Ansturm auf Stoffläden: 90 Minuten anstehen für Masken-Material

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Zwei Dortmunder Stoffmärkte haben in den letzten Tagen einen nie dagewesenen Andrang erlebt. Dabei verlangten die Kunden vor allem eins: Material für Masken.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 02.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ella Schwab hat unlängst 10.000 Meter Gummiband für das „Stoff und Gardinenhaus“ am Brüderweg geordert. Würde man das Band komplett ausrollen, um ein paar Straßenkreuzungen führen und nebenher laufen, ergäbe das in etwa einen Spaziergang vom Dortmunder Hauptbahnhof bis zum Flughafen.

Etwas kürzer ist die tägliche Schlange vor dem Stoffgeschäft. „Teilweise 50 Meter weit stehen die Menschen hier aktuell an, um sich im Zuge der Maskenpflicht mit geeigneten Materialien zur Maskenherstellung einzudecken“, sagt Filialleiterin Schwab.

Dafür biete das Geschäft unterschiedliche Materialien an. Auch hauseigene Masken würden seit einigen Wochen von Mitarbeitern des „Stoff und Gardinenhauses“ in Heimarbeit produziert und im Laden angeboten.

„Man konnte den Andrang auf die Stoffe kaum verkraften“

„Die Angebote reichen von bunten Mustern aus Baumwolle oder Jersey-Stoffen, die besonders elastisch sind, über schlichte Modelle in Schwarz und Weiß bis hin zu Spezialeffekten wie Masken aus einem Material, das je nach Lichtumgebung seine Farben ändert“, erzählt Schwab. Die Nachfrage der Kunden sei enorm.

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Mit 40 Unternehmen über die Bundesrepublik verteilt gehört die Dortmunder Filiale zur Kette eines großen Unternehmens. In diesen Tagen sei dort von nie da gewesenen Ausmaßen in Sachen Kundenandrang die Rede, so Schwab.

Als die Öffnung des Geschäfts am Montag wieder möglich war, hätten die Mitarbeiter einen solchen Andrang erlebt, dass sie es erst einmal „kaum hätten fassen können“.

Dabei, so erzählt Ella Schwab, würde man nun auch wieder Kunden zu Gesicht - oder besser gesagt zur Maske - bekommen, die man vorher aus dem Kundenstamm verloren hätte. Das zeige, wie sich im Zuge einer Krise auf einmal die Wichtigkeit von Herstellern in ganz andere Bereiche verschieben könne.

Security-Mitarbeiter und Gummibärchen - das Einkaufserlebnis soll angenehm bleiben

Außergewöhnlich ging es auch im Stoffmarkt „Stoff und Stil“ in der Wulfshofstraße im Indupark zu. In der Zeit der Schließung hatten die Mitarbeiter den Kunden per Telefonhotline zur Verfügung gestanden.

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Am Montag konnte die Dortmunder Filiale der Kette dann wieder die von Security-Mitarbeitern bewachten Türen öffnen. Davor warteten die Kunden in einer ähnlich langen Schlange wie im „Stoff und Gardinenhaus“.

Es gebe eine enorme Nachfrage an „Maskenmaterialien“ wie Stoffen und Gummiband. Bei Letzterem käme es sogar schon zum Engpass - auch die Belieferung aus Dänemark sei nicht auf eine solche Situation vorbereitet gewesen, sagt Filialleiterin Susanne Schubert-Jüdith.

Vor dem Stoffmarkt „Stoff und Stil“ im Indupark warteten die Kunden bis weit über den Parkplatz verteilt. Um den Umstand angenehmer zu gestalten, verteilen Mitarbeiter Gummibärchen an die Wartenden.

Vor dem Stoffmarkt „Stoff und Stil“ im Indupark warteten die Kunden bis weit über den Parkplatz verteilt. Um den Umstand angenehmer zu gestalten, verteilen Mitarbeiter Gummibärchen an die Wartenden. © Susanne Schubert-Jüdith

„Unsere 14 Mitarbeiter arbeiten allesamt unter Hochdruck. Wir tun dabei unser Bestes, den Kunden ein den Umständen entsprechend angenehmes Einkaufserlebnis zu bieten", sagt Susanne Schubert-Jüdith.

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Bis es soweit kommt, müssen die Kunden sich aber gedulden. Mitunter stehen sie 1,5 Stunden in der Warteschlange. Doch Schubert-Jüdith und ihr Team verteilen Gummibärchen, um die Zeit des Wartens ein bisschen angenehmer zu machen.

Masken-Modenschau oder Masken-Ausstellung - vorerst nur Schwärmereien

Ella Schwab schwärmt derweil von Ideen wie einer Masken-Modenschau oder einer offenen Masken-Ausstellung in ihrer Filiale. „Dieses ganze Thema entwickelt sich zu einer realen Modeerscheinung. Den meisten Menschen ist der ernste Hintergrund durchaus bewusst. Trotzdem versuchen sie, so meine Erfahrung im Geschäft, auch kreativ mit der Situation umzugehen und sie irgendwie fruchtbar zu machen.“

Aufgrund des Versammlungsverbotes werden Ideen wie eine Modenschau aber wohl erst einmal Schwärmereien bleiben.

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