Türklinke aus Dortmund reinigt sich selbst - Erfindung ein Corona-Hit?

hzAzubis von Thyssenkrupp

Drei Dortmunder Azubis haben 2014 eine Methode entwickelt, mit der sich Türklinken selbst reinigen. Bei „Jugend forscht“ gewannen sie damit einen Preis. Was ist aus der Idee geworden?

Dortmund

, 18.09.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der heutigen Corona-Zeit würden sie vielleicht reich mit ihrer Idee. Es geht um Türgriffe, die sich selbst reinigen. 2014, als sich Tim Leubecher, Kai Musielak und Lukas Latussek im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ mit dem Thema beschäftigten, wurde Hygiene allerdings noch nicht so groß geschrieben.

Während der aktuellen Corona-Pandemie fände ihre Methode, mit der sich die Griffe ohne Desinfektionsspray und Chemikalien steril halten lassen, mit Sicherheit viel mehr Aufmerksamkeit.

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Öffentliche Sanitäranlagen waren schon 2014 und sind auch heute oft so umfassend mit Sensoren ausgerüstet, dass man nichts mehr mit der Hand berühren muss – mit Ausnahme der Türgriffe. „Und wir hatten damals einen Ausbilder, der sehr pingelig war und Türklinken immer nur mit Handschuhen anfasste“, erzählt Tim Leubecher.

Er ist heute 27 Jahre alt und arbeitet als Instandhaltungs-Ingenieur nach wie vor bei Thyssenkrupp in Dortmund.

Türgriff-Desinfektion ohne Chemie

Zusammen mit Kai Musielak und Lukas Latussek hat er sich damals mal angeschaut, ob Türgriffe wirklich so unhygienisch sind. „Wir haben Abstriche gemacht und festgestellt, dass die Klinken tatsächlich oft sehr verkeimt sind“, sagt Tim Leubecher.

Daraufhin haben sich die damals 20- und 18-Jährigen überlegt, was man dagegen tun kann. „Erst dachten wir an eine automatische Sprühfunktion mit Desinfektionsmitteln. Aber dann wären die Türklinken immer nass. Das war keine gute Lösung“, so Tim Leubecher.

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Die damaligen Auszubildenden entwickelten schließlich eine Methode, mit der sich die Griffe ohne Desinfektionsspray und Chemikalien steril halten lassen. Dazu nutzten sie UV-C-Strahlen, die eine keimabtötende Wirkung besitzen.

Ihr Konzept sah so aus: Am Türblatt wird eine UV-C-Röhre so befestigt, dass ihr Licht direkt auf den Türgriff strahlt. Im Steg des Türgriffs befinden sich ein Motor und ein Kegelradgetriebe. Dadurch kann sich die Klinke drehen, und sie wird von allen Seiten beschienen. Die Jungforscher konnten 2014 sogar die Wirksamkeit ihres Konzepts in Tests nachweisen.

Über ein halbes Jahr haben sie an dieser Idee getüftelt und schließlich am Computer ein Gebrauchsmuster entworfen, das sie der Jury bei „Jugend forscht“ vorlegen konnten.

Das Gebrauchsmuster gibt es heute noch, aber es ist nicht ein einziges Exemplar produziert worden. „Wir haben den Sonderpreis für eine ‚besondere technische Leistung‘, wie es offiziell hieß, gewonnen - und dann ist das im Sande verlaufen“, sagt Tim Leubecher.

„Entwicklung der Idee liegt bei den Azubis“

„Wir organisieren in Duisburg seit 38 Jahren den Regionalen Wettbewerb von ‚Jugend forscht‘ und ‚Schüler experimentieren‘. Diese Veranstaltungen gehören schon zur Tradition unseres Unternehmens“, sagt Eliezer Dias, bei Thyssenkrupp unter anderem für die Veranstaltung Jugend forscht verantwortlich. „Wir ermuntern unsere Auszubildenden, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Bei den Ideen, die sie dort einreichen, sind sie völlig frei. Diese müssen nichts mit dem Unternehmen zu tun haben.“

„Wenn eine Idee auftaucht, stellen die Auszubildenden das Projekt ihren Ausbildern vor, die sie bis zur Präsentation des Projekts am Wettbewerbstag begleiten. Die Verantwortung für die Entwicklung der Idee liegt vollständig bei den Auszubildenden. Wenn ein Projekt verbessert, modifiziert und neue Elemente eingeführt wurden, kann die gleiche Gruppe von Auszubildenden das Projekt beim nächsten Wettbewerb noch einmal einreichen“, sagt Eliezer Dias.

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Hätte die selbstreinigende Türklinke jetzt in der Corona-Zeit eine gute Chance am Markt? „Interessant ist diese Idee durchaus“, sagt Steffen Kriege vom Dorstfelder Unternehmen ICA. Dort hat man gerade einen Desinfektionsroboter entwickelt, der ebenfalls mit elektromagnetischer Strahlung arbeitet, um Coronaviren und Keime abzutöten.

Bestrahlung von Griffflächen gibt es bei Rolltreppen

„Wichtig dürfte sein, dass die Strahlung stark genug ist, um zu desinfizieren, dass sie aber auch nicht so stark ist, dass sie den Menschen gefährdet“, so Steffen Kriege, der bei ICA den Vertrieb des neuen Roboters leitet. Grundsätzlich sei die UV-C-Technik seit Langem bekannt und werde in ähnlicher Form beispielsweise im unteren Durchlaufbereich von Rolltreppen eingesetzt.

Dort würden durch die Bestrahlung die Griffflächen desinfiziert. „Je nachdem, wie das Prinzip für Türklinken umgesetzt werden kann, wäre es am Ende vor allem auch eine Kosten-Nutzen-Frage“, so die Einschätzung von Steffen Kriege.

Dass sich das Azubi-Trio von einst sich noch einmal trifft und versucht, seine Idee zu einer Marktreife zu bringen, ist „eher unwahrscheinlich“, wie Tim Leubecher sagt. Das Prinzip elektromagnetischer Bestrahlung wird längst weltweit verfolgt, außerdem haben sich die Drei beruflich weiterentwickelt und sind längst in alle Winde zerstreut.

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