Dortmunderin kämpft um die Erhaltung eines alten Kreuzviertel-Baumes

hzGeplante Fällung

Im Kreuzviertel soll im Oktober eine alte Vogelkirsche gefällt werden. Eine Anwohnerin ist bestürzt - und kämpft nun um die Rettung.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 30.09.2020, 12:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

In dem kleinen Hof hinter dem Altbau, in dem Sabine Aust seit 18 Jahren als Heilpraktikerin in eigener Praxis arbeitet, ragt ein prächtiger Baum aus dem Boden: eine Vogelkirsche. Wenn es nach der Stadt geht, soll es dieser allerdings bald an den Kragen gehen. Aust versucht nun mit allen Mitteln, die geplante Fällung zu verhindern.

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Laut Austs Angaben sei es ein Bewohner des gleichen Hauses gewesen, der das Umweltamt verständigt hatte, weil von besagter Vogelkirsche zu viele Kirschen, Äste und Blätter auf dessen Balkon gefallen seien. Daraufhin habe die Stadt Mitarbeiter des Umweltamtes zur Begutachtung des Baumes in den Hinterhof bestellt. Kurze Zeit später sei die Fällung des Baumes durch die Stadt für Oktober festgesetzt worden.

Die Begründung, die Aust auf Nachfrage beim Umweltamt bekam: Der Baum sei nicht mehr vital, nicht mehr funktionsfähig. Darunter könne sich die Naturheilpraktikerin allerdings nichts vorstellen, sagt sie.

„Es ist tieftraurig, wenn ein so altes und stabiles und vor allem immer noch grünes und Kirschen tragendes Stück Natur aus nichtigen Gründen aus dem Boden gerissen werden soll", so Aust.

Vermieter, die Grünen, NABU und BUND eingeschaltet

Aust zweifelt an der Begründung des Umweltamtes. Sie wirft der Stadt vor, sich nicht hinreichend mit den Hintergründen beschäftigt zu haben und zu leichtfertig Beschwerden von Anwohnern nachgegeben zu haben.

Auf eigene Faust hatte Aust sich bereits mit dem Umweltamt, dem Spar- und Bauverein als Vermieter, der Ratsfraktion der Grünen, mit dem Naturschutzbund (NABU) sowie mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und den Naturfreunden Kreuzviertel in Verbindung gesetzt. Von keiner der genannten Stellen habe sie allerdings eine adäquate Antwort bekommen.

Deshalb erachtet die Stadt die Baum-Fällung als notwendig

Laut Pressestelle der Stadt Dortmund hatte der Spar- und Bauverein im Februar bereits die Fällung von zwei großen Zierkirschen im Innenhof hinter dem Gebäude an der Essener Straße 19 beim Umweltamt beantragt. Laut Umweltamt wiesen beide Bäume deutliche Vorschädigungen in Form von Reibstellen auf.

Mit Reibstellen sei gemeint, dass beide Bäume so dicht aneinander stünden, dass es durch das Aneinanderreiben von großen, starken Ästen im Kronenbereich zu Verletzungen der Rinde gekommen sei. Es sei davon auszugehen, dass selbst ein starker Rückschnitt der Krone nicht zu einer Genesung geführt hätte. Der Fällantrag sei genehmigt worden.

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Grundsätzlich sei es so, dass das Umweltamt keine eigenen Fällungen auf privaten Grundstücken vornehme. Wenn ein Baum nicht mehr verkehrssicher sei und eine Gefahr darstelle, dürfe er vom Grundstückseigentümer mit Genehmigung des Umweltamtes auch ganzjährig gefällt werden.

Mit den Begriffen „vital" und „nicht funktionsfähig" würden üblicherweise Bäume beschrieben, die aus vielerlei Gründen angegriffen seien und daher über kurz oder lang ohnehin absterben würden - so eben auch der Baum, um den es jetzt geht.

Nicht immer sei ein Vitalitäts-Mangel an einem Baum auch für den Laien erkennbar, so die Stadt. In dem von Frau Aust geschilderten Fall sei davon auszugehen, dass der besagte Nachbar zwar das Umweltamt auf die Vogelkirsche aufmerksam gemacht habe, jedoch seine subjektive Beschwerde nicht ausschlaggebend gewesen sei für die letztendlich geplante Fällung. Es wurde vom Umweltamt ferner die Auflage gestellt, an genannter Stelle Ersatzbäume zu pflanzen.

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