Werner aus Dortmund ist fast sein gesamtes Leben Single. © Unsplash.com / Kal Visuals
Leben als Single

Dortmunder Langzeitsingle: „Glücklich, nie verheiratet gewesen zu sein“

Den Großteil seines Lebens verbrachte ein Dortmunder als Single. Ein Problem mit seinem Beziehungsstatus hat er nicht. Der 54-Jährige genießt seine Freiheiten und Unabhängigkeit.

Einsam, unzufrieden und sonderbar – dieses Bild zeichnet die Gesellschaft gerne von Singles. Dabei entspricht dieses Klischee meist gar nicht der Wirklichkeit.

Es gibt viele Alleinstehende, die glücklich mit ihrem Beziehungsstatus sind. Einer von ihnen ist Werner aus Dortmund.

Single seit 12 Jahren

Werner ist 54 Jahre alt und von Beruf Logistiker. Er beschreibt sich selbst als einen sehr glücklichen sowie aktiven Menschen – und das, ohne eine Partnerin an seiner Seite zu haben.

„Ich bin den überwiegenden Teil meines gesamten Lebens Single. Zwischendurch hatte ich nur mal kurz andauernde Beziehungen”, sagt er. Seit seiner letzten Partnerschaft sind bereits 12 Jahre vergangen. Diese sei nach einem halben Jahr in die Brüche gegangen.

Als Werner und seine ehemalige Partnerin sich kennenlernten, haben sie gut miteinander harmoniert. Nach einer gewissen Zeit habe der Dortmunder jedoch festgestellt, dass ihre Vorstellungen über ihre gemeinsame Zukunft und die Art eine Beziehung zu führen weit auseinandergingen.

„Sie wurde dann doch sehr vereinnahmend. Auch der Wunsch nach Kindern kam von ihrer Seite aus sehr schnell. Da hatte ich prinzipiell nichts gegen, aber das ging einfach zu schnell”, sagt er. Schlussendlich sei die Trennung von beiden Seiten gewollt gewesen.

„Ich mag es, dass ich tun und lassen kann, was ich will”

Werner sieht sein Single-Dasein nicht als Nachteil. „Ich bin ein durchaus glücklicher Single”, sagt er. Der Grund dafür ist, dass er gut ausgelastet und nicht auf eine Frau in seinem Leben angewiesen sei.

Zum einen habe er einen großartigen Freundeskreis, mit dem er viel unternimmt. Zum anderen könne er sich auch gut alleine beschäftigen, indem er sich beispielsweise sportlich betätige.

„Ich kann meine Freizeit schalten und walten. Ich mag es, dass ich tun und lassen kann, was ich will, aber ich mich gleichzeitig niemandem erklären muss”, sagt Werner.

Seine Unabhängigkeit schätze er besonders am Single-Sein, da diese unerlässlich für ihn sei. Es ist ein Gefühl von Freiheit für ihn, sein Leben so zu gestalten wie er möchte und dabei nicht auf die Interessen einer anderen Person achten zu müssen.

„Unabhängigkeit ist in allen Bereichen des Lebens wichtig. Von den simpelsten Dingen, wie dem Fernsehprogramm bis hin zu der Freizeitgestaltung oder dem Urlaub”, sagt er.

Dortmunder konnte sich Herzschmerz ersparen

Als weiteren Grund für sein glückliches Single-Dasein nennt Werner seine Familie und seine Freunde. Mit ihnen verbringe er eine Menge Zeit. Zudem würden sie ihm immer zur Seite stehen und für ihn da sein, auch in den schlechten Phasen seines Lebens.

„Ich kann mit meiner Familie und meinen Freunden über alles sprechen. Es wäre für mich ein riesiger Nachteil, wenn ich diesen Bonus nicht hätte”, sagt Werner. „Vielleicht ist es für mich deshalb nicht schlimm, dass ich in keiner festen Beziehung bin”, führt er fort.

Außerdem habe der Dortmunder bereits häufig mitbekommen, wie Beziehungen und Ehen aus seinem Bekannten- sowie Familienkreis nach vielen Jahren auseinandergebrochen sind.

Mit diesen Trennungen sei auch viel Herzschmerz verbunden gewesen. „Das konnte ich mir als Dauersingle Gott sei Dank ersparen. Nachdem ich so etwas mitbekommen habe, bin ich ganz glücklich, nie verheiratet gewesen zu sein”, sagt Werner.

