Dortmunds Arbeitslosenquote steigt auf 10,1 Prozent – Stadt will sie unter 8 Prozent drücken

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„Ambitioniert, aber erreichbar“ findet die Stadt ihr Ziel, die Arbeitslosenquote in Dortmund bis 2030 auf unter 8 Prozent zu senken. So will die Stadt das Ziel erreichen.

Dortmund

, 29.05.2019, 18:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Frage entglitten Sozialdezernentin Birgit Zoerner und Wirtschaftsförderer Thomas Westphal kurz die Gesichtszüge. Wie seriös denn die Prognose sei, dass die Arbeitslosenqote in Dortmund bis 2030 „dauerhaft auf unter 8 Prozent“ gesenkt werden könne? Das hatten beide am Mittwoch im Rathaus gesagt, als sie die Arbeitsmarktstrategie 2020-2030 vorstellten. Die 8 Prozent seien „keine Prognose“, sagte Westphal, sondern ein Ziel, „ambitioniert, aber erreichbar“. „Es ist wichtig, sich ein Ziel zu stecken“, sagte Zoerner, wobei sie auch einräumte, es müsse schon „viel Positives zusammenkommen“, damit es erreicht wird.

Noch liegt die Arbeitslosenquote bei um 10 Prozent: mal ein, zwei Pünktchen drüber, mal drunter. Am Mittwoch gab‘s frische Zahlen der Arbeitsagentur, wonach die Quote im Mai wieder leicht gestiegen ist, auf 10,1 Prozent (April: 9,9).

Anstieg im Mai vor allem wegen Statistik-Problem

Dass die Zahl der Arbeitslosen in Dortmund im Mai um 800 auf 31.684 Menschen angestiegen ist, liege in erster Linie an einer notwendigen Korrektur der Statistik, erklärte Jobcenter-Geschäftsführer Frank Neukirchen-Füsers. Der Bundesrechnungshof hatte bei Jobcentern bundesweit fehlerhafte Einträge bemängelt, die nun – auch in Dortmund – korrigiert wurden. Dadurch werden nun mehr Jobcenter-Kunden mit dem Status „arbeitslos“ gezählt.

Dennoch lag die Arbeitslosigkeit im Mai 2019 so niedrig wie in keinem Mai in den vergangenen zehn Jahren.

Den Blick auf die kommenden zehn Jahre richten Stadt, Jobcenter und Arbeitsagentur mit der Arbeitsmarktstrategie 2020-2030, die noch in diesem Jahr dem Rat vorgelegt werden soll. Um die Arbeitslosigkeit bis 2030 tatsächlich unter die 8-Prozent-Marke zu drücken, gibt es viele Ansätze. Einige davon:

  • Schwerpunkte bleiben die Bekämpfung der Jugend- und der Langzeitarbeitslosigkeit. Im Mai waren 12.395 Menschen länger als ein Jahr ohne Job und damit langzeitarbeitslos. Gerade für Ungelernte sollen neue Arbeitsformen gefunden werden. Derzeit gibt es rund 1000 offene Stellen für Ungelernte, die mit fünfjähriger Förderung für die Arbeitgeber und Coaching für die Arbeitnehmer besetzt werden können.
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  • Genau wie Langzeitarbeitslose bräuchten auch geflüchtete Menschen mehr Hilfe, Arbeit zu finden, und mehr Betreuung, wenn sie eine Arbeit haben, sagt Sozialdezernentin Zoerner. Zudem solle es Deutsch-Förderung auch für Flüchtlinge ohne Anspruch darauf geben, damit sie arbeitsfähig werden.
  • Von Dortmunds Hauptschülern gehen nur 12,5 Prozent direkt in Ausbildung, viele andere versuchen, weiterführende Abschlüsse zu erlangen (was nicht immer klappt). Die Stadt will mehr Hauptschüler dazu bringen, direkt eine Lehre zu starten. Dazu sollen Firmen aus dem Umfeld der Schulen eingebunden werden, ein erfolgreiches Modellprojekt läuft in Husen.
  • Auch nach Auslaufen der Landesförderung Ende 2019 will die Stadt das Modellprojekt „Service Center für lokale Arbeit“ fortführen. Das Prinzip: Die Stadt prüft bei allen öffentlichen Aufträgen, die sie an Firmen vergibt, ob Teile der Arbeit von Langzeitarbeitslosen übernommen werden können. Seit 2017 kamen so 155 Personen in Arbeit.

Ob die Arbeitslosenquote in Dortmund bis 2030 auf unter 8 Prozent sinkt, bleibt abzuwarten. Aus Sicht von Jobcenter-Geschäftsführer Neukirchen-Füsers macht die Stadt mit ihrer Strategie jedenfalls deutlich mehr als viele andere Kommunen: „Ein solches kommunales Engagement ist mitnichten selbstverständlich.“ Wie viel Geld in die Arbeitsmarktstrategie 2020-2030 fließt, lässt sich laut Birgit Zoerner nicht vorab sagen.

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