Dortmunder Flüchtlingshelfer: „Hätte ich das nicht selbst erlebt, ich würde es kaum glauben“

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Seit Monaten hilft der Dortmunder Journalist Dirk Planert Flüchtlingen in der bosnischen Stadt Vučjak und dokumentiert die Lage. Jetzt sendet er eine Botschaft, auf die er lange gehofft hat.

Dortmund

, 13.12.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor ziemlich genau sechs Monaten hatte der Dortmunder Journalist Dirk Planert die Entscheidung getroffen, in Vučjak nahe der Stadt Bihać in der bosnisch-kroatischen Grenzregion zu bleiben. Er war dort am 14. Juni Zeuge geworden, wie Hunderte geflüchtete Menschen in ein Lager auf einer ehemaligen Müllhalde gebracht wurden. Er baute mit anderen Freiwilligen eine Organisation im Camp auf und half auch bei der medizinischen Versorgung.

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Nun verkündete Dirk Planert über Facebook: „Nach 179 Tagen wird das Jungle Camp Vučjak im Augenblick geräumt. Sieben Busse haben Flüchtlinge abtransportiert. Auf diesen Tag hoffe ich seit meiner Entscheidung zu bleiben. Hätte ich all das nicht selbst erlebt, ich würde es kaum glauben können, dass es so etwas im Jahr 2019 geben kann“, schreibt Planert.

600 Bewohner wurden in eine feste Unterkunft gebracht

Die rund 600 Bewohner des Camps wurden in eine Unterkunft nahe der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gebracht. Viele Menschen sind auf der Flucht aus Ländern wie Afghanistan oder Pakistan in diesem Teil Europas gelandet, um von hier ihre Reise in Richtung Norden fortzusetzen.

Beobachter beschreiben die Bedingungen in der neuen Unterkunft als „Schritt in die richtige Richtung“, wenn auch noch vieles zu kritisieren sei. Immerhin: Es gebe befestigte Gebäude, Verpflegung und Heizwärme, was in Vučjak nicht garantiert war.

Dirk Planert organisiert Hilfstransporte für Klinik in Bihać

Dirk Planert und andere Helfer hatten Anfang Oktober das Camp verlassen müssen. Über mehrere Monate hatte das Helfer-Team einen menschenwürdigen und strukturierten Ablauf im Camp hergestellt und gleichzeitig über EU-Parlamentarier und Medien auf die Zustände hingewiesen.

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Im Spätsommer kam politisch Bewegung in die Sache. Der nahende Winter setzte die bosnische Regierung zusätzlich unter Druck, eine Lösung zu finden.

Dirk Planert hatte nach dem Betätigungsverbot für die ausländischen Helfer in Deutschland Hilfstransporte mit Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung für die Polyklinik in Bihać organisiert. Vor mehr als 25 Jahren hatte Planert im Bürgerkrieg schon einmal humanitäre Hilfe nach Bosnien gebracht. Das war der Grundstein für seine heutige enge Verbindung in das Land.

„Unsere Arbeit setzen wir fort“, sagt er. Die Konzentration gelte nun den Geflüchteten, die rund um Bihać in den Wäldern und an den Landstraßen unterwegs sind - häufig ohne richtige Kleidung oder Decken bei Temperaturen jenseits des Gefrierpunkts.

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