Lesekompetenz bei Kindern

Dortmunder Studie: Viertklässler lesen schlechter – durch die Pandemie

Viertklässler aus dem Jahr 2021 können schlechter lesen als Viertklässler aus dem Jahr 2016. Das haben Forschende der TU Dortmund herausgefunden. Sie sehen darin eine Folge der Pandemie.
Dortmunder Forschende haben herausgefunden, dass Viertklässler aktuell schlechter lesen können als vor der Pandemie.
Dortmunder Forschende haben herausgefunden, dass Viertklässler aktuell schlechter lesen können als vor der Pandemie. © Michal Parzuchowski / unsplash.com

Die Pandemie hat negative Auswirkungen auf die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern. Zu dieser Erkenntnis ist ein Dortmunder Forschungsteam gekommen. Dazu haben sie die Lesekompetenz von Schülern in der vierten Klasse jetzt mit Viertklässlern vor der Pandemie verglichen.

Die Studie basierte laut einer Mitteilung der TU Dortmund auf repräsentativen Daten einer Schulpanelstudie des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) mit insgesamt mehr als 4000 Kindern in den Jahren 2016 und 2021 an 111 ausgewählten Grundschulen in Deutschland.

Die Forschenden haben dabei festgestellt, dass die mittlere Lesekompetenz von Schülern in der vierten Klasse im Jahr 2021 geringer ist als die Lesekompetenz Gleichaltriger vor der Pandemie.

„Etwa ein halbes Lernjahr“

Gemessen wurde die Lesekompetenz auf einer Punkteskala. Erreichten Schüler im Jahr 2016 noch 1000 Punkte, kamen Kinder im Jahr 2021 nur noch auf 980 Punkte, so die TU Dortmund. „Drückt man es in Lernjahren aus, fehlt den Kindern im Durchschnitt etwa ein halbes Lernjahr“, er­läu­tert Dr. Ulrich Ludewig vom IFS, der die Studie zusammen mit Professorin Nele McElvany geleitet hat.

Der Rückgang verringere sich etwas, wenn man die Veränderung der Zusammensetzung der Schülerschaft berücksichtigt, bleibe aber signifikant, so Dr. Ulrich Ludewig. Zum Zeitpunkt der Erhebungen habe hinter den Schulkindern über ein Jahr pandemiebedingte Einschränkungen gelegen, so die TU Dortmund.

Diese Verschlechterung der Lesekompetenz bedeute, dass der Anteil an Grundschülern und -schülerinnen, die sehr gut lesen können, im Vergleich zum Jahr 2016 auf rund 37 Prozent gesunken ist. Der Anteil derjenigen, die Probleme mit dem Lesen und dem Textverständnis haben, habe dagegen auf 28 Prozent zugenommen.

„Da Lesen eine zentrale Kom­pe­tenz darstellt, hat dieses Ergebnis auch Aus­wir­kungen auf alle anderen Schulfächer“, betont Professorin Nele McElvany.

Manche Kinder besonders betroffen

Von der Verschlechterung betroffen seien alle untersuchten Gruppen. So könnten beispielsweise Mädchen und Kinder aus Familien mit mehr als 100 Büchern zuhause weiterhin im Schnitt besser lesen als Jungen und Kinder aus Familien mit weniger Büchern. Der Rückgang über alle vier Gruppen sei aber ähnlich.

Kinder mit schlechten häuslichen Rahmenbedingungen zum Lernen – etwa kein eigener Schreibtisch oder kein Internetzugang – verlieren im Schnitt mit 27 Punkten auf der Lesekompetenz-Skala stärker als Kinder mit guten Rahmenbedingungen (sie verlieren 16 Punkte).

Auch Kinder mit Migrationshintergrund sind stärker betroffen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen bei der Lesekompetenz sei von 46 Punkten auf 63 Punkte gestiegen. Kinder, die im Ausland geboren wurden, liegen damit laut der TU beim Lesen etwa 1,5 Lernjahre hinter Kindern, die in Deutschland geboren wurden. Dieses Ergebnis lasse sich jedoch nicht statistisch gegen den Zufall absichern.

Auch im Fünf-Jahres-Vergleich sei die Lesekompetenz der aktuellen Schülergeneration in Deutschland wesentlich geringer. Aus Sicht der Autoren und Autorinnen der Studie ein alarmierendes Ergebnis. Sie halten umfassende Förderangebote auch an den weiterführenden Schulen für nötig. Mit Blick auf zukünftige Krisen gelte es, bei bildungspolitischen Entscheidungen das selbstregulierte Lernen sowie die Arbeit mit digitalen Medien mitzudenken.

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