Eine an Corona erkrankte Dortmunderin wundert sich über das Handeln des Gesundheitsamts. Schaffen die Mitarbeiter die Nachverfolgung nicht? © Stephan Schuetze
Corona-Pandemie

Dortmunderin kritisiert Gesundheitsamt: „Dem Virus spielt das in die Karten“

Eine Dortmunderin erfuhr über einen Schnelltest, dass sie sehr wahrscheinlich mit Corona infiziert ist. Doch das Handeln des Gesundheitsamtes sorgte bei ihr für Irritation. Die Stadt hält dagegen.

Annette Kritzler hat immer aufgepasst, Abstand gehalten, Maske getragen, ihre Kontakte eingeschränkt. Gut ein Jahr nach Auftreten des Virus in Dortmund traf es dann aber auch sie: im Schnelltestzentrum an der Wißstraße erfuhr sie, dass sie sich mit Sars-CoV-2 infiziert hat.

Schnelltest positiv: Jetzt mit Bus und Bahn durch die Stadt?

Das war an einem Samstag (13.3.). Das Ergebnis musste erst noch durch einen PCR-Test bestätigt werden. Gleich am Sonntag habe sich das Gesundheitsamt bei ihr gemeldet und sie aufgefordert, diesen Test bei ihrem Hausarzt machen zu lassen. Außerdem schickte das Gesundheitsamt die Dortmunderin für 14 Tage in häusliche Quarantäne.

Annette Kritzler erfuhr durch einen Schnelltest von ihrer Corona-Infektion. © Annette Kritzler © Annette Kritzler

„Für den Test bei meinem Hausarzt hätte ich mit dem ÖPNV durch die halbe Stadt fahren müssen“, sagt Annette Kritzler. Sie findet das Vorgehen kontraproduktiv im Sinne der Pandemiebekämpfung.

Dank eines befreundeten Hals-Nasen-Ohren-Arztes konnte Annette Kritzler in Quarantäne bleiben. Der Arzt kam zu ihr, „in voller Seuchenmontur“, wie sie sagt, und nahm den Abstrich.

Ist das Gesundheitsamt unterbesetzt?

Am Mittwoch (17.3.) meldete sich das Gesundheitsamt erneut. Inzwischen lag wohl die Bestätigung der Infektion vor. Dass sie erst jetzt nach ihren Kontaktpersonen gefragt wurde, deutet Annette Kritzler als Indiz dafür, dass die Gesundheitsämter unterbesetzt sind. „Dem Virus spielt das maßgeblich in die Karten, dafür muss man keine Virologin sein“, meint sie.

Stadtsprecherin Anke Widow weist die Kritik ab: „Wie bereits seit langem auf der Internetseite der Stadt Dortmund bei den Verhaltensempfehlungen für positiv Getestete vermerkt ist, sollten positiv Getestete bereits von sich aus ihre Kontaktpersonen über das positive Testergebnis informieren. Man sollte diesen bereits mitteilen, dass sich das Gesundheitsamt auch bei ihnen melden wird.“

Das Gesundheitsamt beginne erst mit der Kontaktnachverfolgung, wenn das positive PCR-Ergebnis vorliege. Die Personalsituation in der „Contain-Arbeit (Fall- und Kontaktpersonen-Management)“ werde immer an die Infektionslage angepasst. „Aktuell wird die Arbeit in der Kontaktpersonen-Nachverfolgung mit höchstens einem Tag zeitlichem Verzug erledigt.“

Momentan (Stand: 20.4.) seien circa 170 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Infektionsschutz und im Fall- und Kontaktpersonen-Management im Einsatz. Anfang des Monats, als die Inzidenz noch um 100 lag, kümmerten sich circa 165 Mitarbeiter um dieses Aufgabenfeld.

Früher hätte das Gesundheitsamt demnach wohl gar nicht handeln können. Zwar lässt sich nicht rekonstruieren, wann dem Amt das Ergebnis vorlag, aber Annette Kritzler sagt, dass sie schon am Montagabend (15.3.) von ihrem Arzt erfahren habe, dass das Ergebnis positiv ist. Anke Widow nimmt an, dass dem Gesundheitsamt das Ergebnis frühestens am Dienstag (16.3.) oder Mittwoch (17.3.) vorgelegen hat.

Quarantäne-Ende ohne negativen Test?

Die Krankheit und die Zeit allein zuhause überstand die Dortmunderin gut. Freunde stellten ihr Essen und kleine Ostergeschenke vor die Tür. Als nach 14 Tagen die Quarantäne endete, ging Annette Kritzler davon aus, dass sie nun einen neuen, negativen Test vorlegen müsse, um wieder vor die Tür zu dürfen.

Doch was das Gesundheitsamt ihr mitteilte, empfindet sie als fahrlässig. Ein Test sei nicht nötig, sie könne freiwillig einen machen.

Anke Widow bestätigt, dass es Mitte März noch gängige Praxis gewesen sei, dass die Quarantäne nach 14 Tagen und 48 Stunden Symptomfreiheit automatisch aufgehoben gewesen sei.

Freunde und Nachbarn stellten Annette Kritzler Essen und Geschenke vor die Wohnungstür.
Freunde und Nachbarn stellten Annette Kritzler Essen und Geschenke vor die Wohnungstür. © Annette Kritzler © Annette Kritzler

Die Dortmunderin entschied sich für einen Test, um sicher zu gehen. „Ich bin viel zu verantwortungsvoll, als dass ich diese Infektion auf die leichte Schulter nehme“, schreibt sie in einem Blogbeitrag. Das Ergebnis war eindeutig: Die Viruslast war noch hoch. Annette Kritzler blieb eine weitere Woche in Quarantäne.

Quarantäne kann sich verlängern und endet erst mit negativem Test

Erst seit 11. April ist die Regelung in Dortmund eine andere. Die Stadtsprecherin verweist auf die Corona-Test-und-Quarantäneverordnung. Dort heißt es, es muss „zusätzlich zur Aufhebung der Quarantäne am 14. Tag ein negativer Corona-Schnelltest bzw. bei schweren Verläufen ein negativer PCR-Test vorliegen.“

Wenn die Betroffenen noch Symptome haben, verlängert sich die Quarantänezeit solange bis 48 Stunde lang keine Symptome mehr auftreten.

Annette Kritzler ist inzwischen wieder gesund und sie ist froh, dass sie dank ihres Verantwortungsbewusstseins einen zweiten Test gemacht hat. „Ich hätte noch Leute anstecken können“, sagt sie.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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