Besuchergrenzen in Theatern: „Die Regelung ist eine Unverschämtheit“

hzKleine Theater

Welche Folgen hat die neue Einschränkung der Besucherzahl für Dortmunds Theater? Wir haben uns bei den Kulturschaffenden in der Stadt umgehört – die Meinungen gehen auseinander.

Dortmund

, 19.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Jetzt habe ich mich ausgekotzt“, sagt Rüdiger Trappmann, nachdem er erstmal seinen Gedanken freien Lauf gelassen hat. „Es ist eine Unverschämtheit, eine Frechheit, dass zwischen den einzelnen Kulturstätten nicht differenziert wird, sondern es nur eine pauschale Regelung gibt“, meint der Leiter des Roto Theaters in der Nähe des Dortmunder Hafens.

Der Grund seiner Frustration: Seit Dienstag (13. Oktober) gilt für Dortmund die Regelung, dass für Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen die zulässige Besucherzahl fest gedeckelt wird. Ein Drittel der bis dahin üblichen Kapazität ist nun nur noch erlaubt.

„Regeln sollte man kontrollieren“

Trappmann berichtet, dass sich sein Theater an alle Auflagen gehalten habe. Sogar eine neue Belüftungsanlage, die nach seinen Angaben etwa 3000 Euro gekostet hatte, wurde angeschafft.

Manch andere Kulturstätte hat sich nicht dran gehalten. Namen und Orte wollte der Leiter nicht nennen. „Aber es hat ja auch niemand kontrolliert. Sicherlich verstehe ich, dass das Gesundheitsamt viel zu tun hat. Aber wenn man Regeln aufstellt, sollte man die auch kontrollieren. Die feste Besucherzahl hat nun wieder Auswirkungen für alle.“

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Einige Veranstaltungen musste Trappmann schon absagen. Eigentlich könne man nur noch Aufführungen stattfinden lassen, die man selbst auf die Beine stellt. Gäste von außerhalb kann das Theater nicht mehr finanzieren - die Gage ist einfach nicht bezahlbar.

Nach einige Monaten der Schließung war der Theaterleiter froh, Mitte August wieder öffnen zu dürfen. „Am Anfang sind die Menschen nur zögerlich gekommen. Zuletzt war der Besucherandrang wieder da und viele Veranstaltungen waren voll. Nun kommt wieder ein Rückschritt.“

„Aktuelle Regelung zu pauschal“

Ähnlich beschreibt Rudi Strothmüller, Geschäftsführerin des Hansa Theaters in Hörde, die Lage. „Wir wissen noch nicht, ob wir nach den Herbstferien noch weiterspielen. Wir warten jetzt die nächsten Tage und die kommenden Beschlüsse ab.“ Schon bei der Begrenzung auf 50 Prozent der Besucher habe es sich für ihr Theater kaum gelohnt, Veranstaltungen zu organisieren.

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Daher meint sie: „Die aktuelle Regelung ist ein Unding, weil viel zu pauschal vorgegangen wird. Wir können die gleichen Abstände einhalten, ob nun die Hälfte oder ein Drittel der Besucher erlaubt sind. Außerdem haben wir eine gute Durchlüftung.“

„Besser vor 30 Leuten als vor gar keinem“

Im Fletch Bizzel ist die Lage anders - alle Events können wie geplant stattfinden. „Wir werden unser Programm bis Jahresende wie geplant durchziehen. Wir planen auch einige Nicht-Kulturevents wie beispielsweise Bürgergespräche“, sagt Leiter Horst Hanke-Lindemann.

Sicher sei die Zeit gerade aus finanzieller Sicht extrem schwierig. Hanke-Lindemann freut sich aber, dass Veranstaltungen überhaupt stattfinden können. „Dass wir spielen können, ist wichtig. Es ist wichtig, dass die Kultur nicht vor die Hunde geht. Viele Künstler wollen einfach nur auf der Bühne stehen - besser vor 30 Leuten als vor gar keinem.“

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Für die nächsten Wochen stehen im Fletch Bizzel einige kleine Festivals an. Ende Oktober startet das SOLO-Theaterfestival. Höchstens zwei Künstler spielen auf der Bühne und führen ihre Stücke auf. Anfang November beginnt dann das LesArt.Festival - ein Literaturfestival, das in diesem Jahr zum einundzwanzigsten Mal stattfindet.

Im Depot Dortmund befindet man sich derzeit noch in Planungen, wie man mit der Begrenzung der Besucherzahl umgeht und welche Maßnahmen man konkret ergreift. Fest steht, dass die Ausstellung „World Press Photo“ wie geplant vom 24. Oktober bis zum 15. November stattfindet.

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