Dortmunds Müllwerker haben 1000 Schlüssel von Häusern – und wären sie gern wieder los

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Viele Mülltonnen stehen in Kellern und Höfen. Um dranzukommen, müssen die Müllwerker klingeln. Oder den Haustürschlüssel zücken. Zu oft, klagt die EDG. Auf Mieter könnten neue Kosten zukommen.

Dortmund

, 21.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stehen die Tonnen vor den Häusern, haben die Müllwerker der Entsorgung Dortmund (EDG) sofort Zugriff und können sie leeren. Problematisch wird’s bei Altbaubeständen. Dort, wo es vor den Häusern keinen Platz für Mülltonnen gibt. In vielen Fällen stehen sie in Kellern und Hinterhöfen und sind nur schwer zu erreichen.

Da bleibt es nicht aus, dass sich die Trupps morgens häufig durchs halbe Haus klingeln müssen. „Oft genug ohne Erfolg“, sagt EDG-Sprecher Matthias Kienitz. Folge: Die eng getakteten Entsorgungsteams sind gezwungen, eine Ehrenrunde zu drehen und die Häuser ein zweites Mal anzufahren.

Um nicht zu riskieren, dass die Tonnen ungeleert bleiben, sind Hausbesitzer und Wohnungsgesellschaften vor Jahren dazu übergegangen, der EDG die Haustür- und Hofschlüssel für solche Häuser zu überlassen. Die Grundstückseigentümer stehen in der Pflicht: Laut Abfallsatzung haben sie dafür sorgen, dass die Mülltonnen am Tag der Leerung von 6 bis 22 Uhr für die Müllabfuhr erreichbar sind.

"Das ist ziemlich ausgeufert"

Inzwischen hat sich bei der EDG ein wahrer Berg an Haustür-, Keller- und Hoftorschlüsseln angesammelt: rund 1000 Stück. Die müssen sorgfältig aufbewahrt und verwaltet werden. „Das ist ziemlich ausgeufert“, stellt Kienitz fest. Deshalb - und auch aus Haftungsgründen - möchte die EDG die Schlüsselwirtschaft beenden; mindestens aber deutlich schrumpfen lassen.

Dortmunds Müllwerker haben 1000 Schlüssel von Häusern – und wären sie gern wieder los

Die EDG möchte die Schlüsselwirtschaft, die ihr Hauseigentümer in die Hände gelegt haben, deutlich reduzieren. © EDG

Ein Thema, das auch in der 13 Mitglieder starken „Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen“ (ADW) angekommen ist. Bei der kommunalen Dogewo beispielsweise seien rund 60 Wohnhäuser betroffen, sagt Prokurist Christian Nagel. „Hauptsächlich im Kaiserblock und in der Nordstadt.“ Die geschlossene Bebauung lasse Standplätze vor den Eingängen nicht zu - also sind die Müllwerker mit dem Schlüsselbund unterwegs.

Test mit Schlüsseltresoren

Das könnte sich dank moderner Haustechnik bald ändern. „Wir sind dabei, ein neues Konzept zu entwickeln“, sagt Nagel. Denkbar sei beispielsweise ein Chipsystem (Transponder), das den Schlüssel überflüssig macht und die Haustür automatisch öffnet. „Wir sind mitten in den Überlegungen, entschieden ist das noch nicht", betont Nagel.

Beim Spar- und Bauverein seien „80 bis 90 Prozent“ der Häuser für die EDG-Mitarbeiter zugänglich, sagt Sprecher Björn Malcharczyk. Die Zahl der Gebäude, bei denen die Müllwerker eben doch klingeln oder die Hoftür mit Dreikantschlüsseln öffnen, beziffert er auf „weniger als 100“. 2018 und 2019 habe der Spar- und Bauverein an einem Pilotprojekt teilgenommen, bei dem zwei Wohnhäuser in der Heinrichstraße und in der Wambeler Straße mit einem Schlüsseltresor ausgestattet worden seien.

Dabei wird der Haustürschlüssel in einen Behälter gesteckt, der in die Außenwand eines Hauses eingelassen wird. Der Behälter selber ist nur über einen Extra-Schlüssel mit einem Code zu öffnen. Geht der Schlüssel verloren, wird der Code blockiert - die Box in der Hauswand bleibt zu. „Der Testlauf hat funktioniert“, sagt Malcharczyk.

Kosten landen bei Mietern

Dennoch: Ob die Genossenschaft weitere Häuser mit Schlüsselboxen ausstattet, bleibt offen. Die Konzession für den Einbau des Systems in Dortmund hat die EDG nach einer europaweiten Ausschreibung exklusiv an die Firma Weckbacher vergeben. Unterhalt und Betrieb der Tresore schlagen mit 300 Euro pro Stück und Jahr zu Buche. Die können auf die Mieter umgelegt werden. „Unsere Häuser haben im Schnitt sechs Wohnungen, das wären im Monat für jeden Mieter fünf Euro mehr“, so Malcharczyk.

Auch Vivawest hat in einigen Häusern Schlüsseltresore eingebaut. Das Unternehmen lässt ebenfalls offen, ob das System Schule machen soll. Im März könnte mehr Klarheit herrschen: Die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen hat das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

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