Dortmunder Tätowierer kritisiert Zwangsschließung wegen Corona

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Ab Montag (2.11.) müssen auch die Tattoo-Studios in Dortmund wieder schließen. Anders als zum Beispiel Friseure. Einige Dortmunder Tätowierer können das nicht nachvollziehen.

Dortmund

, 31.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Entscheidung der Bundesregierung steht fest: Ein neuer Lockdown. Ab dem 2. November müssen neben der Kultur-, Freizeit- und Gastro-Szene auch Dienstleister wie Kosmetik- und Tattoostudios schließen. Dass Friseure weiterarbeiten dürfen, verstehen die Betroffenen ganz und gar nicht.

"Ich weiß nicht was ich davon halten soll", sagt Dominik Reichert, Tätowierer aus Dortmund. "Wieso müssen wir schließen und Friseure nicht?", fragt er sich. "Wir tätowieren kaum im Gesichtsbereich, meistens auf den Armen oder Beinen", erklärt er, während er den Unterarm seines Kunden tätowiert.

"Wir haben die Hygienestandards schon vor der Pandemie erfüllt"

Abgesehen von der Maskenpflicht am Arbeitsplatz, größeren Abständen und dem Ausschluss von Begleitpersonen, habe sich nichts geändert, erklärt Reichert. "Wir benutzen sogar nur Einwegmaterial, um auf Nummer sicher zu gehen. Für uns hat sich nichts geändert".

Hinzu komme, dass der Durchlauf viel geringer sei und auch viel weniger Angehörige von Risikogruppen unter den Kunden seien als zum Beispiel in einem Friseursalon. "Beim Friseur sitzen ja auch viele Ältere, bei mir meistens eine junge Person pro Tag", so Reichert.

Während des Gesprächs, tätowiert Dominik Reichert weiter. Sein Kunde ist froh, dass sein Termin noch nicht abgesagt werden musste.

Während des Gesprächs, tätowiert Dominik Reichert weiter. Sein Kunde ist froh, dass sein Termin noch nicht abgesagt werden musste. © Sophie Conrad

Reichert teilt sich den Arbeitsplatz – und den Frust – mit vier weiteren Tätowierern: "Wir sind alle selbstständig, wo soll das Geld denn herkommen? Ich habe eine kleine Tochter."

Zunächst nicht mit Schließung gerechnet

Mit den steigenden Zahlen in den letzten zwei Wochen, sei die Angst vor einer erneuten Zwangsschließung gewachsen. "Vorher haben wir nicht damit gerechnet, einfach, weil bei uns immer alles steril sein muss", so der Tätowierer.

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Anfang Oktober hatte das Kleinunternehmen noch Geld in die Renovierung gesteckt, die ursprünglich während des ersten Lockdowns geplant war: "Wenn wir das vorher gewusst hätten", sagt Reichert.

Die Soforthilfen seien auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn bisher sei noch unklar, ob die finanziellen Mittel steuerlich nicht wieder abgezogen werden. "Unser Unternehmen war Anfang des Jahres zum Glück noch gesund, aber wir mussten auch unser ganzes Gespartes aufbringen", erklärt das Studio.

Tätowierer fühlen sich im Stich gelassen

Was die Kontaktbeschränkungen und privaten Regeln betreffe, könne der Tätowierer die Maßnahmen nachvollziehen. In beruflicher Hinsicht fühle er sich aber im Stich gelassen. "Die Großen werden alle gerettet und gefördert, aber wir kleinen ... ja", sagt Reichert schwer seufzend. "Wir ziehen auch mit, aber es wird hart."

An diesem Wochenende ist der Terminkalender nochmal voller als sonst, damit – den Regeln entsprechend – vor der Zwangsschließung noch einmal Geld verdient werden könne, denn die Angst vor der Zukunft bleibe.

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