übernahm die DAB die Hansa-Brauerei und baute an deren Standort an der Steigerstraße in der Nordstadt eine neue Braustätte. 1982 zog die DAB dann vom angestammten Platz an der Rheinischen Straße in die Nordstadt um. Und die Brauerei dort wuchs weiter. 1996 übernahm die DAB, die inzwischen zur Oetker-Gruppe gehörte, die Dortmunder Kronen-Brauerei und damit auch die Marken Stifts und Thier.

Heimat des Brauereimuseums

2004 kam sogar der einstige große Konkurrent dazu: Der Brau-und-Brunnen-Konzern mit der Union-Ritter-Brauerei wird von der Radeberger-Gruppe übernommen, zu der auch die DAB gehört. Auf dem DAB-Gelände an der Steigerstraße ist damit die Bierproduktion für alle großen Dortmunder Marken konzentriert. Und es ist inzwischen auch Heimat des Brauereimuseums, das nun an die große Geschichte der DAB erinnert.

Die Sonderausstellung „150 Jahre Dortmunder Actien-Brauerei“ ist bis 31. Dezember im Brauereimuseum, Steigerstraße 16, zu sehen. Das Brauereimuseum ist auch an der „Extraschicht“ an diesem Samstag beteiligt
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