Dortmunder Covid-19-Patienten der ersten Stunde sollen beim Heilen helfen

hzCorona-Krise

Danny Seck, Feuerwerker aus Huckarde, und seine Freundin haben Covid-19 bereits hinter sich und sind genesen. Nun wollen sie schwer erkrankten Corona-Patienten helfen.

Dortmund

, 08.04.2020, 19:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Danny Seck und seine Freundin waren in Dortmund Corona-Erkrankte der ersten Stunde.

Sie hatten sich beim Ski-Urlaub in Ischgl angesteckt, sind inzwischen genesen und sollen mit einer Plasmaspende anderen Patienten helfen, die mit schwerwiegenden Krankheitsverläufen von Covid-19 auf der Intensivstation liegen; denn Antikörper in Blutplasma könnten da das erste Mittel der Wahl sein. Nach Erfahrungen aus China könnte es die Krankheit mildern und verkürzen.

Wer eine Krankheit durchgemacht hat, bildet Antikörper gegen die Erreger und ist künftig immun. Mehrere Kliniken in Deutschland, darunter das Klinikum Dortmund, suchen zurzeit genesene Corona-Patienten, die Blutplasma für eine Behandlung der Schwerkranken spenden. Mit nur einer Plasma-Spende kann bereits eine komplette Antikörper-Therapie ermöglicht werden, teilt das Klinikum Dortmund mit und bittet daher darum, dass sich alle, die eine Corona-Infektion bereits überstanden haben, in der hauseigenen Blutspende (Alexanderstraße 6-10) melden.

Das Klinikum Dortmund sucht genesene Covid-19-Patienten, die Blutplasma spenden können.

Das Klinikum Dortmund sucht genesene Covid-19-Patienten, die Blutplasma spenden können. © Klinikum Dortmund

Drei Therapieeinheiten

„Die Antikörper befinden sich speziell im Plasma, also im flüssigen Teil

des Blutes“, sagt Dr. Anna-Maria Zuliani, Oberärztin im Institut für Transfusionsmedizin des Klinikums Dortmund. „Eine einzelne Spende umfasst etwa 750 ml Plasma. Daraus lassen sich bereits drei Therapie-Einheiten gewinnen, die unsere Covid-19-Patienten dann als Transfusion an drei verschiedenen Tagen erhalten und die ihr Immunsystem darin unterstützen sollen, eine Resistenz aufzubauen.“

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Bevor die Schwererkrankten das Blutplasma intravenös erhalten, sind umfangreiche Tests im Labor und ein Gesundheitscheck notwendig. Die entsprechenden Voruntersuchungen wie die Kontrolle von Puls- und Blutdruck, Eisengehalt im Blut, Gewicht und Temperatur haben Danny Seck und seine Freundin bereits am Dienstag (7.4.) hinter sich gebracht. Auch mussten sie mehrere Fragebögen ausfüllen. Seck: „Sie wollen sicher gehen, dass wir gesund sind.“

Nur Erkältungssymptome

Zusätzlich suchten die Mediziner Antikörper und machten einen Corona-Abstrich beim Spender, so Dr. Zuliani. „Diejenigen, die noch nicht genesen sind, kommen in guten vier Wochen als Spender infrage.“

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Seck und seine Freundin hatten sich direkt nach ihrem Ski-Urlaub freiwillig testen lassen. Bei ihnen verursachte das Virus nur Erkältungssymptome. Aufgrund privater Kontakte zum Klinikum wurde Seck angesprochen, ob er sich für eine Plasmaspende zur Verfügung stellen würde, um nicht nur Symptome, sondern auch das Virus selbst zu bekämpfen. „Es ist ein positives Gefühl, helfen zu können“, sagt er.

Sind seine Werte und die seiner Freundin in Ordnung, können sie nach Ostern Blutplasma spenden. Schon nach Ostern sollen die ersten Antikörper-Therapien bei schwererkrankten Covid-19-Patienten starten.

Alle Plasma-Spender erhalten in der Alexanderstraße 6-10 eine Aufwandsentschädigung über 20 Euro. Eine nachgewiesene, auskurierte Covid-19-Infektion ist natürlich Voraussetzung. Spendefähig sind zudem alle zwischen 18 und 60 Jahren (männliche Dauerspender bis zu 68 Jahre) ohne relevante Vorerkrankungen. Frauen, die bereits schwanger waren (hierunter zählen auch Fehlgeburten) sind aus immunologischen Gründen derzeit von der Plasma-Spende ausgeschlossen. Wer helfen will und für eine Plasma-Spende infrage kommt, kann sich melden unter Tel. 0231 953 19620 oder per E-Mail an blutspende@klinikumdo.de.
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