Dortmunder Jäger empfehlen Wild als Alternative: „Mehr Bio geht nicht“

hzStatt Massentierhaltung

Fleisch ist für viele ein Genuss. Doch Massentierhaltung und die Zustände in den Schlachthöfen verderben den Appetit auf Schnitzel und Co. 1000 Dortmunder Jäger bieten eine Alternative.

Dortmund

, 08.07.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast 60 Kilogramm Fleisch und Wurst verzehren die Deutschen laut Statistischem Bundesamt pro Kopf und Jahr. Das macht mehr als 1100 Gramm pro Woche. Der Corona-Ausbruch bei Tönnies hat eine Diskussion über Massentierhaltung ausgelöst. Vielen Menschen ist der Appetit auf Steak, Kotelett und Schnitzel aus Großschlachtereien vergangen. Doch gleich Vegetarier zu werden, ist nicht für jeden eine Alternative.

Die hat aber Jörg Tigges, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Dortmund: Wildfleisch. Auch Jäger töten, um zu essen. Das ist wie bei Tönnies, doch Jagd ist keine Massentierhaltung, „sondern eine sinnvolle Art der Fleischproduktion“, sagt Tigges.

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Wild sei das perfekte Fleisch für bewusste Konsumenten, „ein Lebensmittel, das auf natürliche Art und Weise entstanden ist. Das erfüllt alles im positiven Sinn, was in der Massentierhaltung in der Kritik steht“, sagt der Verbandsjäger.

Leben in der Natur und stressfreier Tod

Statt eingepfercht in Ställen hatten die Tiere ein Leben in freier Natur und ohne Transporte, so Tigges. „Sie wurden stressfrei erlegt. Unsere Wildschweine fallen um und sind tot.“

Die Tiere suchten sich die für sie ideale Nahrung. „Im Regelfall sind sie top gesund und gut ernährt, und das auf eine gesunde Art.“ Sie fressen Gräser und Kräuter und können durch den Verzicht auf Kraftfutter und schnelle Produktionsabläufe in Ruhe wachsen.

Zudem sei die Jagd im Gegensatz zur Massentierhaltung nachhaltig. Tigges: „Wir entnehmen genauso viel, wie die Natur reproduziert, wir als Jäger haben immer das Gleichgewicht der Natur im Auge.“

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Es gebe mehr als 1000 Jäger in Dortmund, erläutert der Kreisverbandsvorsitzende. Sie sind sozusagen der Supermarkt der Natur; denn bei ihnen kann man Wildbret direkt beziehen. Tigges selbst hat zuletzt aus Wildschweinfleisch Pfefferbeißer-Salami und Grillwürste gemacht. Tigges: „Wildschwein schmeckt genauso wie Hausschwein.“

Wildfleisch im Supermarkt kommt vom Jäger

„Wir als Kreisjägerschaft vermitteln interessierte Kunden weiter“, sagt Tigges. Auch wenn beim lokalen Rewe-Markt Wildfleisch in der Kühltruhe liege, komme es vom Jäger. „Der verarbeitet es weiter und verkauft es weiter.“

Der Landesjagdverband NRW hat für Wildbret Orientierungspreise für die Abgabe des Erlegers an die Verbraucher veröffentlicht. So kostet Rehwild bis 10 Kilogramm 4,50-6 Euro pro Kilo, Rotwild (Hirsche) 3,50-4,50 Euro pro Kilo, Schwarzwild bis 15 Kilogramm 25 Euro pro Kilo, Kaninchen 5 Euro pro Stück und Hase 15 Euro, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Die Hauptnachfrage nach Wild ist im Herbst und Winter, dann wenn auch Jagdsaison ist. „Doch man sollte 365 Tage im Jahr gesundes Wildfleisch verzehren“, sagt Dieter Tepel aus Lücklemberg und einer der mehr als 1000 Jäger in Dortmund. Er ist kein Wildhändler, aber bietet das von ihm erlegte Wild auch im Internet an. Er hat nach eigenen Angaben 20 bis 25 Stammkunden, aber in letzter Zeit auch zwei bis drei Anrufe von anderen Interessenten bekommen.

Chili con Carne vom Wild

Tepel schießt seine Tiere nicht in Dortmund, sondern 130 Kilometer entfernt in seinem eigenen Jagdrevier in Nordhessen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. „Das Tier wird im Revier erlegt und gleich runtergekühlt“, berichtet er, „dann muss es zwei bis drei Tage hängen, bevor es verwirkt werden kann.“ In der Regel wird das Fleisch dann gefrostet oder vakuumiert. Ein gesundes Lebensmittel, betont Tepel: „Mehr Bio geht nicht.“

Und wer nicht weiß, wie man zum Beispiel Chili con Carne vom Wild, Rehschnitzel oder Wildschweinrücken zubereitet, findet Rezepte auf der Internetseite der Kreisjägerschaft Dortmund.

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