Seit Ende März steht fest: Die Abiturprüfungen in NRW finden statt. Allerdings später als geplant. Doch wie genau die Prüfungen umgesetzt werden sollen, bleibt unklar.

Dortmund

, 04.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie geht es nach den offiziellen Osterferien weiter? Findet der Unterricht wieder statt? Und vor allem: Wie sollen die geplanten Abiturprüfungen eigentlich praktisch umgesetzt werden? Die Fragen, die sich momentan Schüler, Lehrer und auch Eltern in Dortmund stellen, bleiben auch zu Beginn der eigentlichen Ferien weiterhin ungeklärt. Dabei drängt die Zeit.

„Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass wir nach den Osterferien wieder den Unterricht aufnehmen“, unterstreicht Markus Katthagen, Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Dortmund-Asseln. „Und ich halte es auch durchaus für vernünftig, erst einmal so zu planen.“ Wie genau der Unterricht dann aussehe, ob es direkt wieder mit der vollen Schülerzahl losgehe oder beispielsweise zunächst nur die Abiturienten in die Schule kommen sollen, müsse einheitlich entschieden werden.

„Schüler sind trotz Unterrichtsausfalls gut vorbereitet“

Auch das grundsätzliche Festhalten an den Abiturprüfungen ist laut Katthagen absolut richtig: „Die Schüler haben über zwei Jahre auf diese Prüfungen hingearbeitet und sind auch trotz des derzeitigen Unterrichtsausfalls gut vorbereitet. Wie die Prüfungen dann angesichts der derzeitigen Krise praktisch umgesetzt werden sollen, wird sich zeigen.“

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Derweil sei er sich sicher, „dass, und das wurde ja auch von NRW-Bildungsministerin Gebauer so angekündigt, derzeit intensiv an einer Lösung gearbeitet wird und wir zeitnah darüber informiert werden“, so Katthagen. Das oberste Gebot: „Die Abiturienten dürfen durch die aktuelle Situation keine Nachteile haben.“

Konkrete Umsetzung der Prüfungen weiter unklar

Weniger optimistisch ist der Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Klaus Zielonka. Natürlich seien die Schüler weitestgehend für die geplanten Abiturprüfungen vorbereitet, allerdings stünden noch zahlreiche Fragen im Raum: „Mal davon abgesehen, ob wir nach den Osterferien wieder mit dem Unterricht beginnen können, wissen die Schulen ja noch überhaupt nicht, wie denn die Sicherheit für Lehrer und Schüler gewährleistet werden soll.“

Nach wie vor sei unklar, ob man die Schüler bei den Prüfungen auf unterschiedliche Räume verteilen müsse, alle Abiturienten gleichzeitig ihre Arbeiten schreiben können, es zusätzliche Einzeltermine geben und ob beispielsweise mehr Lehrpersonal eingesetzt werden müsse. „Man weiß jetzt unmittelbar vor den Osterferien eigentlich noch gar nichts“, unterstreicht Zielonka.

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Große Skepsis herrscht derweil auch bei vielen Dortmunder Lehrern. Laut Volker Maibaum, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, stelle sich derzeit die Frage, ob die geplanten Abiturprüfungen trotz Verschiebung überhaupt durchführbar sind.

Er sagt: „Wir können weder mit dem Unterricht noch der Vorbereitung auf die Abiturprüfungen einfach da anknüpfen, wo wir vor der Corona-Krise aufgehört haben. Ich verstehe nicht, wieso man zwangsweise an den Abiturprüfungen festhalten will.“

„Fetisch für Zentralabitur“

Das Zentralabitur sei ein sehr sensibles Thema, aber dadurch, dass man dieses augenscheinlich unbedingt durchführen wolle, werde der Eindruck erweckt, dass eine immernoch mögliche endgültige Absage der Prüfungen völlig falsch wäre. „Woher kommt dieser Fetisch für das Zentralabitur? Die Schüler werden auf jeden Fall ihr Abitur bekommen, aber warum kann man dies nicht eventuell auf einem anderen Wege ermöglichen?“

Eine Alternative sei Maibaum zufolge ein Modell, welches bereits vielfach angesprochen wurde und beispielsweise für Berufskollegs auch noch als Möglichkeit diskutiert wird. Die Rede ist von der Notengebung anhand bereits erbrachter Leistungen.

„Wieso wird den Berufskollegs die Option ermöglicht, anhand der letzten Leistungen einen Abschluss zu vergeben und im Fall des Abiturs wird diese Option gar nicht in Erwägung gezogen? Das erschließt sich vielen Lehrern nicht“, so Maibaum.

Unterdessen verunsichern die fehlenden Aussagen der Landesregierung zum Thema auch zahlreiche Eltern. So zum Beispiel Susanne Tebe. Ihr Sohn besucht das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und gehört aufgrund einer chronischen Erkrankung zur Risikogruppe des Coronavirus.

Eltern bemängeln schlechte Organisation

Tebe meint: „Wir haben jetzt keine Sorge vor dem Abitur, weil wir vollstes Vertrauen in unsere Schule haben und sich dort wirklich um die Schüler gekümmert wird, aber die grundsätzliche Organisation ist einfach schlecht.“ Es müsse zeitnah einheitliche Regelungen geben.

Da die Schüler momentan lediglich eine abgespeckte Prüfungsvorbereitung hätten, weil unmittelbar vor den Prüfungen wichtige Unterrichtszeit ausfalle, bedeutet dies für die Abiturienten laut Tebe indes eine „Wettbewerbsverzerrung sondergleichen“.

Beim Bildungsministerium NRW betont man auf Anfrage lediglich, „dass für die Prüfungen selbstverständlich besondere Vorkehrungen“ getroffen werden und diese verbindlich gelten sollen. Konkrete Pläne für die Umsetzung? Nach wie vor nicht in Sicht.

Eine Maßnahme sei hingegen schon sicher, bestätigt Schulleiter Markus Katthagen: „Die stichprobenartige Abgabe von Zweitkorrekturen an andere Schulen wird in diesem Jahr nicht stattfinden.“

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