Dortmunder Stromversorger: Müssen Mitarbeiter bald im Betrieb übernachten?

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Um die Stromversorgung in der Corona-Krise zu gewährleisten, richtet Eon Übernachtungsstellen für Mitarbeiter ein. Wie sieht es bei Dortmunds Stromnetzbetreibern aus?

Dortmund

, 27.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Vorbild kommt aus Österreich. Dort gingen in der vergangenen Woche 53 Mitarbeiter der Firma „Wien Energie“ in eine freiwillige Quarantäne am Arbeitsplatz in den Schaltzentralen von vier großen Kraftwerken. In der Isolation sollen sie vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt sein und so die Stromversorgung sicherstellen können.

Dem Beispiel will auch der deutsche Energiekonzern Eon folgen. Der Stromnetz-Betreiber kündigte am Mittwoch nach einem Bericht der „Welt“ an, mehrere Hunderte Mitarbeiter zu „kasernieren“.

Die Maßnahmen würden regional unterschiedlich umgesetzt, bei einigen Konzerntöchtern auch nur vorbereitet, erklärte das Unternehmen. „Wir werden alles dafür tun, die Versorgungssicherheit auch in dieser Situation verlässlich aufrecht zu erhalten“, wird der Vorstandsvorsitzende der Eon SE, Johannes Teyssen, zitiert.

„Besondere Anforderungen“ bei Amprion

Ist das auch ein Modell für andere Stromnetz-Betreiber? Die Amprion GmbH betreibt das zweitgrößte Höchstspannungs-Stromnetz in Deutschland und hat seinen Hauptsitz auf dem Phoenix-West-Gelände in Dortmund. Dort hält man sich mit Auskünften über Sicherheitsvorkehrungen wegen der Corona-Krise zurück.

Die Zentrale des Stromnetz-Betreibers Amprion auf Phoenix-West.

Die Zentrale des Stromnetz-Betreibers Amprion auf Phoenix-West. © RN-Archiv

„Für die Beschäftigten in den Leitwarten sowie in den für die Aufrechterhaltung des Netzes zwingend notwendigen technischen Teams gelten besondere Anforderungen“, heißt es auf Anfrage in einer schriftlichen Erklärung. „Grundsätzlich sind wir in unseren Leitwarten für alle Notlagen gerüstet, weit über die derzeitige Bedrohung durch das Coronavirus hinaus.“

„Die eingeleiteten Vorsichtsmaßnahmen werden täglich überprüft und bei Bedarf an die aktuelle Lage angepasst“, heißt es weiter. Man sei auch auf eine weitere Verschärfung der Situation wie etwa Ausgangssperren vorbereitet.

Dezentrale Steuerung bei Westnetz

Ein klares Dementi zur Quarantäne-Unterbringung von Mitarbeitern gibt es von der Westnetz GmbH mit Sitz an der Florianstraße. Als Tochterunternehmen von Innogy gehört der Stromversorger und Verteilnetzbetreiber zum Eon-Konzern.

Die Innogy-Tochter Westnetz hat ihren Hauptsitz an der Florianstraße.

Die Innogy-Tochter Westnetz hat ihren Hauptsitz an der Florianstraße. © Dieter Menne (A)

Eine Kasernierung von Mitarbeitern zum Schutz vor dem Coronavirus sei „im Moment noch kein Thema“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Man sei mit seinen Leitstellen dezentral aufgestellt und könne so einzelne Ausfälle überbrücken.

Sicherheitsmaßnahmen bei DEW21

Beim örtlichen Versorger DEW21, an dem Innogy beteiligt ist, ist eine Mitarbeiter-Quarantäne ebenfalls kein Thema. Gleichwohl gelten besondere Sicherheitsmaßnahmen wegen des Coronavirus. So seien die Mitarbeiter in der Leitstelle der Unternehmenszentrale räumlich getrennt untergebracht, erklärt DEW-Sprecherin Jana-Larissa Marx.

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