Dortmunder Pflege-Bündnis fordert mehr Personal - Minister: „Geht mir sehr auf den Geist“

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Das neue Dortmunder Pflege-Bündnis fordert dringend mehr Personal. NRW-Gesundheitsminister Laumann lässt die Branche umkrempeln, erteilte den Dortmunder Forderungen jedoch eine Absage.

Dortmund

, 21.05.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach vier Regionalveranstaltungen über die neue Qualitätskontrolle in der stationären Pflege endete in Dortmund eine Rundreise des NRW-Gesundheitsministeriums. Minister Karl-Josef Laumann kündigte für 2019 ein neues Kontrollsystem an, das bereits in 100 Altenheimen in NRW erprobt worden ist. Den bisherigen „Pflegenoten“ traut der Minister nicht.

„Das Patientenwohl im Mittelpunkt“

Denn die Pflege-Dokumentationen in den Heimen seien so ausgefallen, dass sämtliche Einrichtungen in Deutschland die Pflegenote „1“ bekommen hätten. Karl-Josef Laumann: „Unterschiede gab es nur bei den Zahlen hinter dem Komma.“ Der Minister will wissen, wie die NRW-Heime im neuen Deutschland-Durchschnitt abschneiden.

Nordrhein-Westfalens Pflegeheime seien die teuersten in Deutschland. Demnach müsste die Qualität ganz oben sein. Neue „Qualitätsindikatoren“ und eine unabhängige Prüfung sollen neue Durchschnittswerte ermitteln. Die Universität Bielefeld hat die Kriterien in der Praxis mit Pflegepersonal entwickelt. Das große Ziel: „Das Patientenwohl im Mittelpunkt“. Geht das ohne mehr Personal?

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„Nein“, sagen zwei Pflegedienstleiterinnen, die in den Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle gekommen sind, um auf dieser Fachtagung dem Minister zuzuhören. Bundesweit seien 30.000 Stellen in der Pflegebranche nicht besetzt, sagen sie zweifelnd. Wer seine Arbeitskraft als Pflegerin oder Pfleger anbiete, erhalte mindestens fünf Angebote. Das Personal fehle an allen Ecken und Ende.

Druck auf die Politik

Beim Personal setzt auch das neue Dortmunder Pflege-Bündnis an. Es fordert die Politik zu mehr Engagement und höheren Finanzen für die Pflegebranche und Krankenhäuser auf. Karl-Josef Laumann winkt ab.

„Nicht die Politik entscheidet darüber, wie viele Menschen in einem Altenheim arbeiten. Darüber entscheiden die Heime mit den Kostenträgern. Das Land sitzt da nicht mit am Tisch“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Keine Caritas, keine Diakonie und keine Arbeiterwohlfahrt werde gezwungen, Verträge zu unterschreiben, die von den Kostenträgern vorgelegt werden. Schiedsstellen könnten bei Konflikten schlichten. Aber „die Schiedsstellen haben nicht viel zu tun“, stellte der Minister fest.

Forderungen gehen auf den Geist

Forderungen nach mehr Personal, wie denen des Dortmunder Pflege-Bündnisses an die Politik, erteilt Laumann eine Absage: „So etwas geht mir sehr auf den Geist, weil wir es mit einem selbstverwalteten Gesundheitssystem zu tun haben. Also muss dort die Verantwortung wahrgenommen werden.“ Die schlechte Personallage in den Krankenhäusern habe auch damit zu tun, dass die Kliniken „zu wenig ausbilden. Aber ich entscheide nicht über die Frage, wie viele Schülerinnen und Schüler an einer Krankenpflegeschule sind, sondern die Träger der Krankenpflegeschulen selbst“.

Dortmunder Pflege-Bündnis fordert mehr Personal - Minister: „Geht mir sehr auf den Geist“

Auf großes Interesse war die Regionalveranstaltung des Ministeriums im Kongresszentrum in Dortmund gestoßen. © Peter Bandermann

Änderungen kündigte Laumann auch für die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) an. Ein Dienst, der über Pflegestufen entscheide, müsse unabhängig entscheiden können und dürfe sich nicht in der Trägerschaft einer Krankenkasse befinden, um über jeden Verdacht der Parteinahme erhaben zu sein. Dafür erhielt er Applaus.

Allein in NRW bestimme der MDK als „mächtige Instanz“ pro Jahr in 500.000 Fällen über eine Pflegestufe. Täglich werde in Deutschland eine Milliarde Euro „öffentliches Geld“ für Gesundheit und Pflege ausgegeben. Der NRW-Minister: „Wir müssen gucken, was da passiert.“

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