Dortmunder Wissenschaftler erhält 11 Millionen Euro für die Erforschung der Muskelfunktion

hzMax-Planck-Institut

Wie arbeiten die Muskeln im menschlichen Körper? Dieses Geheimnis ist noch nicht ganz gelöst. Der Dortmunder Forscher Stefan Raunser will es lüften - und seine Arbeit wird nun erleichtert.

Dortmund

, 02.11.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Muskeln sind an jeder noch so kleinen Bewegung beteiligt, selbst Atmen oder Essen funktioniert nicht ohne Muskeltätigkeit. Trotzdem ist der lebenswichtige Vorgang der Muskelkontraktion immer noch nicht vollständig erforscht. Der Dortmunder Forscher Prof. Stefan Raunser will das ändern.

Als Koordinator eines europäischen Konsortiums hat der Abteilungsdirektor des Max-Planck-Instituts (MPI) für molekulare Physiologie mit Kollegen aus Göttingen, London und Marseille Fördermittel der EU in Höhe von 11 Millionen Euro erhalten.

Diese hohe Summe hat der Europäische Forschungsrat bewilligt, damit die Forscher das Rätsel der Lebensmotoren endlich lösen können und die bisher unbekannte Nanostruktur des Muskels aufklären. 2019 hat der Europäische Forschungsrat (ERC) europaweit nur 37 Anträge zur Förderung ausgewählt.

Super-Mikroskop ermöglicht Einblicke in die Nanostruktur

Stefan Raunser setzt auf die Kryo-Elektronenmikroskopie, die einen scharfen Blick bis in die Nanostruktur der Biomoleküle ermöglicht. Die Technologie ist teuer, kompliziert und wird nur von wenigen Laboratorien auf der Welt beherrscht. Als Leiter der Strukturbiochemie hat Stefan Raunser das MPI in Dortmund zu einem führenden Zentrum für Kryo-Elektronenmikroskopie etabliert.

„Mit dieser Forschungstechnik konnten wir bereits erste bahnbrechende Erkenntnisse über die molekularen Antriebsmechanismen des Muskels gewinnen“, erklärt Raunser. Das große Ziel sei jetzt, den dreidimensionalen Aufbau auch der kleinsten Einheiten des Muskels und fehlende Erkenntnisse über die Mechanismen seiner Funktion aufzuklären.

Was passiert im alternden Muskel?

Die Forscher haben besonders die Alterungsprozesse in den Muskeln im Blick. „Auch gesunde Menschen verlieren mit zunehmendem Alter an Muskelmasse. Allein durch zwei Wochen Nichtstun im Urlaub kann man bis zu 500 Gramm in den Beinen verlieren“, so Raunser. Tatsächlich sind Muskelschwund und Muskelschwäche die häufigste Ursache für Stürze im Alter.

Dortmunder Wissenschaftler erhält 11 Millionen Euro für die Erforschung der Muskelfunktion

Dieses Forscherteam erhält eine satte Finanzspritze: (v.l.) Prof. Dirk Görlich, Prof. Stefan Raunser, Prof. Frank Schnorrer und Prof. Matthias Gautel. © MPI

Raunser erwartet von den gemeinsamen Forschungsergebnissen völlig neue Einblicke in den molekularen Aufbau von Muskelzellen. „Das wird schließlich dazu beitragen, Muskelerkrankungen besser zu verstehen und innovative Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.“

Diese finanzielle Unterstützung ist schon die zweite hochdotierte EU-Förderung, die Raunser bekommt. Im Sommer hat er – ebenfalls als Partner eines Konsortiums – weitere 2 Millionen Euro für die methodische Weiterentwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie eingeworben. Damit ist Raunser vermutlich derzeit der Wissenschaftler in Dortmund mit den meisten eingeworbenen Fördermitteln.

Das Förderprogramm

„ERC Grants“

  • Mit dem Förderprogramm der ERC Grants werden herausragende Forscher in Europa gefördert, deren Arbeit nach Ansicht des Forschungsrats das Potenzial hat, den Alltag der Menschen zu verändern und Lösungen für dringende Herausforderungen zu liefern.
  • In der aktuellen Ausschreibungsrunde stellt der Europäische Forschungsrat ERC insgesamt 363 Millionen Euro zur Verfügung.
  • ERC-Synergy Grants ermöglichen Gruppen von zwei bis vier Spitzenforschern, Fähigkeiten, Kenntnisse und Ressourcen zusammenzuführen, um gemeinsam Forschungsfragen anzugehen.
  • Dafür erhalten die Gruppen bis zu 14 Millionen Euro für einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren.
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