Studie rückt Airport in ein schlechtes Licht – Flughafen hält dagegen

Dortmunder Flughafen

Eine Studie hat den Glaubenskrieg um den Nutzen des Flughafens neu entfacht: Die Verfasser kritisieren Subventionen und Klimawirkung – während am Airport ein ganz anderer Verdacht aufkommt.

Dortmund

, 26.08.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Studie rückt den Dortmunder Flughafen in ein schlechtes Licht.

Eine Studie rückt den Dortmunder Flughafen in ein schlechtes Licht. (Symbolbild) © Hans Blossey (Archiv)

14 deutsche Regionalflughäfen haben der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) auf Wirtschaftlichkeit, Konnektivität (Verbindungen) und Klimabilanz untersucht. Ergebnis: Die Hälfte der Airports bekommt die „rote Karte“.

Fünf sehen „orange“ – auch der Dortmunder Flughafen. Während die Schutzgemeinschaft Fluglärm und die Grünen die Studie unterstreichen, hält Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager dagegen.

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So kommt das Papier zu dem Schluss, dass der Dortmunder Flughafen „keinen relevanten Beitrag zur Anbindung“ der Region leiste. Regionale Airports lebten fast nur von Urlaubs- und Freizeitflügen. Somit würden Ziele angeflogen, die auch internationale Flughäfen auf dem Radar hätten.

„Falsch“, sagt Mager und verweist auf die Palette an Destinationen in Osteuropa, die für Dortmund zum Alleinstellungsmerkmal geworden seien. Viele Ziele würden von Reisenden genutzt, die geschäftlich unterwegs seien oder ihre Familien besuchten. „Der Anteil der familiär Reisenden beträgt fast 50 Prozent“, sagt Mager.

Flughafenchef zitiert EU-Kommission

Ebenso wenig lässt der Flughafenchef das Argument gelten, Regionalflughäfen könnten kaum als Ausweichstandorte für Großflughäfen dienen, wie die Studie darlegt. In dem Zusammenhang zitiert Mager die EU-Kommission: Sie hatte vor Jahren die Beihilfepraxis geprüft und bei der Genehmigung festgestellt, dass der Airport die Anbindung der Region erhöhe – „und der Überlastung des Luftraums an einem großen Drehkreuz-Flughafen entgegenwirkt.“

Einmal mehr nimmt die Studie die Subventionen ins Visier. Von 1998 bis 2020 hätten die Dortmunder Stadtwerke (DSW21), die 74 Prozent am Flughafen halten, Verluste von 386 Millionen Euro ausgleichen müssen. Rechne man indirekte Zuschüsse wie Übernahme von Pensionslasten, Kapital- und Grundstückseinlagen hinzu, seien es rund 500 Millionen Euro.

"Unterer Bereich der Gebührenskala"

Dadurch, dass die Defizite von DSW21 übernommen würden, sei es möglich, die Gebühren niedrig zu halten und eine „aggressive Preispolitik“ zu betreiben – so auch das Credo der Schutzgemeinschaft Fluglärm und der Grünen.

Folgt man der Studie, rangierte der Airport 2018 im unteren Bereich der Gebührenskala: Die Einnahmen pro Fluggast hätten 7,23 Euro betragen – auf einer Gesamtskala von 26 Euro bis 3 Euro.

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Mager hingegen kritisiert, die Studie zeige die Jahresergebnisse bis 2018 auf – während bei den Fluggastzahlen bereits 2019 betrachtet werde. „Das ist bemerkenswert“, so der Flughafenchef.

Dass der Airport sein Gesamtdefizit von 2018 auf 2019 um 3,8 Millionen Euro auf minus 10,36 Millionen Euro zurückgeführt habe, werde „ausgeblendet.“ Gleiches gelte für regionalwirtschaftliche Effekte, die durch den Airport ausgelöst würden – zusammengefasst in einer Studie, die im September vorgestellt werden soll.

Auch die Klimabilanz ist strittig

Wie groß die Gräben sind, zeigt sich auch beim Klimaschutz: Bund und FBÖ rechnen vor, dass Flüge von und nach Dortmund bis zu 725 000 Tonnen Co2 und vergleichbare Emissionen auslösten. „Der globale Luftverkehr wird als Klimasünder dargestellt, obwohl sein Anteil an der weltweiten Co2-Emission lediglich 2,8 Prozent beträgt“, kritisiert Mager.

Zudem werde nicht erwähnt, dass der Airport die von ihm ausgehenden Emissionen überdurchschnittlich gesenkt habe.

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Insgesamt werde deutlich, dass die Studie interessengeleitet sei, Aspekte verschweige und mit zweifelhaften Behauptungen aufwarte. Magers Verdacht: Das Papier, das mitten in der Corona-Pandemie und einer wirtschaftlich heiklen Lage aufschlägt, solle jenen Kräften in die Hände spielen, die Regionalflughäfen ohnehin geschlossen sehen möchten.

„Das alles auf dem Rücken der Beschäftigten, die um ihre Arbeitsplätze und Existenzgrundlage bangen“, sagt Mager.

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