Die negativen Seiten des Single-Daseins

Obwohl Werner häufig nur das Gute am Single-Dasein sieht, seien ihm auch die Nachteile dessen bewusst. In manchen Situationen fühle er sich einsam und würde sich eine Partnerin an seiner Seite wünschen.

„Wenn ich von einer Feier mit vielen Menschen nach Hause komme, falle ich manchmal in ein kleines Loch”, sagt er. Das liege daran, dass er in dem einen Moment noch viele Menschen um sich herum gehabt habe und in dem nächsten alleine sei.

Manchmal habe Werner auch das Gefühl, wichtige Dinge in seinem Leben verpasst zu haben. „Insbesondere wenn ich Familien sehe, die in einer glücklichen Beziehung sind und Kinder haben, vermisse ich das schon”, sagt er.

Da seine Geschwister und mittlerweile auch seine Nichten Nachwuchs haben, sei er immer von Kindern umgeben. Von daher wisse er auch, dass Kinder einem zwar sehr viel geben können, sie einen in der persönlichen Lebensgestaltung aber auch stark einschränken.

Der Dortmunder entspricht nicht dem „Ideal der Gesellschaft”

In seinen Zwanzigern habe Werner sich sein Leben anders vorgestellt, als es jetzt ist. Er ist davon überzeugt gewesen, dass er spätestens mit 30 Jahren in einer festen Beziehung und eventuell verheiratet sein wird.

„Die Zeit hat das irgendwo nie zugelassen und irgendwann gewöhnt man sich auch daran, dass das Leben anders als geplant abläuft”, sagt er.

Eine solche Vorstellung im jungen Alter liege teilweise auch dem zugrunde, was die Gesellschaft als Ideal ansieht. Die meisten Menschen seien der Ansicht, dass die Familiengründung das Ziel des Lebens sei.

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„In einer festen Beziehung wird man häufig als etwas Besseres angesehen und das spiegelt sich dann auch in der Erwartung an sein eigenes Leben wieder”, sagt er.

Früher habe Werner seiner Familie und seinen Freunden noch häufig erklären müssen, wieso er nicht in einer festen Partnerschaft ist. Mittlerweile werde er aber immer seltener auf seinen Beziehungsstatus angesprochen. „Im Nachhinein betrachtet ist es total absurd, sich für sein Leben rechtfertigen zu müssen”, sagt er.

Unerfahrenheit kann zu Bedenken führen

Grundsätzlich schließt Werner es nicht aus, nochmal eine Beziehung einzugehen. Dennoch sei er nicht auf der Suche. „Was kommt, das kommt. Ich mache mir aber keinen Stress, mich unbedingt verlieben zu müssen”, sagt er.

Er nutze auch keine Dating-Apps, da es ihm nicht gefalle, eine potentielle Partnerin auf unnatürliche Art kennenzulernen. „Da wäre mir der Zufall lieber. Wenn ich jemanden beim Feiern kennenlernen würde, dann soll es so sein, aber nicht dieses Beabsichtigte durch Apps”, meint Werner.

Dem Dortmunder ist bewusst, dass er in einer Partnerschaft einiges an seinem Alltag und seiner Freizeitgestaltung ändern müsste. „Über die Zeit bin ich egoistisch geworden. Meinen Egoismus müsste ich auf jeden Fall abstellen”, sagt Werner.

Er müsse seine eigenen Interessen stärker zurückstellen und offen für neue Dinge werden. „Mit Sicherheit müsste ich nicht mein ganzes Leben aufgeben, aber ich müsste viel mehr Kompromisse eingehen”, führt er fort.

Obwohl ihm seine Freiheiten sehr wichtig sind, wäre er für die richtige Frau bereit dazu, ein paar seiner Freiheiten aufzugeben.

Werner ist der Ansicht, es sei in seinem Alter schwieriger, eine passende Partnerin zu finden. Viele Frauen würden glauben, dass er zu unerfahren für eine Beziehung ist, weil er seit einer langen Zeit ohne eine Partnerin lebt.

„Frauen fragen sich dann natürlich, welchen Grund es gibt, dass ich schon so lange alleine bin. Eigentlich gibt es dafür aber keinen spezifischen Grund.”

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